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Ausstellung zeigt Weltanschauung von Kindern

"Ich wollte Frieden auf der Erde malen"

Wie die Welt sich innerhalb 50 Jahren verändert hat, lässt sich an ganz einfachen Dingen ablesen: an Kinderzeichnungen.

veröffentlicht von Susanne Wax am 01.06.2011 12:06 Uhr im Ressort Bilder

Der große grüne Tannenbaum hat lilafarbene Kugeln. Kerzen brennen an den Enden der Äste, und unter ihm stapeln sich die Geschenke. Eine rote Schleife, eine blaue, eine gelbe. Dann noch eine Blaue und eine Orangefarbene. Ein üppiges Weihnachtsfest im Wohnzimmer.

Der Boden der Stube ist grau. Die Wand über dem Ofen ist weiß-blau gefließt. Der Herd selbst ist ein holzbeheizter. Der Rest des Raumes ist leer. Die Frau steht am Fenster. Ihr Rock ist blau mit roten Tupfen. Der Vorhang wiederum hat ebenfalls rote Tupfen, und gelbe.

Kinder haben ihr Zuhause gezeichnet. Einmal in den 90er Jahren, einmal in den 40er Jahren. In der Zentralbibliothek der Uni Passau werden sie in einer Ausstellung gegenübergestellt.





Unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Glas (Kunstpädagogik / Ästhetische Erziehung) werden die Bilder gezeigt, die zum Fundus des Reformpädagogen und Malers Richard Ott gehören. Unterschiede in Bildaufbau, in Motivwahl und Technik werfen für ihn selbst noch Fragen auf, sagt Glas: "Wir sind selbst noch am Rätseln, inwiefern diese Bilder sich am prägnantesten unterscheiden. Ein Punkt aber ist der: Die heutigen Bilder, also die der 90er, haben nicht mehr diese Konzentration, nicht mehr diese Poesie, nicht mehr diese künstlerische Freiheit." Hätten die Kinder in den 40ern eher symbolisch gezeichnet, Wünsche zu Papier gebracht, Träume zeichnerisch umgesetzt, seien die Werke der 90er-Kinder stark medial geprägt. "Da sieht man futuristische Sachen, viel Inhaltliches. Aber auch Ängste, die wurden vor allem von Kindern ab 12 Jahren gezeichnet."

Die Eisenbahn als Erlebnis


Angst nach der Tschernobyl-Atomkatastrophe sehe man in den 90er-Bildern genauso wie Straßen voller Lastwagen. Oder eben den Christbaum mit den Bergen an Geschenken. Konsum.

Hingegen hätten die 40er-Jahre Bilder noch verspieltere, wenn auch technische Inhalte. Das Bild von der Lokomotive zum Beispiel: "Man merkt: Die Eisenbahn, das war für ein Kind ein Erlebnis", sagt Alexander Glas. Was ihn wundert: Kaum ein Kind zeichete zu dieser Zeit Kriegserlebnisse. "Man findet auch nur ganz wenige Hakenkreuze, um es drastisch zu sagen", so Glas. Statt dessen begeistere die detailgetreue Ausarbeitung der Kinderbilder, faszinierten die akkurat gezogenen Linien, die behutsam ausgemalten kleinen Flächen.

Das Bild der fast leeren Küche mit der Frau am Fenster zum Beispiel wirkt perfekt durchkomponiert. "Es ist schon fast sehnsuchtsvoll gestaltet", sagt Alexander Glas. Mit dem Blick aus dem Fenster erinnert das Kinderbild an die Werke Caspar David Friedrichs.

"...wo alle Freunde sind."


Eines hätten die Kinderbilder aus den 40er und den 90er Jahren aber gemeinsam, so Glas: "Das Wunschdenken nach der heilen Welt." Der Traum davon, dass jeder sich versteht. So wie auf dem Bild eines Sechstklässlers aus dem Jahr 1992: die grüne Wiese, die knallgelbe Sonne, der blaue Teich. Eine Katze und eine Ente auf dem Rasen, zwei Fische im Wasser. Sie verbindet jeweils eine Gedankenblase. Darin steht: "Freunde". Im Erklärtext zum Bild wird das Kind nach seiner Idee zu dem Bild gefragt: "Ich wollte Frieden auf der Erde malen, wie sich Raubkatze und Ente vertragen und alle Freunde sind."


Die Ausstellung ist bis 30. Juni zu sehen und zugänglich zu den Öffnungszeiten der Zentralbibliothek Montag, Mittwoch, Donnerstag von 8 bis 24 Uhr, Dienstag von 10 bis 24 Uhr, Freitag von 8 bis 22 Uhr, Samstag von 9 bis 22 Uhr und Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

Fotos: Wax


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