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Hochschulgruppe: „Es hapert noch deutlich“

„Grüne Uni“ bringt Uni-Grüne auf die Palme

„Grün bis in den Kern“ ist die Uni – behauptet die aktuelle Ausgabe des offiziellen Campus-Magazins. Die Grüne Hochschulgruppe sieht allerdings Nachholbedarf.

veröffentlicht von Laura Lugbauer am 16.05.2011 15:52 Uhr im Ressort Bildung & Kultur

Es ärgert Helena Bennett nicht, dass ihre Grünen-Hochschulgruppe im Campus-Magazin nicht auftaucht. Es ärgert sich auch nicht, dass die Universitätsleitung Vorschläge der Hochschulgruppe als eigene Ideen präsentiert. „Das ist okay“, sagt sie, „die haben ja sicher auch selbst an vielem gearbeitet.“ Was Bennett, die nicht nur Mitglied der Uni-Grünen ist sondern auch studentische Senatorin, aber auf die Palme bringt: „Die Unileitung stellt sich hier so grün dar. Wir sind mit unseren Idee aber bisher meist auf taube Ohren gestoßen.“

Anlass für den Ärger der Hochschulgruppe ist die aktuelle Ausgabe der Campus Passau. Das offizielle Uni-Magazin erscheint jeweils am Anfang und am Ende jedes Semersters und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit einem bestimmten Thema. Diesmal ist es die „Grüne Universität“.

"Nicht immer wie erwartet entgegen gekommen"



Prof. Walter Schweitzer
Unter der Überschrift „Grün bis in den Kern“ schreibt Uni-Präsident Prof. Walter Schweitzer: Grüne Technologien, nachhaltiger Konsum, ökologisches Wirtschaften – diese Themen stehen auf der gesellschaftlichen Agenda weit oben. Unsere Universität hat diese bereits in Lehre, Forschung und Verwaltung bearbeitet, als sie von einer Mehrheit noch belächelt wurden.

Belächelt von der Unileitung wiederum fühlte sich die Hochschulgruppe bei ihren Forderungen. Die Aussagen im Unimagazin findet Bennett „überraschend“, denn bisher, so sagt sie, sei die Hochschule den Grünen „nicht immer wie erwartet entgegen gekommen.“ Zahlreiche Projekte wurden abgeschmettert oder verschoben – die Gründe dafür sind für die Studenten oft nicht nachvollziehbar.

Diese Vorschläge wurden abgelehnt



Ludwig Bloch
Beispiel Nachhaltigskeitskonzept: Der Antrag zur Ausarbeitung eines solchen Konzepts wurde vom studentischen Konvent bereits im Januar 2010 beschlossen. Gefordert werden darin unter anderem eine Optimierung des Resourcenverbrauchs oder die Einbeziehung des Nachhaltigkeitsaspekts in der Lehre. „Zuerst sagte die Unileitung die Verwaltung sei mit dem Gleichstellungskonzept beschäftigt“, sagt Bennett, „jetzt wo das fertig gestellt wurde, heißt es sie hätten die nächsten zwei Jahre trotzdem keine Zeit, sich damit auseinanderzusetzen.“
Die Uni hält dagegen, dass keine andere Hochschule in Bayern so erfolgreich fossile Brennstoffe aus ihren Energiekreisläufen verbannt hat. Als Beispiele nennt Kanzler Ludwig Bloch Pufferspeicher, ein ausgeklügeltes Kühlsystem, die Abwärme der Menschen in den Hörsälen und Innwasser, das demnächst zur Kühlung benutzt werden soll. Damit spart die Uni 6000 m³ Trinkwasser. „Es ist sicher kein Fehler, mit einem Nachhaltigkeitskonzept auch theoretisch zu beschreiben, warum wir hier führend sind. Ich bitte aber um Verständnis, dass wir die Produktion eines solchen Papiers in Zeiten des doppelten Abiturjahrgangs nicht als unsere dringlichste Aufgabe ansehen“, erklärt Kanzler Ludwig Bloch.

Beispiel Solaranlage auf dem ITZ: Gemeinsam mit der eigens dafür gegründeten Hochschulgruppe „Unisolar“ wollten die Hochschul-Grünen Solarzellen auf dem Dach des IT-Zentrums/International House (ITZ) durchsetzen. Das Staatliche Bauamt hat bereits 2008 alle Uni-Dächer auf ihre Eignung überprüft, sagt Uni-Sprecher Steffen Becker. Das Ergebnis: Die Dächer sind entweder aus Denkmalschutzgründen, aufgrund ihrer Ausrichtung oder – wie beim ITZ - „aufgrund ihrer Verwendung für andere Zwecke“ nicht geeignet. „Uns wurde damals gesagt, eine solche Anlage auf dem ITZ sei vom Architekten nicht angedacht“, sagt Bennett, „und könne aus Gründen der Ästhetik nicht umgesetzt werden.“

Beispiel Recyclingpapier: Auch das ist eine altbekannte Forderung der Grünen Hochschulgruppe: Die Umstellung mehrerer Kopierer auf Ökopapier. „Weil das Kopierzentrum privat ist, hat die Uni da offenbar keine Handhabe“, sagt Bennett, „es gibt mittlerweile Recyclingpapier, das auch nicht teurer ist als herkömmliches Druckerpapier. Wir sind da aber auf taube Ohren gestoßen. Da hatte ich schon das Gefühl, dass aus Prinzip nicht auf unsere Vorschläge eingegangen wird.“ Uni-Sprecher Becker erklärt die Ablehnung gegenüber Ökopapier anders. Es habe bei einem Versuch Probleme mit den Geräten gegeben und das Papier sei von den Studenten nicht gut angenommen worden. Im Rahmen einer Neuausschreibung des Vertrags bestehe aber die Möglichkeit zum Beispiel auf weißes Recyclingpapier umzusteigen. „Darüber hinaus hat sich bereits im Dezember die Universitätsverwaltung mit den Studierendenvertretern und dem Kopierzentrum besprochen und vereinbart, dass kurzfristig im Laden in der Innstraße ein Kopierer mit Recyclingpapier betrieben wird“, so Becker.

"Bei der Transparenz hapert es noch"



Helena Bennett
Die Uni-Grünen haben aber nicht nur in Sachen Umwelt etwas zu bemängeln. „Zum 'Grün sein' gehört auch eine humanistische Ausrichtung der Lehre“, sagt Bennett. Damit meint sie, dass die Studenten nur lernen, „möglichst schnell möglichst viel Kapital zu generieren“. Der Bildungsauftrag dürfe sich aber nicht nur auf die Arbeitsmarktkompatibilität der Absolventen beschränken, sondern müsse auch den gesamtgesellschaftlichen Nutzen im Auge haben. „Die Versuche, Wirtschaftsethik als festen Bestandteil in die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge zu integrieren, stießen bisher leider nicht auf offene Ohren“, erklärt Bennett dazu. Aus dem Editorial im Campus-Magazin ließt sie aber heraus, dass Präsident Schweitzer seine Position in diesem Punkt offenbar verändert hat.

„Auch Demokratie und Mitbestimmung sind typisch grüne Themen, die wir seit unserer Gründung verfolgen“, sagt Bennett. Unter dem Motto „Selbst ist der Studi“ wird dieses Thema im Campus-Magazin behandelt. Gerade in Sachen Mitbestimmung und Transparenz hapere es aber noch deutlich, meint sie. „Vom TechnikPlus-Konzept haben Studenten und Lehrstühle aus den Medien erfahren. Diese haben die Information viel früher erhalten. Die offizielle Information der Uni kam erst heute per E-Mail.“

Die Farbe der Hoffnung


Da aber grün „vor allem anderen die Farbe der Hoffnung“ ist, wie Schweitzer selbst schreibt, wollen die Uni-Grünen ihn nun auf seine Aussagen festnageln. Die Universität kann sich zu gute halten, dass sie ein Arbeitsklima geschaffen hat, in dem grüne Ideen zur Serienreife gedeihen, schreibt der Uni-Präsident. „Damit aus Ideen Tatsachen werden, muss die Universität Taten sprechen lassen und die seit langem vorhandenen Vorschläge in ihre Überlegungen aufnehmen“, kontert Bennett, „das ist in der Vergangenheit leider zu wenig passiert.“ Nach der Veröffentlichung des Campus-Magazins freue sich die Hochschulgruppe aber auf baldige Ergebnisse ihrer Forderungen.

Fotos: Lugbauer


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