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Mangold fordert eine Wiederbelebung des Glaspalasts

Wer hält da eigentlich Dornröschenschlaf?

Vorzügliche Küche, ein prachtvoller Garten draußen und reiche Verzierung drinnen: Das zeichnete ihn aus, den Glaspalast in der Innstadt, das Relikt, dessen Sanierung nun wieder im Gespräch ist.

veröffentlicht von Susanne Wax am 04.08.2011 13:34 Uhr im Ressort Land & Leute

Die Beschreibungen entstammen einer Masterarbeit von Architekt Franz-Josef Schildhammer über den "Sommerkeller der Innstadt-Brauerei", der lokalnews-Redaktion vom Stadtarchiv zur Verfüfung gestellt. Bürgermeister Urban Mangold hat Anfang der Woche verkündet, die Wiederbelebung des über 400 Jahre alten denkmalgeschützten Glaspalasts ganz oben auf die Liste seiner Ziele zu schreiben. Bei der Innstadt-Brauerei, heutiger Eigentümer, hält sich die Zustimmung zu dem Vorschlag zunächst in Grenzen, wie eine lokalnews-Nachfrage ergab (Details siehe Kasten ganz unten).

Wir wollten wissen: Wie hat es einst ausgeschaut da droben? Wie wurde dort gefeiert? Und warum liegt der von so vielen Seiten als "wunderschön" beschriebene Bau brach? Erstmal ein altes Foto (Quelle: Stadtarchiv), das den Saal zeigt, mit Tischen, Stühlen, festlich geschmückt mit Zweiggirlanden:




Wann entstand der Glaspalast / Sommerkeller / Innstadt-Keller?


Der Glaspalast, auch Sommerkeller oder Innstadt-Keller genannt, gehörte ursprünglich zum Kapuzinerkloster Mariahilf, das an der Stelle ab 1610 errichtet wurde. 200 Jahre später wurde das Kloster säkularisiert. 40 Meter lang und neun Meter breit war der Bau bis 1840, als er um einen "sechs Meter breiten Pultdachanbau erweitert" wurde. Unter anderem das Refektorium des Klosters gefand sich in dem Gebäude, das später zur Schaffnerhof-Brauerei gehörte. Die brannte ab, und 1812 kaufte Lorenz Lang das Anwesen und baute es wieder auf. Zur Gastronomie machte es sein Vetter Josef Fladt, der es ihm 1836 abkaufte, sich die Lizenz zum Verkauf von Speisen beschaffte und die Bierkonzession von der Innstadt-Brauerei erhielt.



Wie schaute es dort aus?


Mit einem wunderbaren Ausblick auf Passaus Altstadt und das Oberhaus muss es sich vorzüglich Speisen, Trinken und Feiern haben lassen im Glaspalast. "Einfache Gipsabgüsse historischer Statuen, große Wandgemälde", außerdem dunkle Wandverkleidung, so beschreibt es Schildhammer, hätten dem Saal eine "gehobene und beim konservativen Bürgertum beliebte Wohnzimmer-Atmosphäre" verliehen. Wärme brachte in den kalten Monaten ein Gussofen, mit Ornamenten und bunten Kacheln verziert. Erst Tanzsaal, dann Sommerkeller der Innstadt-Brauerei war der Glaspalast stets gut gefüllt mit Leben. Es gab Tanzveranstaltungen, Konzerte und sogar sportliche Ereignisse.

Breite Dielen aus Fichenholz bedecken bis heute den Boden. Für Tanzveranstaltungen weniger gut geeignet, aber günstig und "nach Abnutzung leicht wieder auszutauschen". Eine Zeit lang gab es sogar eine Kegelbahn neben dem Saal.


Was wurde dort angeboten?


"Den Höhepunkt der Veranstaltungen erlebte der Sommerkeller um 1800", schreibt Franz-Josef Schildhammer. Schwerpunkt war eindeutig die Gastronomie, waren gutes Essen und Getränke. Um die Jahrtausendwende herum gab es viele Militärkonzerte. Vereine nutzten den Glaspalast als Stammlokal. Die letzte Aufzeichnung über eine Veranstaltung im Glaspalast stammt aus dem September 1936: ein Kameradschaftsabend des Turnvereins.


Wie ging es zu Ende?


Mit dem wirtschaftlichen Niedergang infolge des Ersten Weltkriegs verblasste auch die Blüte des Innstadtkellers, heißt es in den Aufzeichnungen. Von einem "kontinuierlichen Bedeutungsschwund" ist die Rede. Ab Ende des Zweiten Weltkriegs war der Glaspalast nurmehr Lagerraum der Brauerei: "Über eventuelle Projekte zur Nachnutzung ist nichts bekannt."


Was kam dann?


Ab 1954 wurde das Gebäude zum Teil in Wohnungen umfunktioniert. Aus der Masterarbeit von Franz-Josef Schildhammer ist ein kritischer Unterton an der Art und Weise herauszulesen: "Es ist fraglich, ob man sich bei der Planung der baugeschichtlichen Stellung des Gebäudes bewusst war. Dass der große frühere Tanzsaal (...) erhalten blieb, ist wahrscheinlich auf die Angst vor den hohen Abbruch- und Baukosten zurückzuführen als auf das (An-)Erkennen einer baugeschichtlichen, denkmalpflegerischen Bedeutung." Wichtig bei den Bauarbeiten sei die "schnelle günstige Beschaffung des nötigen Wohnraums" gewesen.

Der Glaspalast, der heute die Adresse Innstadtkellerweg 11 trägt, steht unter Denkmalschutz.


Wie geht es weiter?


Da kommt Bürgermeister Urban Mangolds (ÖDP) Vorstoß ins Spiel. Er will den Glaspalast aus dem Dornröschenschlaf erwecken. In einer Presse-Rundmail nennt er die "Rettung des dahinsiechenden historischen Glaspalastes in der Passauer Innstadt" zu einem seiner wesentlichen Ziele der nächsten Jahre: "Ich sehe das in einem Gesamtkonzept: Wenn der Rückkauf und Abriss des maroden Oberhaus-Cafes aus den 60er Jahren gelingt und ein behutsamer sich einfügender Ersatzbau angepackt wird, dann muss erst recht auch der Glaspalast gerettet werden. Jahrelang war die Stadtpolitik auf Türme und Shopping-Center fixiert, jetzt müssen die versunkenen Schätze des historischen Passau wieder entdeckt und Wunden geheilt werden", so der ÖDP-Politiker.

Während der Sommerpause wolle die ÖDP-Fraktion den Vorschlag konkreter machen, einen Vorstoß formulieren. Mangold: " Wir können bei den offenen Fragen auf vorhandene Ideen zurückgreifen. Vielleicht gelingt es der öffentlichen Hand zusammen mit der Innstadtbrauerei als Eigentümerin ein Konzept zu entwickeln und dieses auch mit einem neuen Förderverein anzupacken." Er wolle dazu "in den nächsten Wochen viele Gespräche führen".

Innstadt-Brauerei-Prokurist Johann Baumann gibt sich auf lokalnews-Nachfrage zurückhaltend: "Natürlich wäre eine Wiederbelebung schön, aber das wäre Schritt zwei. Schritt eins ist für uns eine Verbesserung der Verkehrssituation in der Innstadt, sowohl den ruhenden als auch den fahrenden Verkehr betreffend." Ein Lokal mit Veranstaltungsmöglichkeiten schön und gut, sagt Baumann, aber wo sollen die Leute parken? Wie den versteckt gelegenen früheren Sommerkeller bequem erreichen? "Die Innstadt hat jetzt schon ein riesengroßes Problem in Hinsicht auf den Verkehr. Kann mir irgendjemand sagen, wie die Leute da hinkommen sollen?" Baumann wünscht sich zunächst einen durchdachten Plan - und Gespräche mit der Brauerei. Denn solche hat es noch nicht gegeben, erklärt er: "Herr Mangold hat mit uns über das Thema noch nicht gesprochen. Bevor uns in den Medien vorgeschlagen wird, was wir mitfinanzieren könnten, hätten wir uns eine Nachfrage gewünscht."



Einen schönen Bildbeitrag über den Glaspalast gibt es auf www.passau-live.de.


Fotos: Kronawitter / Stadtarchiv


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Schlagwörter & Themen:
Oberhaus , Urban Mangold , lokalnews , ödp , Mariahilf , Innstadt-Brauerei

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