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59. Europäische Wochen wagen musikalische Ausflüge

Klänge, spirituell, packend – und nicht volkstümlich

Es sind die letzten Festspiele unter der Intendanz von Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg. Welchen Wunsch er sich bei den 59. Europäischen Wochen noch erfüllen wollte:

veröffentlicht von Susanne Wax am 15.06.2011 15:28 Uhr im Ressort Bilder

Volksmusik. Ausdrücklich: Volksmusik. Ganz und gar nicht ginge volkstümliche Musik. Erstere aber ist für Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg „mit echter Spiritualität erfüllt“. Darum hat der Intendant der Europäischen Wochen auch jede Menge „gute, echte Volksmusik“ ins Programm für 2011 gepackt. Passend zum Motto heuer: „A Dieu. In Zeiten spiritueller Unruhe“. Bei einer Pressekonferenz wurden heute die Schwerpunkte der 83 Veranstaltungen vorgestellt.





Natürlich bleibt und bleiben sie der Schwerpunkt der Europäischen Wochen: die klassische Musik, die von hochrangigen Künstlern vorgetragenen Stücke großer Meister, die pompösen Orchesterkonzerte und die kleinen, stillen Solostücke, die Vorträge, Lesungen und Kunstausstellungen. (Zum kompletten Programm geht es hier.) Doch mischen sich heuer, wie Freyberg schon sagt, auffallend viele volkstümliche Beiträge in die 59. Festspiele.

Die Programmpunkte:

Samstag, 2. Juli, 12 Uhr, Burginnenhof Kollnburg:
Äff-Tam-Tam-Musikanten
Ein musikalischer Frühschoppen, bei dem Polkas, Landler und Besonderheiten volksmusikalischer Überlieferung aufgespielt werden.

Samstag, 16. Juli, 11 Uhr, Bräuhausplatz Hacklberg:
Musikalischer Frühschoppen
Mit dabei sind die Obernzeller Bayerisch-Böhmischen, die Passauer Volkstanzmusi, der Passauer Volkstanzkreis, das Vorderwoid-Trio mit Lisa Meier und die Gruam Buam.

Sonntag, 24. Juli, 6 bis 10 Uhr, Stadtpark Osterhofen:
Osterhofener Kocherlball
Nach Münchner Vorbild können die Gäste, verkleidet als Kocherl, Dienstboten, in Bürgergewändern oder in Tracht, sich nach boarischer Tanzlmusik bewegen Es spielen „Die 7gscheiten“.

Samstag, 30. Juli, 19.30 Uhr, Kristallglasmanufaktur Theresienthal, Zwiesel:
Fei Scho
Volksmusik wird hier mit Jazz oder Funk gemischt.



Das Nibelungenlied am Innbrückbogen


Zum letzten Mal ist Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg heuer Intendant. Nach 17 Jahren gibt es zu 2012 einen Wechsel. So einige Wünsche erfüllt Freyberg sich zu „seinen“ letzten Festspielen – zum Beispiel den, den Innbrückbogen zum Veranstaltungsort zu machen. „Ich kann mich erinnern wie er vor langer Zeit geschwärmt hat: Hier müsste man doch eine Veranstaltung machen“, erzählte Alt-OB und EW-Vorsitzender Willi Schmöller heute bei der Pressekonferenz.

Der Termin:
Samstag, 9. Juli, 22 Uhr
Das Nibelungenlied, gesungen von Eberhard Kummer, dazu Schloßharfe und Drehleier


Puppentheater und ein Babykonzert


Mancher kann sich kein langes klassisches Konzert, einen Vortrag oder einen Ausstellungsbesuch gönnen: Es sind Kinder da, die es zu versorgen und beschäftigen gibt. Für all diejenigen haben die Europäischen Wochen auch etwas im Angebot: Einfach mit Kindern zu den Veranstaltungen. Geboten wäre da Folgendes:

Sonntag, 24. Juli, 15 Uhr, Stadttheater Passau:
„Mozart für Kinder: Die Zauberflöte und andere Werke“
Mitglieder der Münchner Philharmoniker tragen die Werke mit „Jugend musiziert“-Presträgern vor.

Dienstag, 19. Juli, 10 Uhr:
Großer Redoutensaal:
Puppenspiel „Arche Noah“ für Kinder ab drei Jahren

Mittwoch, 20. Juli, 10 Uhr, Großer Redoutensaal:
Puppentheater „Der blaue Kurfürst“ für Kinder ab fünf Jahren

Mittwoch, 27. Juli, 10 Uhr, Großer Redoutensaal:
Musiktheater „Der Josa mit der Zauberfiedel“

Donnerstag, 14. Juli, 10.30 Uhr, Evang.-Luth. Stadtpfarrkirche St. Matthäus:
Orgelkonzert für Kinder zum Zuhören und Mitmachen

Dienstag, 5. Juli, 10.30 Uhr, Großer Redoutensaal:
Babykonzert
Die Kinder können sich zu Oboe, Cembalo und Klavier auf weichen Decken und Kissen bewegen


Noch ein Wort zu den Finanzen


„So ein Programm wirft jedem Schatzmeister ein paar Falten auf die Stirn“, erklärte Prof. Dr. Hans-Peter Scharl, seit diesem Jahr Schatzmeister der Europäischen Wochen. Nach den vielen Infos zu den Programmpunkten gab es von ihm Zahlen: Wie stehen die EW finanziell da?

Ganz gut, wenn man Scharl zuhört. Momentan habe man im Vorjahresvergleich ein Einnahmeplus von 200.000 Euro. Dabei sei zum einen die hohe private Spendenbeteiligung hervorzuheben: „Die machen zwei Drittel der Einnahmen aus“, so Scharl. Konkret habe man heuer 650.000 Euro an Privatspenden, im Vorjahr waren es 505.000 Euro.

Zum anderen habe man große Hoffnungen in den Kartenvorverkauf gesetzt. Den, so Scharl, wollte man ankurbeln und dadurch an die 20.000 Euro mehr als im Vorjahr einnehmen. Und es wird klappen: Zwar gebe es für alle Veranstaltungen noch genügend Karten, betonte der Schatzmeister, doch „können wir jetzt schon sagen dass wir die geplanten Mehreinnahmen wohl übersteigen können.“

Einnahmen – dann sind da noch die Ausgaben. Viele Hochkaräter treten heuer auf, die es entsprechend zu bezahlen gelte, so Scharl.

Konkret: Im Vorjahr gab man 650.000 Euro für Honorare, Unterbringung und Reisekosten der Künstler aus. Heuer sind es 800.000 Euro. Im Gegenzug spare man bei Personal- und Bürokosten sowie beim Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. „Wir können so einen Überschuss von 44.500 Euro erarbeiten, das wir aber nicht halten werden können“, erklärte Scharl. Denn: Angesichts des Intendantenwechsels und der Vorbereitung des Jubiläums in 2012 – dann finden die EW zum 60. Mal statt – heiße es tiefer in die Tasche greifen.

Fotos: Europäische Wochen


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