Die meist geklickten BeiträgeAktuelle KommentareAm 29.02. 19:46 Uhr von Markus Ihle bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 19:31 Uhr von Jürgen Hellwing bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 11:26 Uhr von Marcel Köth bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 29.02. 10:55 Uhr von Marco Madness bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 28.02. 12:54 Uhr von Karina Mischkowski bei Baukunst aus Raum und Licht Am 26.02. 13:33 Uhr von Karina Mischkowski bei Den Winter nochmal einfangen | Stadtbrand, Wiederaufbau, Barockjahr: Der Stadtfuchs erzähltPragmatik sticht ÄsthetikFeiern in prächtigen Kostümen. Passau im Barockfieber. Der baulichen Wiederauferstehung ging eine Katastrophe voran: Der Stadtbrand. Der Stadtfuchs hat uns mehr darüber erzählt. Darf man nun eigentlich Tod und Verderben heuer ausgelassen feiern? Ist es wirklich rein ästhetisch, was die Baumeister da in die Höhe gezogen haben? Und wer war eigentlich Schuld am großen Feuer? Matthias Koopmann hat uns Antworten gegeben. Die Achse des Wiederaufbaus Der Wiederaufbau: Ihm hat Passau sein barockes Aussehen zu verdanken. Wer genau hinschaut, sagt der Stadtfuchs, der erkennt genau, dass es eine Achse des Prunkvollen gab. Eine Linie mit aufwendig gestalteten Häusern – und Nebengassen mit schlichten Fassaden. Die Achse des Barock, sie zieht sich von der Ludwigstraße über den Rindermarkt und den Steinweg zum Residenzplatz, "dem Ort mit den prunkvollsten Bürgerhäusern", so Koopmann. Es geht weiter durch die Schustergasse mit dem Leopoldinum als Endpunkt, einem weiteren herausragendem Beispiel einer aufwendigen Fassade. Die Seitengassen, sie haben ein schlichtes, wenn auch buntes Gesicht bekommen und bis heute behalten. ![]() Das Aushängeschild barocker Fassaden: Der Residenzplatz ist am prunkvollsten ausgestattet worden. Schön sind sie, die umrandeten Fenster mit ihren Krönungen, die vielen Ornamente an den Fassaden. Ein Gang durch Passaus Altstadt nutzt sich für das Auge nie ab. Doch glaubt man an rein ästhetische Gründe dafür, dass italienische Baumeister die Stadt nach dem Brand so herausputzten, so täuscht man sich. "Das waren pragmatische Gründe. Mit Ästhetik hat das gar nichts zu tun", sagt Matthias Koppmann. Die Bauweise der neuen Häuser – Grabendächer mit einer Attika nach oben – entsprach den neuen Brandschutzverordnungen. Die Dachform schränkte den Funkenflug im Falle eines Feuers ein, die Balustrade, die die meisten Bürgerhäuser haben, bietet den Flammen eine Mauer. Keine Vorsprünge, die herabstürzen können, dazu die Pflicht, den Dachboden mit Steinböden auszustatten, damit die Flammen nicht nach unten greifen. "Schon Ende des 16. Jahrhunderts hatte man versucht, diese Bauweise durchzusetzen. Erst nach der Katastrophe aber sah man den Sinn ein", erklärt Koopmann. Der zweite Stadtbrand, nur 18 Jahre später, war nicht so verheerend wie der erste. Nur war man in Passau noch gar nicht fertig mit dem Wiederaufbau, als sich wieder Flammen ihre Wege bahnten - vor allem der Neumarkt bleib dieses Mal aber verschont. Der zweite Brand brach übrigens im Kloster Niedernburg aus: im Apothekenlabor, in dem die Nonnen Kräuterschnäpse herstellten. Ein Fürstbischof lässt den Stadtrat verhaften War Passau schon vor dem ersten verheerenden Brand finanziell geschwächt – die goldenen Zeiten des Salzhandels waren längst vorbei – so gab es auch danach lange keine Hoffnung auf Aufschwung, erzählt der Stadtfuchs. Das lag vor allem daran, dass keiner richtig zuständig war: Der Fürstbischof Leopold Wilhelm, ein Habsburger, war gleichzeitig Fürstbischof von Straßburg, Halberstadt, Magdeburg, Olmütz und Breslau sowie Erzherzog von Österreich. "Er war so gut wie nie hier", sagt der Stadtfuchs. Überrascht musste er seine Stadt zerstört vorfinden. Er wollte den Aufbau vorantreiben – doch verstarb er sieben Monate nach dem Brand. Sein Nachfolger war ein Zwölfjähriger: Karl Joseph von Österreich, ebenfalls aus dem Hause Habsburg, war nicht handlungsbefugt – und von Krankheiten geplagt. Er starb zwei Jahre später. Der, der nun auf den Fürstbischofssitz kam, wollte zwar zunächst die Wahl nicht annehmen – Koopmann: "Passau war in maroder Verfassung" – doch war er es dennoch, der die Stadt wieder nach vorne brachte. Fürstbischof Wenzeslaus von Thun, ihm ist eine Büste in der Zengergasse hinter dem Dom gewidmet. ![]() Die Büste von Wenzeslaus von Thun in der Zengergasse. Die Katastrophe ausgelassen feiern? Feiert Passau nun 350 Jahre Barock, so feiert sie eigentlich auch das, was der Auslöser der Baukunst war: Tod und Verderben durch das Feuer. "Man darf aber durchaus feiern", sagt Matthias Koopmann. "Man darf feiern, dass aus dieser Katastrophe die neuen Brandschutzverordnungen hervorgingen, die dazu beigetragen haben, dass sie sich nicht wiederholen konnte." Man dürfe feiern, dass man bis heute Stadtgeschichte an den Häusern ablesen kann, wenn man die Fassaden aufmerksam begutachtet. Man dürfe den Wiederaufbau feiern und die Rolle, die Passau sich nach der Durststrecke wieder erarbeitet hat. Dennoch, sagt der Stadtfuchs, müsse man auch einen nüchternen Blick auf all die Festivitäten werfen, den schlimmen Hintergrund im Hinterkopf behalten. "Es werden leicht Mythen geschaffen", sagt er. "Und Mythen sind immer problematisch." Das Barockjahr in Passau Über 150 Veranstaltungen gibt es in diesem Jahr in Passau, Höhepunkt wird das Festwochenende vom 31. August bis 2. September. Über eine Auswahl der Veranstaltungen haben wir hier berichtet. Am Festwochenende hat unter anderem die Rokoko-Fechtschule große Auftritte - wir haben sie porträtiert, nachzulesen hier. Der Stadtfuchs ist mit zahlreichen Führungen am Barockjahr beteiligt – Infos und Daten gibt es auf seiner Internetseite. Fotos: Wax / Archiv Mischkowski
Aktuelle Meldungen Am 22. April 13. DJK-Domlauf-Stadtgalerielauf |




















