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Julia und Christine Zanella: Schmuck und Antiquitäten

Die Kunstschwestern

Die eine macht Schmuck, die andere verkauft Antiquitäten. Zwei Läden voller Kreativität, keine zehn Meter voneinander entfernt. Sie sind Schwestern: Julia und Christine Zanella.

veröffentlicht von Susanne Wax am 03.06.2011 20:44 Uhr im Ressort Land & Leute

Eigentlich sind die Zanellas ein Kunstquartett. Vater Franz Zanella ist bekannter Maler, lebt in Schönberg im Bayerischen Wald. Die dritte Schwester Illona ist Keramikerin, lebt in Haus im Wald. Nur Julia und Christine hat es nach Passau verschlagen. Dort sind sie fester Bestandteil in der Altstadt: Am Residenzplatz kreiert Julia Zanella ihren filigranen Schmuck, zwei Läden daneben hat Schwester Christine ihren Laden voller Vasen, Porzellan, Fliesen und Möbel, alles in Jugendstil. Zwei unterschiedlichste Steckenpferde. Mit großer Nähe über zwei Ladentüren.





Ein Quartett? Vielmehr ein Quintett


Eigentlich sind die Zanellas ein Kunstquintett, verbessert Julia Zanella beim Besuch in ihrem Atelier: "Unsere Mutter ist eine Künstlerin im Kochen. Da kann sie wunderbare Gerichte zaubern, bei denen wir nur staunen." Junia Zanellas Laden liegt direkt am oberen Ende der Schrottgasse. Von ihrem Arbeitsplatz aus sieht die 40-Jährige den Rathausturm. Rund um sie herum sind ihre Werke ausgestellt: Ohrringe, Ketten, Ringe. "Als Kind wollte ich Malerin werden", erzählt sie. So wie der Vater. Dessen Bilder hängen in ihrem Laden. "Auf jeden Fall wollte ich was machen, wo man mit den Fingern etwas erschaffen kann." Ihre Facharbeit in Kunst schrieb sie über den Schmuckkünstler René Lalique. Da faszinierten sie sie schon, die Dinge, die man Schmuck nennt. Die man mit den Händen erschaffen kann.




Julia Zanella ging auf die die Staatliche Zeichenakademie Hanau, eine Fachschule für edelmetallgestaltende Berufe. Fortan war sie Goldschmiedin, 1998 machte sie sich mit ihrem Laden selbständig. "Meine Schwester bekam mit, dass hier etwas frei wird. Und hat mir den Tipp gegeben." Als filigran beschreibt Julia Zanella ihren Schmuck, "aber ich verarbeite auch mal gern Wolle oder Plexiglas, kombiniere Unedles mit Silber." Julia Zanella, die bald zum dritten Mal Mutter wird, genießt es, die Schwester in der Nähe zu haben: "Es ist schon gut, wenn man sich zum Ratschen treffen kann." Auch wenn ihre Tätigkeiten ganz unterschiedliche sind, wie sie sagt: "Ich weiß nicht viel über Antiquitäten. Meine Schwester weiß alles."


Alles über Jugendstil, verbessert Christine Zanella in ihrem Geschäft, wo sie inmitten von schönen Dingen steht: ein zimmerlanges Regal voller Vasen in allen Farben, an den Wänden Fliesen mit schnörkeligen und floralen Mustern, kunstvoll bemaltes Porzellan, Silbertabletts, Besteck. Eine Vitrine mit Miniatur-Möbeln und Haushaltsgegenständen. Ein Mini-Nudelholz, eine winzige Kuchenform, Miniatur-Marmeladengläser: Diese Dinge fertigt Vater Franz Zanella an. In ihrem früheren Laden in der Michaeligasse gibt es noch mehr davon zu sehen: Seit Jahren dreht sich dort im Schaufenster ein reichhaltig ausgestattetes Puppenhaus.




Christine Zanella hat der Jugendstil früh fasziniert, sagt sie: "Zu einer Zeit, in der er wenig beachtet war. Alle sprachen von Biedermeier und von Volkskunst. Mit gefiel Jugendstil." Im Antiquitätenladen der Eltern im Bayerischen Wald arbeitete Christine Zanella nach der Schule mit, eignete sich viel Wissen an. Während der Realschulzeit, die sie teils in Passau verbrachte, verliebte sie sich in die Dreiflüssestadt. Mit 18 Jahren machte sie ihren ersten Laden auf - eben jenen in der Michaeligasse. "Er war nur zehn Quadratmeter groß. Aber es hat ohnehin gedauert, bis ich mal ein reichhaltiges Warenangebot hatte", erzählt die heute 50-Jährige, die Mutter einer Tochter ist.

"So ein Laden ist Luxus"


Den Laden am Residenzplatz hat sie nun schon seit 1980. Ihr Blick fällt direkt auf das Lebensmittelgeschäft gegenüber, täglich passieren ihr Schaufenster sowohl zig Touristen als auch Einheimische. Das große Geschäft macht sie nicht, sagt Christine Zanella: "So einen Laden in der Altstadt zu habe ist Luxus. Ich kann ihn mir nur leisten, indem ich Ware im Internet verkaufe." Onlinehandel, der widerstrebe jedem Liebhaber alter Dinge, sagt sie: "Man will die Sachen mit dem Kunden anschauen, anfassen, darüber beratschlagen. Internet ist unpersönlich."

Beide Zanellas, sowohl Julia als auch Christine, schätzen die Altstadtlage, wünschen sich aber mehr Aufmerksamkeit - von der Stadt, von den Gewerbetreibenden. "In einem anderen Stadtteil könnte ich mir meine Arbeit nicht vorstellen", sagt zum Beispiel Julia Zanella. "Aber man hat so den Eindruck: Als richtiges Atelier, als Kunstschaffender wird man hier hinten nicht wahrgenommen. Hier ist es so touristisch geprägt." Zwischen den Souvenirläden aufzufallen, das sei schwer, bestätigt ihre Schwester Christine: "Trotzdem bin ich lieber hier als in der Fuzo. Oder gar in der Stadtgalerie."

Zum gemeinsamen Foto mit Julia sind nun ausgerechnet Kunden in beiden Läden. Christine Zanella berät einen Mann, der eine Vase kaufen will. Julia Zanella hat eine junge Frau da, die sich ein Schmuckstück anfertigen lassen will. Wer geht nun im Anschluss zu wem für den Schnappschuss? Die Jüngere gibt nach. Das sei untypisch, sagt ihre große Schwester: "Eigentlich bin ich es immer, die zum Ratschen zu dir rüberkommen soll."

Fotos: Wax


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Schlagwörter & Themen:
Schrottgasse , Residenzplatz , Stadtgalerie Passau

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