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Dr. Hans Göttler im Interview über Max und Moritz"Onkl Fritz, Käfer Heine und Witwe Boitl"Dr. Hans Göttler spricht im Interview über seine bairische Übersetzung des Klassikers "Max und Moritz" von Wilhelm Busch, die letztes Jahr erschien. lokalnews verlost außerdem drei signierte Exemplare. | |  |
Hans Göttler ist Dozent an der Universität Passau für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur. Außerdem ist er Turmschreiber in München und hat letztes Jahr das Buch "Max und Moritz in Weiß-Blau" veröffentlicht. Er erzählt lokalnews, warum ein Käfer im Buch den Namen Heine bekommen hat, welche Sprüche er von der Bauernmagd Hofin gelernt hat und warum er sich schon auf das Ende der Fahnenstange freut.
Wir verlosen drei signierte Exemplare von „Max und Moritz in Weiß-Blau“ mit Hör-CD. Einfach das Teilnahmeformular ausfüllen und bei der Verlosung mitmachen. Die Teilnahmefrist endet am Freitag, 3. Februar, um 11 Uhr.
Herr Göttler, die erste Auflage ihrer "Max und Moritz"-Übersetzung war ja ein voller Erfolg. Die Zweite ist nun erschienen. Wieviele Exemplare sind denn schon verkauft?
Dr. Hans Göttler: Das weiß ich nicht genau, aber es hat sich zu einem Erfolg entwickelt. Ich sage immer das Buch ist am 8. September 2011 zur Welt gekommen, denn da hat mich mein Verleger, Herr Töpfl, angerufen, dass das Buch fertig ist. Anfang Dezember war die erste Auflage vergriffen. Ich vermute, das waren so an die 1.000 Stück. Seit Dezember gibt es nun die zweite Auflage. Und wer weiß, vielleicht kommt auch eine Dritte dazu.
Hat sich bei der zweiten Auflage etwas verändert?
Ich hab es zum einen wie bei jedem Buch geschafft, dass echte Druckfehler drin sind. Diese wurden korrigiert. Zum anderen, bei der Mundartschreibung vergisst man das eine oder andere. Man hält sich zu stark an die Hochsprache. Beim ersten, zweiten oder dritten Mal Lesen habe ich dann bemerkt, man könnte es noch bairischer darstellen.
Ist es schwierig, vom Hochdeutschen ins Bairische zu übersetzen?
Im Grunde ist es nicht schwierig, wenn man der Mundart einigermaßen mächtig ist. Aber besonders dann, wenn man es aufschreibt und die hochdeutsche Fassung vor sich hat, ist es schwieriger, ins Bairische zu springen.
 Dr. Hans Göttler (59) in seinem Büro an der Universität Passau. An der Wand hängt ein Bild des Münchner Kabarettisten Karl Valentin.
Besonders mit den Reimen?
Sicherlich. Da habe ich die Zeilen und die Strophen etwas verändern müssen, damit die Reime aufgehen. Zum Beispiel mit der Geschichte vom Onkel Fritz. Da kommt ein Käfer vor, der beißt den Onkel in die Nase. Da hab ich den Käfer dann Heine genannt, damit es sich reimt. Jetzt heißt es:
„Oa so a Käfer, er hoassd Heine,
zwickt an Onkl adNosn eine“
Beispielsweise in München wird mittlerweile immer weniger Dialekt gesprochen. Haben Sie den Eindruck, dass die bairische Sprache allgemein zurückgeht?
München ist jetzt ein Beispiel dafür, dass es fünf Minuten vor zwölf ist für die Mundart. Beziehungsweise in München ist es schon nach zwölf. Ansonsten ist es jetzt - Gott sei Dank - so, dass wir uns auf einer Ebene befinden, auf der man sich um die Mundart sehr bemüht. Das Thema ist jetzt auch in allen Schularten im Lehrplan enthalten. Das Kultusministerium hat vor einigen Jahren eine Handreichung zum Thema Dialekt herausgegeben.
Den Aufschwung kann man auch an ihrem Buch erkennen.
Es hat bereits vor 20 oder 30 Jahren eine „Max und Moritz“-Übersetzung ins Bairische gegeben. Zufällig ist jetzt die Zeit wieder ein wenig offener gegenüber der Mundart. Vor dreißig Jahren wäre mein Buch wahrscheinlich im Tal der Mundartrezeption gelandet. Jetzt sind wir auf einem Bergerl drobn.
Viele Wörter sind bei Jugendlichen gar nicht mehr so bekannt. Wie merken Sie sich alle Ausdrücke?
Das ist bei mir von Kind auf unterfüttert worden. Wir haben natürlich zu Hause in Simbach, wo ich aufgewachsen bin, Mundart geredet. Dort hatten wir außerdem in der Familienbrauerei und im Wirtshaus eine Mitarbeiterin, Frau Hofmann, geboren 1908. Weil ich Frau Hofmann nicht immer mit vollen Namen habe nennen können, habe ich damals zu ihr Frau Hofin gesagt. Der Name ist ihr geblieben, von da ab sagten alle Hofin zu ihr. Und diese Hofin war eben früher eine Bauernmagd und hat natürlich alle diese bairischen Ausdrücke drauf gehabt, die wir schon lange nicht mehr kennen.
Haben Sie ein Beispiel parat?
Also da muss ich überlegen, ich darf da auch nicht alles erzählen. Da waren einige Sachen dabei, die nicht der feinen Sprache entsprechen. (überlegt) Aber das kann ich erzählen: „Des is nu vo da siebten Suppn da Schniedl.“ Das heißt, man ist mit jemandem noch weitschichtig verwandt und die jeweilige Beziehung ist schon verwässert. Die Sachen sind mir eigentlich alle von der Kindheit her im Kopf geblieben. An alles kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, aber manchmal kommt's dann wieder ins Gedächtnis. Frau Hofin hatte viele Sprüche und Verserl.
Machen Sie auch Lesungen zu ihrem Buch?
Ich mache immer in meinem elterlichen Wirtshaus in Simbach am Inn Lesungen, die ich Literaturdinner nenne. Das Wirtshaus gehört inzwischen meiner Schwester und da mache ich immer am letzten Sonntag im Monat ein Literaturdinner mit Musik. Dieses Mal mit Harfenmusik. Am nächsten Februarsonntag mache ich wieder mein Max-und-Moritz-Programm, weil das recht gefragt ist. Dazu macht meine Schwester ein Max-und-Moritz-Menü. Es gibt dann zum Beispiel den Fisch aus Schneider Beck's Bacherl.
Und Brathendl?
Genau. Die kommen dann aus der Pfanne von der Witwe Boitl, wie sie in meiner Übersetzung heißt.
Ihre Dozententätigkeit an der Uni ist ja ihre Haupttätigkeit. Haben Sie darüber nachgedacht, nur zu schreiben?
Ich bin ja eigentlich selber zum Schreiben erst in den letzten fünf Jahren gekommen. Ich habe zwar vorher schon Bücher herausgegeben, von bayerischen Schriftstellern, vor allem niederbayerischen. Zum Beispiel Emerenz Meier, Wilhelm Diess und Max Peinkofer. Aber da war ich nur Herausgeber. Die Autoren waren ein wenig verloren gegangen und hatten als Niederbayern gegenüber den Oberbayern oft einen schlechten Stand. Ich wollte diese wiederbeleben und das ist mir auch ein wenig gelungen. Seitdem ich Turmschreiber bin (2005), mache ich selber etwas Schriftstellerisches. Mir fallen manchmal auch Geschichten aus meiner Kindheit und Jugend ein.
Sind das auch Lausbubengeschichten?
Ja, aber leichte. Das war nicht so eine wilde Kindheit und Jugend, die ich hatte. Etwas gedämpfter. Aber es sind Geschichten aus meiner Vergangenheit und auch berufliche Erlebnisse. Jetzt werde ich dieses Jahr 59 und das Ende der dienstlichen Fahnenstange ist in Sicht und da freu' ich mich drauf. Ich möchte natürlich jetzt nicht gleich meinen Dienst quittieren, aber da habe ich dann ein paar Sachen zu schreiben und dann sicher noch mehr Zeit dafür.
Vielen Dank für das Interview.
Hans Göttler, geboren am 3. Mai 1953, stammt aus Simbach/Inn und ist Weißbräu- und Gastwirtssohn. Er studierte Lehramt für Gymasium (Deutsch, Sozialkunde und Geschichte) in München. Von 1979 bis 1983 war er als Lehrer an verschiedenen bayerischen Schulen tätig, seit 1983 arbeitet er an der Universität Passau. Seit 1998 ist Göttler Akademischer Direktor im Fachbereich Germanistik (Didaktik der deutschen Sprache und Literatur). Neben seinem Hauptarbeitsgebiet an der Universität beschäftigt er sich mit bairischer Literatur und hat dazu mehrere Bücher veröffentlicht. 2005 wurde er in die Literaturvereinigung der „Münchner Turmschreiber“ berufen. Sein Buch „Max und Moritz in Weiß-Blau“ kann man im Verlag Armin Töpfl bestellen.
Interview und Foto: Vinzenz Gebhardt
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