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Funde der Grabungen zeigt nun das Kastell Boiotro

Was am Natter-Areal zu Tage kam

Jede Menge Tierknochen, Schneidewerkzeug und Krüge sowie eine Münze hat Stadtarchäologe Jörg-Peter Niemeier am Natter-Areal ausgegraben. Nun sind sie im Boiotro ausgestellt.

veröffentlicht von Susanne Wax am 04.04.2011 11:47 Uhr im Ressort Bilder

Pünktlich zum Zeitpunkt, an dem es vorangeht am Natter-Areal und der Abbruch begonnen hat, zeigt das Römermuseum in der Innstadt all die Dinge,die man bei Grabungen 2006 und 2007 dort in der Erde gefunden hat. In großen Vitrinen sind sie ausgestellt. Als "Neumarkt" wird das Areal auf den Erklärungsschildern bezeichnet, die Bezeichnung rührt von geschichtlichen Gründen her, erklärt Niemeier: Früher ließen sich hier Handwerker und Betriebe nieder, siedelten eine Art Vorstadt an. Doch woran genau wurde hier gewerkelt? Das gibt dem Stadtarchäologen trotz zahlreicher Funde Rätsel auf.



Besonders stolz ist Stadtarchäologe Niemeier auf den Fund einer Münze am Neumarkt: Sie ist aus Bronze und noch nie wurde im Bereich von Altstadt und Neumarkt eine solche geborgen. Auch auf der ganzen Welt gibt es wenige Exemplare: "Es gibt bisher nur vier weitere dieser Münzen", sagt Niemeier.

Den Besuchern erläutert er vor allem die keltische Prägung der Münze, die stark abgegriffen und für den Laien nicht sehr gut erkennbar ist: Auf der einen Seite ist ein Apollo-Kopf mit Lorbeerkranz, auf der anderen eine Biga (ein Streitwagen) mit einem Wagenlenker. Wie die Münze nach Passau kam hat der Stadtarchäologe nicht herausgefunden: "Auch nicht, ob sie als Zahlungsmittel hier akzeptiert war."


Öfen und Schächte

Interessant waren nicht nur die Dinge, die aus dem Boden geborgen wurden, sondern auch der Boden an sich. So wurden laut Niemeier in der Heiliggeistgasse 41 Lehmkuppelöfen entdeckt, außerdem 14 kreisrunde Schächte mit einem Durchmesser von ca. 1,50 Meter. Einige Schächte schnitten die Lehmkuppelöfen und umgekehrt, weshalb Niemeier davon ausgeht, dass sie gemeinsam genutzt wurden: "Sie gehörten wohl zu ein und demselben Betrieb."

Viel hat er gemeinsam mit anderen Experten gegrübelt, welches Gewerbe die Öfen und Schächte nutze. Ein schwieriges Unterfangen. Ein wenig Aufschluss gaben weitere Funde: jede Menge Tierknochen. Allein aus der Grabung 2006 stammten über 50 Kilogramm. Das entspricht 2200 Stück. In einem der Öfen waren größere Mengen Ziegenhörner eingeschichtet. Dazu wurden Werkstattabfälle gefunden, zum Beispiel Beinschneider und Abfälle von einem Knopfhersteller. Allerdings sei dies nicht der Beweis, dass tatsächlich ein Beinschneider oder Hornrichter am Neumarkt angesiedelt war, sagt Niemeier: "Beides ist möglich, aber nicht bewiesen."


Wurde hier Fleisch geräuchert?

Vielleicht waren die Handwerkszweige aber auch nur ein Nebenprodukt, so weitere Überlegungen: Die eigentliche Funktion könnte die Herstellung von geräuchertem Fleisch sein. "In den Schächten hätte man gut Fleisch pökeln und in den Öfen räuchern können", sagt Niemeier.

Weiteres Fundgut sind Töpfe und Krüge aus Keramik. Hauptsächlich Schwarzhafnerware, teilweise mit Stempeln versehen. Manche Töpfe wiesen Spuren eines Inhalts auf, der als Reste von Jungfischen gedeutet werden konnte. Fische in einer Größe, die für Fischer uninteressant ist, wie Niemeier sagt: "Vielleicht war das Gelände immer wieder überschwemmt und die Jungfische verendeten in den offenen Schächten." Außer der Schwarzhafnerware gab es einige Ofenkacheln aus dem 15. Jahrhundert und ein Nuppenglas aus dem 15. Jahrhundert. Ein besonders schönes Stück, sagt der Stadtarchäologe, das auch bereits restauriert ist.


Das Natter-Areal ist 2.500 m² groß und liegt zwischen der Theresienstraße und der Heiliggeistgasse. Namensgebend war das hier lange ansässige Möbelhaus Natter. Bereits 2003 gab es Bestrebungen des Passauer Architekten Siegfried Fuchs, auf dem Areal einen „Theresienhof“ genannten Komplex mit über 2.000 m² Wohn- und Gewerbefläche samt Tiefgarage zu errichten

Im November 2007 wurde das Grundstück von Hotelier Johann Krumesz erworben, der hier ein First-Class-Hotel für rund sechs Millionen Euro errichten wollte. Krumesz machte im März 2008 von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch. Nun soll ein modernes Stadthaus mit 35 Wohnungen für junge Familien und ältere Menschen errichtet werden. Auch Gewerbe soll darin Platz finden. Bereits zweimal beschäftigten sich der Passauer Gestaltungsbeirat und Rathaus-Fachstellen mit dem Projekt eines lokalen Unternehmers Maximilian Öller, der bis zu sieben Millionen Euro für einen drei- bis vierteiligen Gebäudekomplex, Quartiersgarage und großzügige Grünflächen investieren will.
Quelle: Regiowiki

Fotos: Wax


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Veröffentlicht in folgenden Zeitungen:
Passauer Altstadt, Passauer Gschichten, Passauer Innstadt
Schlagwörter & Themen:
Heiliggeistgasse , Brand , Natter-Areal , Theresienstraße , Römermuseum Boiotro , Jörg-Peter Niemeier , Maximilian Öller , Theresienhof

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