Deine kostenlose Zeitung für Passau!


Die meist geklickten Beiträge


Aktuelle Kommentare



Spielsucht und Spielhallenflut: Betreiber verteidigt Branche

„98 Prozent spielen rein zum Vergnügen“

Spielhallenflut und eine steigende Zahl von Spielsüchtigen sind derzeit ein großes Thema in Passau. Die Spielhallenbetreiber werden zu Unrecht verteufelt, meint hingegen Thomas Schuster, ein Passauer Casino-Unternehmer.

veröffentlicht von Esther Mischkowski am 06.02.2012 14:37 Uhr im Ressort Wirtschaft

Erst kürzlich kam auf lokalnews der Caritas-Suchtberater Julius Krieg zu Wort, der unter anderem auch die gestiegene Zahl der Spielhallen in Passau direkt in Zusammenhang mit den gestiegenen Fällen von Spielsucht setzte (das gesamte Interview gibt es hier). Auf Seiten der Betreiber herrscht da traditionsgemäß eine gegensätzliche Meinung. Wir wollten es genauer wissen und suchten das Gespräch mit Thomas Schuster, Inhaber von Automaten Schuster Betriebs GmbH und Betreiber des Big Cash Casinos direkt an der B12 bei Straßkirchen und des Jumbo Spielcenters in der Passauer Bahnhofstraße, sowie dessen Geschäftsführer Mark Hinterholzinger.



"Vom Gesetzgeber ist das sehr gut geregelt"


Die gesetzlichen Regelungen für die gewerblichen Spielstättenbetreiber (genauer aufgelistet im Kasten am Ende des Textes), die lediglich Glückspiel in Form von Geldspiel-Automaten anbieten dürfen, sehen Schuster und Hinterholzinger als absolut ausreichend für den Spieler- und Jugendschutz an. „Spielsucht findet im Kopf statt, vom Gesetzgeber ist das sehr gut geregelt, er hat das Bestmögliche getan, um Spielsucht vorzubeugen“, meint Schuster. „Natürlich kann man an unseren Automaten genauso süchtig werden, aber das Suchtpotenzial ist nicht so groß, da bei uns die Gewinne einfach nicht so hoch sind“. Der maximal mögliche Gewinn bei den Automaten der gewerblichen Spielhallenbetreiber liegt deutschlandweit bei 500 Euro pro Stunde, dann schaltet er sich, ebenso bei einem Verlust von 80 Euro automatisch für den Rest der Stunde aus.

In den staatlichen Spielbanken hingegen herrschen andere Spielregeln, betont der Unternehmer, da liege der maximale Gewinn pro Stunde an den Automaten bei 50.000 Euro, von Alkoholverbot wie bei den gewerblichen keine Spur. „Bei uns spielen die Leute mit Vernunft, behalten einen klaren Kopf“, meint er. Außerdem dürfen lediglich die staatlichen Spielcasinos aufgrund ihres Monopols Glücksspiele wie Roulette, Poker oder Black Jack anbieten. Deshalb seien die Geldspiel-Automaten der privaten Unternehmen mit ihren geringen Gewinnspannen auch kaum interessant für pathologische Spieler, meint Schuster. „Wir sind das Spiel für den kleinen Mann, jeder Kinobesuch kostet mehr.“ Tatsächlich liege der durchschnittliche Gewinn, den ein Casino-Betreiber pro Automat und Stunde verdiene, lediglich bei 10,89 Euro – so wurde in einer deutschlandweiten Studie ermittelt. „Das ist keine Summe, mit der sich der Spielgast um Haus und Hof spielt“, so Schuster.

„Unsere Automaten sind nicht das Ruinöse“



Auch der Hinweis zum Jugendschutz und einer Beratungshotline sichtbar auf der Gerätefront gehören zu den Auflagen für gewerbliche Spielhallenbetreiber.
Sie selbst hätten es in ihren Casinos, so ergänzt er, „wenn überhaupt dann vielleicht einmal im halben Jahr, dass jemand auffällig wird“. Es gibt gewisse Anzeichen, auf die die Casino-Mitarbeiter auch gezielt in Zusammenarbeit mit der Caritas Berlin geschult werden: Schwitzen, wenn jemand gar nicht mehr auf seine Umgebung reagiert, sein Getränk nicht mehr anrührt. Solange dieser aber nicht tätlich auffällt, z.B. auf den Automaten einschlägt, könne man nichts anderes tun als ihn einfach mal ansprechen, schildert Hinterholzinger. Sie verteilen Flyer mit einem Schnelltest zum Selbermachen, empfehlen die Beratungshotline oder direkt eine Suchtberatung wie z.B. die bei der Caritas. Ein Hausverbot sprächen sie aber in der Regel nur auf Wunsch des Kunden aus, sie selbst hätten da wenig Handhabe, solange der Gast nicht aggressiv sei, so der Geschäftsführer.

Aber: „98 Prozent unserer Gäste haben dieses Suchtproblem nicht, die spielen rein zum Vergnügen“, meint Schuster. „Spielsüchtige spielen durchschnittlich fünf verschiedene Spielarten, unsere Automaten sind dabei nicht das Ruinöse“, verteidigt er seine Branche. „Aber wir als Spielhallenbetreiber sind als einzige sichtbar, deshalb wird auf uns eingehackt.“ Natürlich sei ein Spielsüchtiger, der sich in Therapie befindet, auch an ihren Automaten gelandet, aber eher dann „zum Schluss, wenn er sein Vermögen bereits verspielt hat, dann kann er an unseren Daddelautomaten noch lange seine Sucht befriedigen“. Die Ursache, wehrt Schuster ab, liege aber nicht an den gewerblichen Geldspiel-Automaten.

"Ich bin kein Krimineller, kein Dealer, arbeite nach Recht und Gesetz"


Das eigentliche Problem, so Schuster, seien nämlich das Internet und die ausländischen Spielcasinos in Grenznähe zu Deutschland, insbesondere Tschechien und Österreich, wo keinerlei Beschränkungen den Spieler schützen würden. "Da ist die Spitze noch längst nicht erreicht." Und deshalb, spinnt Mark Hinterholzinger den Faden weiter, sei es der falsche Weg und fatal, die gewerblichen Spielstätten zugunsten der staatlichen Casinos noch weiter zu beschränken, wie es derzeit in Bayern zur Diskussion steht. „Es gehen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verloren, die Leute flüchten ins Internet und über die Grenze, wo alles unkontrolliert ist und es keinen Jugendschutz gibt.“

Die Branche werde also mehr und mehr ins falsche Licht gerückt, beklagt der Casino-Unternehmer Schuster: „Aber ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich bin kein Krimineller, kein Dealer, sondern führe ein ganz normales Gewerbe und arbeite nach Recht und Gesetz.“ Er hätte auch kein Problem damit, das Mindestalter auf 21 hochzusetzen, sagt er: „Das sind sowieso nicht unsere Kunden, die müssen nämlich mit dem Auto zu uns kommen.“ Außerdem, so ergänzt Hinterholzinger: „Wir wollen kein Geld mit Spielsüchtigen verdienen, deswegen legen wir viel Wert auf Schulungen und Prävention.“


Die gewerblichen Spielhallenbetreiber müssen ihre Automaten in Zweiergruppen aufstellen und mit Sichtschutz trennen.

„Der Kuchen wird in kleinere Stücke aufgeteilt“


Aber kann man bei den derzeit 14 Spielstätten in Passau nun tatsächlich von einer Spielhallenflut sprechen? Schuster und Hinterholzinger tun das nicht, nennen es lieber „Konzentration“ auf einige wenige Anbieter und Konzerne. „In Passau haben ja in den letzten Jahren auch sehr viele Spielhallen zugesperrt, in der Grünaustraße, Nibelungenstraße oder Nikolastraße“, erinnert zudem Hinterholzinger. Und es sei keinesfalls so, dass durch die gestiegene Zahl der Spielstätten auch die Zahl der Spieler gestiegen sei. „Der Bedarf ist mehr als gedeckt“, berichtet Schuster, „der Kuchen wird nur in kleinere Stücke aufgeteilt“. Dass Casino-Konzerne hier vor Ort sind, sei eher eine Prestigesache für die Marktführer. „Die haben nicht so den Druck wie wir als Familienunternehmen, dass die Wirtschaftlichkeit des Standorts gegeben sein muss“, erklärt der Unternehmer.

Außerdem, so sagt Schuster, könne jede Stadt oder Kommune sich mit einem entsprechenden Bebauungsplan gegen eine Flut an Spielcasinos zur Wehr setzen, was aber die Stadt Passau schlicht versäumt habe. Der unterstellt er sogar eine „gewisse Scheinheiligkeit“. Er habe, bevor er 2009 in Straßkirchen für rund drei Mllionen Euro sein Casino errichtete, für insgesamt 13 Standorte in Passau Anfragen gestellt, die alle abgelehnt wurden. „Nach uns war dann aber plötzlich doch eine Konzession möglich“, verweist er darauf, dass mittlerweile mehrere Spielhallen an gerade den Standorten errichtet wurden, wo er vor drei Jahren abgelehnt wurde.


Gewerbliche Spielstättenbetreiber unterliegen bundesweit denselben Regelungen, u.a. (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
  • Auf zwölf Quadratmetern darf maximal ein Spielautomat stehen, pro Konzession sind maximal zwölf Geräte erlaubt.
  • Die Automaten müssen in Zweiergruppen aufgestellt sein, die zur nächsten Gruppe jeweils entweder drei Meter Abstand haben müssen oder bei nur einem Meter Abstand eine Sichtblende auf Höhe des Bildschirms getrennt sein müssen.
  • Sichtbar an der Frontscheibe des Automaten müssen Warnhinweise zum Jugendschutz sowie die Telefonnummer der Beratungshotline der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) angebracht sein.
  • Die Geräte benötigen eine „TÜV-Plakette“ und somit eine Bauzulassung durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, die alle zwei Jahre erneuert wird.
  • Pro Spielrunde gilt der maximale Einsatz von 20 Cent, man kann auch nur maximal 25 Euro pro Gerät auf einmal aufladen, die in 5-Sekunden-Schritten zu je 20 Cent auf den Automaten geladen werden, ebenso langsam in 5-Sekunden-Schritten wird auch der eventelle Gewinn wieder ausgezahlt.
  • Der maximale Gewinn pro Stunde ist bei gewerblichen Spielautomaten auf 2 Euro pro Spiel und 500 Euro pro Stunde begrenzt.
  • Der maximale Verlust pro Stunde darf nicht mehr als 80 Euro betragen, sonst schaltet sich das Gerät automatisch für den Rest der Stunde aus.
  • Nach einer Stunde schaltet sich das Gerät automatisch für fünf Minuten aus und zahlt das Geld automatisch aus.
  • In einer gewerblichen Spielhalle ist der Alkoholausschank verboten.

Bei Spielcasinos in Deutschland muss man zwischen den staatlichen Spielbanken und den privaten, gewerblichen Spielstätten unterscheiden. Nur die privaten Anbieter, wie auch Thomas Schuster einer ist, sind der oben stehenden Reglementierung unterlegen und dürfen lediglich Geldspiel-Atomaten aufstellen. Roulette, Black Jack, Poker und andere Glücksspiele unterliegen allein dem Monopol des Staates. In Passau findet man keine staatliche Spielbank, in Bayern gibt es insgesamt neun. Gewerbliche Spielhallen hingegen entdeckt man zuhauf in der Dreiflüssestadt: An 14 Standorten wurden insgesamt 27 Konzessionen im Stadtgebiet erteilt, teilte die Stadt Passau auf Anfrage mit. Eine Konzession erlaubt dem Betreiber, pro Halle maximal zwölf Automaten aufzustellen. Es ist auch erlaubt, Mehrfachkonzessionen für einen Standort zu beantragen, die Automaten müssen dann allerdings pro Konzession räumlich getrennt sein. Im Straßkirchener Big Cash Casino, das in die Passauer Statistik nicht einfließt, wurden vier Konzessionen erteilt: 48 Automaten stehen dort.

Fotos: Mischkowski


509.597
Bericht wurde veröffentlicht von
Für Kritik, Lob oder Verbesserungsvorschläge nutze unser Feedbackformular. Gerne auch 100% anonym.

Aktuelle Meldungen

Buschwindröschen-Pracht im Freudenhainpark

Im verwunschenen Park

Die "Anemone nemorosa", ein Hahnenfuchsgewächs, bedeckt jedes Jahr im Frühling den Schlosspark rund um Freudenhain wie ein Teppich. Und gibt ihm einen verwunschenen Anstrich. zum Artikel

Mädchen (3) noch in Lebensgefahr

20-Jähriger und Freundin (15) sterben bei Unfall

Zwei Menschen sind gestern, Ostermontag, nach einem schweren Unfall auf dem Autobahnzubringer zwischen Aicha und Hutthurm gestorben. Ein dreijähriges Mädchen schwebt noch in Lebensgefahr. zum Artikel

Weitere Meldungen im Tagesticker

Deine Meinung