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EW: Programm für das Jubiläumsjahr 2012 steht

„Ein EW-Fest für alle“

Der neue Intendant der Europäischen Wochen, Peter Baumgardt, stellte der Öffentlichkeit und dem Kulturausschuss erstmals das Programm für die Jubiläumsfestspiele 2012 vor.

veröffentlicht von Esther Mischkowski am 02.12.2011 16:50 Uhr im Ressort Bildung & Kultur

Peter Baumgardt hat, wie er sagt, „ein schweres Erbe“ angetreten. Der designierte Intendant der Europäischen Wochen (EW) übernimmt den Posten von Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg, der 16 Jahre lang die Festspiele geführt und geprägt hat. Aber Baumgardt scheut das Erbe nicht: „Ich liebe Herausforderungen“. Zur Zeit tourt er durch die Lande, stellt sich selbst und sein neues Konzept vor – modifiziertes Festpiellogo inklusive. Gestern führte er den Kulturausschuss der Stadt Passau in seine Pläne für das Jubiläumsjahr 2012 ein, heute folgte die offizielle Vorstellung des Programmes für die Presse.

Mit Baumgardt wurde ein schillernder Fisch der Festspielszene an Land gezogen: In Lübeck 1958 geboren und aufgewachsen, zog es ihn schnell nach Graz, wo er Regie studierte. „Ich hatte immer das Ziel, ans Theater zu gehen, Regie zu führen und Intendant zu werden“, verriet er gestern den Stadträten. Auch Schauspielunterricht nahm er, „es ist wichtig als Regisseur zu fühlen, was auf der Bühne läuft“. Über Frankfurt, Heidelberg und München ging es 1992 nach Augsburg, wo er die Leitung der Städtischen Bühnen übernahm und damit Deutschlands jüngster Intendant wurde. Seinen Erfolg krönte er damit, dass er bei der Expo 2000 in Hannover für das komplette Kulturprogramm des deutschen Pavillons zuständig war. Dresden, Görlitz, Kempten, die nächsten Stationen. 2010 schließlich wurde er zum neuen EW-Intendanten auserkoren – und er nahm das Angebot an. Im Januar 2012 beginnt nun offiziell seine Amtszeit, doch schon vor Wochen hat er hinter den Kulissen die Arbeit in Passau aufgenommen.


Der neue Intendant der Europäischen Wochen, Peter Baumgardt (r.) stellt zusammen mit EW-Vorsitzenden und Alt-OB Willi Schmöller das Festspielprogramm 2012 vor.


„100 Prozent Baumgardt“


Und hier ist er nun, ein neues Gesicht, von weither angereist. Wird er nun die Festspiele komplett umkrempeln? Mitnichten, wie er betont. Es gibt zwar „Unerwartetes, Unerhörtes, Zeitgenössisches neben vielem Altbewährten“ zu entdecken. Im Kulturausschuss betonte er aber gestern: „Ich strebe nicht an, umstürzlerisch zu sein.“ Und doch: Das Programm für 2012 ist anders, offener als früher, nicht so elitär. Und es sei 100 Prozent Baumgardt, gibt der Intendant bekannt: „Ich habe es komplett selbst konzipiert.“ Seine Handschrift sieht man jetzt schon im Programm, daran, „dass wir viel mehr selbst produzieren“. So bringt Baumgardt ein Musical, „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler, in Eigenregie auf die Stadttheaterbühne. Ganz bewusst habe er diese Darstellungsform gewählt: „Es schlägt die Brücke nach Amerika, wo es entstanden ist, und ist eine Hommage an die Gründer der Festspiele.“ Amerikanische Besatzungstruppen hatten die Europäischen Wochen vor genau 60 Jahren aus der Taufe gehoben.

Sie werden künftig unter dem Generalslogan „Welten treffen, Menschen entdecken“ stehen. Die Festspiele erhalten aber jedes Jahr noch ein eigenes Motte, im Jubiläumsjahr 2012 lautet es „An die schöne blaue Donau“. Die Donauregion, aber auch die Donaumonarchie der K.u.K.-Kultur spiegelt sich im Programm wieder - „von Sissi bis Klaus Maria Brandauer“, wie es Baumgardt nennt. Besonders stolz ist er darauf, den Concert-Verein der Wiener Sinfoniker gewonnen zu haben. Sie werden die ersten beiden Wochen der Festspiele in der Stadt Passau weilen und sieben Konzerte geben. Doch nicht nur das, und auch daran erkennt man das Streben hin zu mehr Offenheit gegenüber dem Publikum. „Sie werden hoffentlich das musikalische Leben in Passau prägen, und auch im Alltag auf die Passauer treffen – durch spontane Konzerte auf dem Rathausplatz, öffentliche Proben, sie gehen in die Schulen und machen dort Workshops“, verrät Baumgardt.

Öffnung des elitären Zuschauerkreises


Der Concert-Verein wird auch den Auftakt der Festspiele darstellen. Am 29. Juni eröffnen sie am Bräuhausplatz der Brauerei Hacklberg – und zwar mit einer extra für das Jubiläum in Auftrag gegebenen Komposition: Ein 70-minütiges symphonisches Werk mit dem Arbeitstitel „Danubio“, aus der Feder des Österreichers Alfred Huber mit Texten von Gernot Wolfram. Die Ortswahl des Bräuhausplatzes für die Auftaktveranstaltung ist ebenfalls symbolisch für die Öffnung des früher eher elitäreren Kreises der EW-Besucher hin zu einem breiteren Publikum – ein „EW-Fest für alle“, formuliert es Intendant Baumgardt. Der Donauwalzer von Johann Strauß wird dem Motto entsprechend natürlich auch nicht im Repertoire der Wiener Musiker fehlen – „er spiegelt die Fest- und Feierfreude wider, die das Programm erlebbar machen möchte“, erläutert er.

Große Namen von Nina Hagen bis Klaus Maria Brandauer


Mit große Namen nicht nur aus dem klassischen Musikbereich warten die Festspiele im nächsten Jahr auf: Nina Hagen wird mit ihrer Band am 26. Juli in der Passauer Studienkirche ihr neues Gospelprogramm „Personal Jesus“ zum Besten geben. Eigentlich wollte er es gestern den Stadträten noch gar nicht verraten, aber „es haben ja schon die Spatzen von den Dächern gepfiffen“, nahm Baumgardt augenzwinkernd Bezug darauf, dass es kürzlich schon zu den Medien durchgesickert war. Und ein weiterer Grandseigneur, diesmal der Schauspielkunst, gibt sich zu den Europäischen Wochen die Ehre: Klaus Maria Brandauer wird im Tittlinger Museumsdorf den „Sommernachtstraum“ von Shakespeare lesen, begleitet von der Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy bzw. dem Piano-Duo Andreas Grau und Götz Schumacher. Ein Höhepunkt wird sicherlich auch der Auftritt des jungen Starviolinisten Benjamin Schmid am 6. Juli in Aldersbach sein, der sich an den Salzburger Festspielen schon viele goldene Sporen verdient hat.

Die Zahl der Spielorte für die einzelnen Veranstaltungen wurde übrigens erheblich auf rund 30 reduziert. „Wir wollen uns ein bisschen konzentrieren“, erklärt Baumgardt, „das schafft auch Freiraum, neue Orte zu finden“. Derzeit stehen um die 40 Veranstaltungen bereits fest, doch das soll nicht so bleiben, so der Intendant: „Wir haben uns vorgenommen, zu den 60. Festpielen 60 Veranstaltungen zu präsentieren.“


Die 60. Festspiele Europäische Wochen Passau
Die 60. Jubiläumsfestspiele stehen unter dem Motto „An die schöne blaue Donau“ und finden vom 29. Juni bis 29. Juli 2012 unter der Federführung des neuen Intendanten Peter Baumgardt statt. Derzeit stehen etwa 40 Veranstaltungen bereits fest, das endgültige Programm erscheint als „Festivalsaisonbuch“ Ende März 2012. Am 6. Dezember startet jedoch schon der Kartenvorverkauf mit Rabattaktion über die EW-Homepage, die Telefonhotline 09921/9605-0 oder die EW-Kartenzentrale, Dr.-Hans-Kapfinger-Straße 30 in 94032 Passau.

Fotos: Mischkowski

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Dr.-Hans-Kapfinger-Straße , Brand , Europäische Wochen , Stadttheater , Rathausplatz , Kulturausschuss , Schulen

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