25.10.2011 Fliegende Wurstsemmeln und barbusige Studentinnen23 bis 24 Uhr: Auf ein Bier an der Zentraltankstelle 19.10.2011 Die Hinfahrt ist Hochdeutsch, die Rückfahrt ist Bairisch22 bis 23 Uhr: Eine Stunde im Passauer Stadtbus, Linie 1 Weitere Beiträge auf der Themenseite Die meist geklickten BeiträgeAktuelle KommentareAm 29.02. 19:46 Uhr von Markus Ihle bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 19:31 Uhr von Jürgen Hellwing bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 11:26 Uhr von Marcel Köth bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 29.02. 10:55 Uhr von Marco Madness bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 28.02. 12:54 Uhr von Karina Mischkowski bei Baukunst aus Raum und Licht Am 26.02. 13:33 Uhr von Karina Mischkowski bei Den Winter nochmal einfangen | 1 bis 2 Uhr: Nachts in der InnenstadtStraßenfestUm 19 Uhr werden in der FuZo die Gehsteige hochgeklappt? Das mag schon stimmen. Allerdings: Gegen 1 Uhr früh werden sie wieder heruntergelassen. Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "24 Stunden Passau" findest Du auf unserer Themenseite. Die Nacht beginnt mit Kirchenglocken. Es ist 1 Uhr in der Passauer Fußgängerzone und für einen Moment überschallt das Läuten alle anderen Geräusche. Aus Richtung Ludwigsplatz hört man Stimmen. Aus der Kleinen Klingergasse kommt gerade eine Gruppe junger Frauen, die sich unterhalten. Eine von ihnen zündet sich eine Zigarette an. Obwohl es ein warmer Tag war, ist die Luft mittlerweile doch merklich abgekühlt. Den Frauen scheint das nichts auszumachen. Sie tragen kurze Kleider und Röcke, die Füße stecken in hohen Hacken, die über das Pflaster klappern. Hallt ganz schön. Sie klappern in Richtung Ludwigsplatz. Soda gibt's auch in Berlin Ein paar Meter vor ihnen geht ein junger Mann, der offenbar nicht zur Gruppe gehört. Die schwarzen Haare sind ein bisschen zerzauster, den Blick hat er angestrengt nach vorn gerichtet. Das hilft ihm aber nicht viel, seine Beine wollen nicht mehr so richtig mitmachen. Schwankend setzt er einen Fuß vor den anderen, biegt bei Tschibo um die Ecke und knallt gegen das Schaufenster. Er wankt ein bisschen mehr und geht weiter. Jetzt orientiert er sich aber eher zur Straßenmitte. Die Singgruppe ist mittlerweile vor der Commerzbank angekommen. Aus der treten gerade zwei Männer in Jeansjacken. "Wisst ihr, wo hier was los ist?", fragt einer aus der Gruppe. Die Jeansjacken haben noch nicht mal ihren ersten Satz beendet, als ein anderer einwirft: "Versucht ma bitte Hochdeutsch." Sie versuchen und reüssieren. Ins Frizz könnten sie gehen, meinen sie oder ins Soda. Beides hier die Straße hoch. Die Gruppe lacht. "Das gibt's in Berlin auch. Da müssen wir aber noch viel singen bis wir da sind." Die Mädchen dürfen entscheiden und wählen das Frizz. Dorthin begibt man sich klatschend und mit einem Lied auf den Lippen. "Danke, schönen Abend noch, wa?" Langsam erhöht sich die Frequenz in der Ludwigsstraße. Es legt sich ein Teppich aus Stimmen über die dunkle Fußgängerzone, das Klappern der Stöckelschuhe, irgendwo hört man einen Fahrradreifen quietschen. Vor der Klingergasse steht seit einiger Zeit ein Pärchen, offenbar wartend. Zwei sich nähernde junge Männer werden mit Handschlag und Umarmung begrüßt. "Na, wie war das Konzert? Wo gehen wir jetzt noch hin? In Shamrock vielleicht?" An dieser Szene vorbei läuft ein Jogger mit Kopfhörern und Schluckauf. Zur Feier des Tages: Ein vegetarischer Burger Aus der Theresienstraße kommt schon die nächste Gruppe gebogen. "Benny! Hör auf!", ruft ein Mädchen immer wieder mit schriller Stimme. Der Junge, der offenbar Benny ist, hat in der Hand eine Plastikflasche und diese Hand wiederum über dem Kopf des Mädchens. Ihre Freundin zupft an seinem Ärmel, während die Bedrohte davon hüpft. "Was schreibst du denn da mitten in der Nacht?" Ron Lee, Radfahrer und Musiker, stellt sich mir vor. Er feiert, dass seine Band nächstes Wochenende ihr Album veröffentlicht. "Passau und die Welt wird noch von uns hören. Wir werden bald so richtig durchstarten", sagt er. Die Nacht hat er im Cubana gestartet, das war aber nix. "Da sind nur Typen heute." Deswegen radelt er jetzt zu McDonals und isst erstmal einen vegetarischen Burger, dann will er in die Camera. Mit seinem Rad rumpelt er fast gegen die Bank vor der Sparkasse, kriegt nochmal die Kurve und zieht in Richtung Veggieburger. Szenenwechsel. Ron hatte recht. Vor dem Cubana sind wirklich fast nur Männer. Dafür ist vor der Tür des Shamrock der Frauenanteil höher. Es wird geraucht, geredet, zwei Mädchen setzen sich auf den Gehsteig. Ihre Absätze sind gut zehn Zentimeter hoch, die Füße tun langsam weh. Weiter geht's zum Stadtbeisl. "Ich bin ein krasser Schnösel und trag' keine Rolex" Vor der Tür stehen zwei Studenten. "Komm mal her, trinkst ein Bier mit uns?" Auch sie wollen heute noch ins Frizz. "Dieser Spiegel-Artikel war doch komplett an den Haaren herbeigezogen", erklärt mir einer von ihnen. "Ich bin auch ein krasser Schnösel und ich trag keine Rolex", sagt sein Freund, zieht seinen Ärmel hoch und zeigt zum Beweis sein Handgelenk. Mit seinem Hemdkragen und der akkurat ondulierten dunklen Föhnwelle sieht er eher aus wie ein Jurist. Er studiert allerdings Informatik, sagt er. Der Zweite ist MuK-Student und sagt: "Niemand hat das nötig, zu sagen 'Kennst du meinen Vater?', das macht hier auch niemand, das ist ja lächerlich. Ich könnt auch angeben mit Vater und tu's nicht", sagt er und schnaubt. Dann verzieht sich sein Gesicht zu einem Grinsen und in jovialem Tonfall fragt er: "Kennst du Steve Jobs?" Der ondulierte Freund und eine junge Frau mit Leopardenoberteil und großen Ohrrigen lachen. Dann ergreift wieder der Dunkelhaarige das Wort. "Wo wohnst du denn eigentlich?", fragt er mich wie beiläufig. "Darf ich dich nach Hause begleiten?", schiebt er in verschwörerischem Tonfall nach. Ich bin mit dem Auto da, antworte ich. Das stört ihn nicht weiter. "Darf ich da mitfahren? Nein? Wirklich nicht? Na, wenn das so ist, dann schwinden meine Motivationen." Die Unterhaltung wird beendet. Auf der Stufen der Votivkirche liegt ein Mann im Anzug und schläft. Daneben steht ein zweiter, ebenfalls im Anzug, ein bisschen unschlüssig herum. "Jetzt steh' halt amal auf", raunzt er den anderen an. Geht ein paar mal auf und ab. Entscheidet sich dann für Schütteln. Zur Ampel laufen sie dann um die Wette. Der Kleinere von beiden, das ist der, der eben noch geschlafen hat, rammt ein paar mal das Baugerüst vor der VR-Bank. Sie kichern, rennen über die grüne Ampel und verschwinden dann die Treppe hinunter ins Frizz. Hinter ihnen: Die Studentengruppe aus dem Stadtbeisl. Hello, Polizei! Auf der anderen Seite der Ampel nähert sich eine größere Gruppe junger Männer. "Was? Du hast den Wein weggeschüttet?", schreit einer den anderen an. Der winkt ab. "Du hast den Wein weggeschüttet?", fragt er wieder. Die beiden bleiben stehen mitten auf der Straße. Das muss jetzt sofort ausdiskutiert werden. Erst, als die Fußgängerampel wieder auf rot schaltet und sich ein Auto nähert, können ihre Begleiter sie zum Weitergehen bewegen. "Du hast den Wein weggeschüttet", wiederholt der eine fassungslos, als sie die Fußgängerzone hinuntergehen. Auf dem Platz vor dem McDonalds ist einiges los. Man hört Stimmen und Musik aus beiden Richtungen: Von der Camera und aus dem Frizz. Die Schlange an der Theke geht schon durch das halbe Lokal, auf der Bank vor dem Brunnen sitzen Frauen mit Perlenketten im kleinen Schwarzen und Männer mit Band-Shirts und Chucks. Es wird einträchtig gegessen, geplaudert, getrunken. Auf dem Platz sammeln sich leere Mitnahmetüten, Pappbecher. Am Rand des Brunnens stehen zwei Bierflaschen, der Boden ist bedeckt mit Zigarettenkippen. Zwei junge Männer und eine Frau kommen vorbei und besprechen die weitere Abendplanung. "Wo gehen wir jetzt hin?", fragt sie. Ihr Begleiter schlägt vor: "Erstmal zur Tanke und was Alkoholisches kaufen. Feigling? Vodka?" Das Mädchen hätte lieber Rotwein. Bevor sie sich aber einig werden fällt ihnen ein: "Es ist ja schon nach Mitternacht. Da gibt's ja gar nix mehr." Mangels Alternativplan gehen sie aber trotzdem in Richtung Shell. Aus der FuZo kommt eine Gruppe Männer mit schwarzen Klamotten und Piercings. Sie sind eine Punkrock-Band und haben an diesem Abend im ZAKK gespielt. Zum McDonald's müssen sie nicht mehr, denn sie kommen gerade vom Döner-Essen. Vorher waren sie im Colors in der Innstadt, jetzt werden sie langsam müde. Ein Polizeiauto fährt vorbei, über die Nikolastraße in die FuZo. Vom Platz aus ist der Wagen schon nicht mehr zu sehen, als eine Stimme, irgendwo in der Ludwigsstraße, ruft: "Heeeello!" Für uns ist es jetzt aber Zeit, "Goodbye" zu sagen. Die Uhr schlägt zwei, unsere Stunde ist vorbei. Aber die Nacht ist noch jung. Foto: Laura Lugbauer
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