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Pfingst Open Air-Umzug nach Straubing sorgt für Aufruhr

„Wenn´s halt nicht geht, dann geht´s einfach nicht“

In der Fangemeinde schlug die Nachricht am Sonntag ein wie eine Bombe: Das legendäre Passauer Pfingst Open Air (POA) verlässt Hauzenberg nach elf Jahren in Richtung Straubing. Die Reaktionen sind gespalten.

veröffentlicht von Esther Mischkowski am 13.12.2011 10:12 Uhr im Ressort Bildung & Kultur

Schon anhand der Facebook-Kommentare auf dem Profil der Veranstalter kann man die unterschiedlichsten Standpunkte ablesen: Von verständnisvoll über unbeeindruckt bis hin zu Wut und Boykottaufrufen läuft das Meinungsbild. „Die Reaktionen der letzten 24 Stunden haben gezeigt, dass sich die lokale Pfingst Open Air-Fanbase spaltet. Die eine Fraktion will das Fest in Hauzenberg und nur in Hauzenberg besuchen, die anderen können unsere Entscheidung verstehen und positiv mittragen. Neben einigem negativem Feedback haben wir überraschenderweise sehr viele schöne Reaktionen erhalten, die den Mut der Entscheidung loben“, fasst Kathi Kasipovic-Rauecker, Pressereferentin des POA-Veranstaltungsteams von Musikbegegnungen e.V. zusammen.

Kasipovic-Rauecker: „Konkret ist´s erst seit ein paar Tagen fix“


Auch wenn Hauzenberg damit sein Kultfestival verliert, scheint die Entscheidung der Veranstalter jedoch überlegt gefallen zu sein. „Das Organisationsteam wusste schon sehr kurz nach dem letzten Pfingst Open Air, dass dort das Festival 2012 nicht stattfinden kann. Bis wir uns aber für einen Umzug und gegen eine komplette Absage entschieden haben, sind noch einige Monate vergangen. Konkret ist´s erst seit ein paar Tagen fix“, erklärt Kasipovic-Rauecker auf Nachfrage von lokalnews.



Einen „gewissen Zusammenhang“ zu der Krise 2009/10, als das POA wegen Lärmschutzbestimmungen kurz vor dem Aus stand und nur durch den engagierten Einsatz der Anwohner und örtlichen Politiker gerettet werden konnte, räumt sie ein: „Das Pfingst Open Air hatte seither unter anderem mit daraus resultierenden Problemen zu kämpfen. Exemplarisch nennen wir hier mal ein seither vorgeschriebenes Lärmgutachten, das ein Ingenieurbüro während des Festivals erstellen muss und einen fünfstelligen Betrag kostet.“ Und auch die Örtlichkeit selbst wurde den Veranstaltern zu ungemütlich: Das Gelände war zu klein, die Zeltplätze zu hügelig und uneben und die Wege von den Zelt- zu den Parkplätzen so weit, dass Shuttlebusse zur Unterstützung eingerichtet werden mussten. In den letzten drei Jahren schrieb das POA zudem rote Zahlen, ließen die Veranstalter von Musikbegegnungen e.V. über Facebook wissen. Auf der Suche nach Alternativplätzen prüften die Organisatoren nach eigenen Angaben rund 30 Orte im Landkreis Passau. Umsonst: „Alle Plätze waren entweder für ein Festival letztendlich ungeeignet bzw. wurden unsere Anträge auf Nutzung abgelehnt,“ heißt es auf der Facebook-Seite des POA. Die Suche nach einer neuen Heimat war sehr langwierig, erzählt auch Kasipovic-Rauecker: „Vor ein paar Jahren haben wir im Zuge der Lärmkrise über eine Pressemitteilung aufgerufen, sich bei Sichtung eines geeigneten Platzes an uns zu wenden. Seit damals waren wir auf vielen Privatgrundstücken und so ziemlich jedem Fest- und Flugplatz in der Region. Also ausgelassen haben wir da nix. Von Kapfham bis Sonnen, vom Dörferl im Bayrischen Wald bis zu Flächen an der Donau haben wir alles penibel abgesucht.“

Kasipovic-Rauecker: „Wir rechnen nicht mit einem Besucherplus im kommenden Jahr“


So fiel die Entscheidung schließlich auf das ferne Gelände „Centro Benedetto“ in Salching nahe Straubing – gut bekannt bei den POA-Veranstaltern, die dort schon zweimal das X-Roots-Festival organisiert haben. „Die Entscheidung fiel zwischen `POA aufgeben´ und `an Pfingsten trotzdem weiterfeiern`“, versicherte das Organisatoren-Team über Facebook. Und auch Kasipovic-Rauecker verspricht sich einiges, bleibt aber zurückhaltend: „Wir hoffen auf einen Neuanfang in Salching – jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Langfristiges Ziel müssen natürlich schwarze Zahlen sein, das ist klar. Wir rechnen nicht mit einem Besucherplus im kommenden Jahr, auch das ist klar“, räumt sie ein.

In Straubing locken jedoch ebenerdige Zeltplätze direkt neben Parkflächen und dem Konzertareal, Nachbarn, die sich vom Lärm belästigt fühlen könnten, sind weit weg – mit Musik und Party bis weit nach Mitternacht werben die Veranstalter für die neue Festivalstätte. Und um drei Euro billiger wird die Eintrittskarte 2012 außerdem. „Ziel ist letztendlich, das Pfingst Open Air als niederbayerisches Festival auf niederbayerischem Boden zu begreifen und zu schätzen“, erklärt Kathi Kasipovic-Rauecker.

Hallitzky: „Hoffe für Euch persönlich, dass Ihr Euch nicht verrechnet“



MdL Eike Hallitzky
Diese Vorteile und Ziele besänftigen aber längst nicht alle Festivalfreunde aus Passau, im Gegenteil. Als prominentester Gegner meldete sich gestern MdL Eike Hallitzky (Bündnis 90/Die Grünen) in einem offenen Brief an das „Ex-Passauer-Pfingst-Open-Air-Team“ zu Wort. Darin zeigt er sich entsetzt über die Entscheidung: „Ich bin persönlich richtig enttäuscht. Seelenlose Wirtschaftsunternehmen ziehen Knall auf Fall um und hinterlassen verbrannte Erde, das ist bekannt – nun verliert auch Ihr Euren Charme des Nicht-Kommerziellen.“ Besonders prangerte er diesen Schritt an, weil sich die Hauzenberger noch vor zwei Jahren für das Festival einsetzten: „Hauzenberg stand komplett hinter Euch: Einzigartig und beeindruckend setzten sich Bürgerinnen und Bürger und die lokale Politik jahrelang für den Fortbestand des POA ein. 2009 wäre in jeder anderen Stadt Euer Festival einfach von der Bildfläche verschwunden, nicht so in Hauzenberg.“ Gerade die geographischen Besonderheiten der Region mit ihren Hügeln hätten das POA einzigartig gemacht, bedauert Hallitzky: „Ich hoffe für Euch persönlich, dass Ihr Euch nicht verrechnet.“

Federhofer: „Sie haben wirklich alles versucht“



Hauzenbergs 1. Bürgermeister Josef Federhofer
Hauzenbergs 1. Bürgermeister Josef Federhofer sieht die Sache hingegen gelassener: „Natürlich bin ich überrascht und enttäuscht, wir wissen um den Wert des Festivals. Aber letztendlich muss man die Entscheidung respektieren,“ sagte er gegenüber lokalnews. Angesichts der Unterschriftenliste vor zwei Jahren könne man sehen, welche breite Basis in Hauzenberg hinter dem Pfingst Open Air gestanden hatte. „Aber man muss das alles nicht unbedingt übertreiben, die Veranstalter haben für den Umzug nach Straubing vernünftige Gründe“, meint Federhofer, bei einem Unternehmen würde man das genauso gut verstehen, wenn es rote Zahlen schreiben würde. „Sie haben wirklich alles versucht, und wenn´s halt nicht geht, dann geht´s einfach nicht“, stellt er klar. Und der Bürgermeister sieht in dem Umzug sogar Chancen: „Wir können neue Ufer beschreiten.“ Mit den POA-Veranstaltern selbst kann er sich auch künftig eine Zusammenarbeit vorstellen: „Wir haben eine gute gemeinsame Basis, um etwas Neues zu schaffen.“

Fotos: Archiv lokalnews sowie Stadt Hauzenberg


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