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7 bis 8 Uhr: Mit der Stadtgärtnerei bei der Arbeit

Die Harten im Klostergarten

Nur die Harten kommen in den Garten, sagt man. Heute kommen die Harten aber nicht rein sondern raus. Nämlich die harten verdörrten Zweige und Knospen der Rosen.

veröffentlicht von Laura Lugbauer am 12.08.2011 18:48 Uhr im Ressort Land & Leute
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Vorarbeiter Uli Braml (44) und seine Mannen von der Stadtgärtnerei sind schon seit 6 Uhr im Klostergarten zugange. Mittlerweile ist es 7 Uhr. Es nieselt, am Vorabend hat es ein Gewitter gegeben. „Mei, grad haben wir aufgeräumt, geht es schon wieder los“, sagt Andreas Kaltenecker (21). Richtig kalt ist es nicht, trotzdem hat er die charakteristische grün-leutorange Arbeitsjacke übergeworfen, die ihn als Stadtgärtner ausweist. Die Kollegen arbeiten im T-Shirt. Während sie dafür sorgen, dass die Kiesfläche auch Kiesfläche bleibt und das Gras daraus entfernen, ist an Andreas für das Zuschneiden der Rosen zuständig.



Mit den Pflanzen ist es wie mit der Freundin


Eine stachelige Angelegenheit. Andreas steht mitten im Beet, zwischen satt roten Blüten, grünen Blättern und den bräunlich-knittrig verwelkten Trieben. Die müssen ab. Nicht nur, weil sie nicht schön ausschauen, sondern auch, damit die Rosen weiter wachsen können. „Wenn wir sie nicht entfernen, leitet die Pflanze die Nährstoffe in diese Knospen. Das wollen wir aber nicht, denn diese Nährstoffe werden anderswo gebraucht, damit die Pflanze weiter wachsen kann – und wieder blühen“, erklärt Andreas.

In der einen Hand hält er die Blumenschere, mit der anderen greift er die Blütenstände, bevor er sie abzwickt. Ohne Handschuhe. Braucht man nicht, sagt er, wenn man weiß, wo man hinfassen muss. Mit den Fingerspitzen greift er nur den kleinen Knubbel unter den Blättern. Ganz vorsichtig. „Wie bei meiner Freundin“, sagt er und grinst. Da muss man auch wissen, wo man hinfassen muss.

Immer weiter arbeitet er sich durch die Rosensträuche, zwickt ein paar Zweigerl ab, schiebt Äste zur Seite, zwickt wieder. Was abgeschnitten wird, landet in einem Eimer. Schnipp, schnipp, schnipp. Rascheln. Schnipp, schnipp. Rascheln. Schnipp, schnipp, schnipp, schnipp. Noch mehr Rascheln. Wieder schnipp, schnipp. Konzentriert man sich nur auf dieses Geräusch und auf Andreas' Hände, die sich vorsichtig, aber zügig durchs Gebüsch arbeiten, wirkt diese Szene idyllisch. Ruhig. Im Vordergrund die roten Rosen, im Hintergrund die Mauern des Nikolaklosters.

Der Betrunkene auf der Parkbank


Egal wie sehr man sich aber aufs Schnippen und Rascheln fixiert: der Klostergarten liegt mitten in der Stadt, es ist 7.30 Uhr. Es herrscht Berufsverkehr, die Autos brummen vorbei, schieben mit ihren Reifen das Wasser auf der Straße zur Seite. Die ersten Menschen gehen mit knirschenden Schritten über den Kies zur Arbeit, zur Uni, in die Stadt. Auf der Bank bei der Ampel vorm Handy-Kistl rappelt sich ein Betrunkener auf, der eben noch dort seinen Rausch ausgeschlafen hat. Mit schlurfendem Schritt schleppt er sich durchs Gras, über die Straße, verschwindet.


Suchbild: Wer versteckt sich hier hinter den Blumen? Tipp: Mal genau die Bildmitte betrachten...
„Andi, kannst du dich mal um des Beet da drüben kümmern?“, ruft Uli Braml herüber, „das gehört auch noch ausgeschnitten.“ Andi kann. Er nimmt Eimer und Blumenschere und geht vorbei an der Wippe zu den Blumen an der Cagnes-sur-Mer-Promenade. Vorbei an der Bank des Betrunkenen. Sein Blick fällt auf den Boden. Der Mann hat sein Handy verloren, ein Smartphone, ziemlich neu sieht es aus. Andreas wischt den Dreck ab, steckt das Telefon ein. „Müssen wir schaun, was wir damit machen. Am besten ist wohl, wenn wir's zur Polizei bringen.“

Gerade zwei Schritte hat er gemacht, da spricht ihn ein weiterer Mann an. Er ist vermutlich jünger als er aussieht, kommt ein bisschen gebückt daher und wirkt auch nicht ganz nüchtern. Den Weg zur Apotheke will er wissen. Andreas Kaltenecker erklärt ihm, wie er dort hinkommt, der Mann bedankt sich und zieht ab. Sein Lächeln ebbt ab, auf der Stirn macht zeichnet sich eine leichte Sorgenfalte ab. „Das ärgerliche ist ja, dass man den Leuten meistens noch dabei zuschauen muss, wie sie hier unsere Arbeit kaputt machen – in so einer Situation wie jetzt muss man dann aber trotzdem freundlich bleiben, auch wenn man den Pappenheimer kennt.“ Die Polizei rufen, klar das machen sie schon, wenn jemand im Klostergarten randaliert. „Aber bis jemand da ist, sind die meistens schon wieder weg“, sagt Andreas. Hilft ja nicht. Er widmet sich wieder den Pflanzen. Hier ist der Boden nicht so dicht bewachsen, man sieht ein Paar Kronkorken auf der Erde liegen. Uli Braml steht mit dem Rechen ein bisschen weiter vorne, Andreas Kaltenecker geht auf die Knie, stellt den Eimer neben sich ab, beginnt wieder, verwelkte Blüten abzuzwicken. Diesmal raschelt es aber nicht. Nur: schnipp, schnipp, schnipp.

Gestatten, der Klostergarten-Hase



Na, erraten? Auf dem vorherigen Foto waren beim genauen Hinsehen die Ohren dieses putzigen Zeitgenossen zu sehen. Der Hase wohnt seit ein paar Wochen im Klostergarten.
„Da ist der Hase!“ Ruft sein Vorarbeiter auf einmal. Ein Hase? Tatsächlich, ein bisschen nervös hüpft da ein Langohr durchs Unterholz, der Rechen hat es wohl aufgeschreckt. Nach ein paar Hüpferern ist aber schon wieder Schluss. „Der ist schon seit ein paar Wochen da“, sagt Uli Braml, „ein zweiter hüpft auch noch irgendwo rum. Die sind wahrscheinlich ausgesetzt worden.“ Denn wie ein Wildhase sieht das kleine Tierchen nicht aus. Es ist eher klein, hat kurze Beine und Ohren. Und mit neugierigen Augen schaut es von sicherer Warte aus die Menschen an, die da in seiner Wohnung herumräumen.

Der Zeiger von Uli Bramls Uhr ist gerade über die Acht drüber. Zeit zu gehen. Die Stadtgärtner haben noch ein paar kleinere Arbeiten im Klostergarten, dann geht es weiter ins Dreiflüssestadion. Dort müssen zwei Bäume gefällt werden. „Das hier war eher was für's Fingersptzengefühl“, sagt Andreas Kaltenecker und lacht, „jetzt gibt’s dann ein bissl Action.“


Fotos: Lugbauer


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