05.03.2012 Singlewanderung war wieder ein großer ErfolgJeden ersten Sonntag im Monat wird gewandert Weitere Bilder & Schnappschüsse Die meist geklickten BeiträgeAktuelle KommentareAm 29.02. 19:46 Uhr von Markus Ihle bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 19:31 Uhr von Jürgen Hellwing bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 11:26 Uhr von Marcel Köth bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 29.02. 10:55 Uhr von Marco Madness bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 28.02. 12:54 Uhr von Karina Mischkowski bei Baukunst aus Raum und Licht Am 26.02. 13:33 Uhr von Karina Mischkowski bei Den Winter nochmal einfangen | Herbert Praml (64) nimmt Abschied von der MichaeligasseDie gute Bücher-Seele zieht mit65.000 Bücher des Departments Theologie der Uni Passau ziehen nächste Woche um in die Zentralbib. Mit ihnen Lesesaalaufseher Herbert Praml (64). Ihm fällt der Abschied schwer. Nur ein Jahr noch, sagt Herbert Praml. Ein Jahr länger noch, dann wäre die Bibliothek pünktlich zu seinem Ruhestand umgezogen. Der 64-Jährige lächelt verschmitzt, wie er es oft tun wird im Laufe des Gesprächs. Viele kleine Falten bilden sich dann um die hellblauen Augen. "Aber jetzt zieh' ich halt noch mit", sagt er. Generationen von Studenten, von angehenden Priestern haben sich bei ihm die Bücher ausgeliehen. Seit 1984 ist er da. Nun sind es seine letzten Arbeitstage in der Michaeligasse, im Gebäude des Theologischen Departments der Uni Passau. Die Lehrveranstaltungen brauchen mehr Platz, der doppelte Abi-Abgang lässt die Uni aus allen Nähten platzen. Aus den Räumen voller Nachschlagewerke, voller Literatur und Doktorarbeiten werden Vorlesungs- und Arbeitszimmer. Die 65.000 Bücher des Lesesaals werden ins Untergeschoss der Zentralbibliothek auf dem Campus verlegt. Und Herbert Praml zieht mit. Mit "wie mein Zuhause" meint er aber nicht nur dieses Zimmer, in dem er Ausleihen entgegennimmt, in dem er sich um die Organisation kümmert. Er meint die komplette Bibliothek. In der es, wie er sagt, so viel mehr zu entdecken gibt als Bücher. Er geht voran, öffnet Tür um Tür, senkt die Stimme in Räumen, in denen junge Leute konzentriert über Block und Buch gebeugt arbeiten. Seine Augen suchen stets die Regale ab, automatisch schaut er im Vorbeigehen nach falsch eingeordneten Buchexemplaren. "Na, da fehlt der Aufkleber", sagt er und nimmt eines heraus. Dann der nächste Raum, ein Blick zur Decke. "So, und jetzt stellen Sie sich das vor. Das ist die frühere Kirche der Jesuiten. Das Gewölbe ist noch Original." Er weist auf eine kleine Stelle unter der Decke, an der der Putz abgekratzt ist. Verschiedene Farben sind zu sehen. "Da wären sogar Fresken drunter", sagt Herbert Praml, und geht schon wieder weiter. Hinter tausenden Büchern verbirgt sich ein Altar Ans Ende des Raumes. Ein schmaler Spalt in der Wald, eine Plexiglasscheibe, dahinter: Dunkelheit. "Schauen Sie durch. Da drin ist der frühere Altar." Und tatsächlich erkennt man in der Nische Altarbilder, Verzierungen, einen Teil des Aufbaus. Einen Zugang gibt es nicht mehr. Dafür aber eine direkte Verbindung zum Gymnasium Leopoldinum, sagt Herbert Praml, und steuert schon die nächste Station an: Eine schlichte Tür, sie ist zugesperrt, verbindet Schule und Bibliothek. 27 Jahre hat er in diesen Räumen verbracht. Er, der eigentlich eine ganz andere Laufbahn angestrebt hat: In Nürnberg hat Herbert Praml, der in Grafenau geboren ist, eine Metzgerlehre gemacht. Später als solcher in Passau gearbeitet. "Da kam immer ein Bierfahrer vorbei, ich hab von ihm ein paar Pils bekommen, er von mir dafür eine Brotzeit. Irgendwann hab ich ihn gefragt, ob sie noch welche wie ihn brauchen können bei der Brauerei." Kurze Zeit später war Herbert Praml selbst Ausfahrer der Innstadt-Brauerei. "Fast zehn Jahre lang. Weil ich einfach gefragt hab", sagt er und lacht. Zu seinem Job in der Bibliothek kam er wieder, weil er halt einfach gefragt hat: Er belieferte auch die Universität mit Getränken, fragte bei den Angestellten der Lesesäle nach, ob denn noch Personal gebraucht werde. "Die sagten: Geh zum Dr. Wimmer (der damalige Bibiotheksleiter, Anm. d. Red.) und frag'. Und der hat mich gleich eingestellt." Zwei Jahre war er in der Zentrale, ab 1984 in der Michaeligasse. Herbert Praml ist Beamter auf Lebenszeit. Büchernarr auf Lebenszeit Und Büchernarr auf Lebenszeit. Die 65.000 Werke, die hat er natürlich nicht alle gelesen. Aber viele. "Theologie, das klingt langweilig. Aber es ist ein so breites Gebiet. Über Selbstmord, über Abtreibung, über Erziehung. Über Gesellschaft. Ich hab mir da schon oft selber ein Buch beiseite genommen." Fasziniert hat ihn all die Jahre, sagt er, dass das, was in den Büchern steht, bleibt. "Bei Informatik haben Sie alle paar Jahre etwas komplett Neues. Was bei der Theologie aber geschrieben worden ist, das gilt auch heute noch." Gerne schaut er sich die richtig alten Bände an, die alten gebundenen Zeitschriften, bei denen zum Beispiel von der Reihe "Theologie und Glaube" welche ab dem Jahr 1909 in den Regalen stehen. Zeitschriften sammeln und zum Buchbinder geben, auch das ist Aufgabe des 64-Jährigen. Daran hat er privat Gefallen gefunden. Die Tageszeitung, ein Bayerwaldmagazin, den "Kicker", die Fanzeitung seines Lieblingsfußballvereins, des 1. FC Nürnberg: Er sammelt und lässt binden. "Ich habe selber schon eine kleine Bücherei daheim", sagt er. ![]() Als "gute Seele der Bibliothek" wird er in einer Doktorarbeit genannt. Nicht mit nach Hause nehmen kann er sich so manche Widmung an ihn. Solche nämlich findet man in den Werken der Bibliothek des Theologischen Departments bereits mehrfach. Er erzählt es bescheiden, aber mit strahlenden Augen. Gibt es sowas zu sehen? "Natürlich." Schnurstracks geht Herbert Praml auf ein Regal zu, zieht ein schwarzes Buch heraus und schlägt auf. Eine Doktorarbeit, das Vorwort, die Danksagung an Professoren, Lehrstuhlmitarbeiter - und an ihn. Als "gute Seele der Bibliothek" wird er da bezeichnet, als der, der ihn, den Doktoranden, mit Nachschlagewerken versorgt hat. In "so fünf bis sechs" weiteren Doktorarbeiten, sagt er, wird er erwähnt, wird seine Geduld gelobt und wird ihm dafür gedankt, dass er für das nötige Wissen gesorgt hat. Und nun geht für ihn das alles irgendwie zu Ende. Nach dem Umzug macht er Urlaub, dann ist sein Arbeitsplatz das Untergeschoss der Zentralbibliothek. "Auch wenn die Leute, die ich jetzt täglich sehe, dann noch genauso ein und aus gehen werden. Sie brauchen ja die Bücher." Doch hätte er ihn schon gerne ein bisschen rausgezögert, den Umzug, sagt er mit wieder diesem verschmitzten Lächeln. "Wo ich doch nächstes Jahr in Ruhestand gehe." Im Mai wahrscheinlich, den Resturlaub eingerechnet. Die vielen Postkarten jedenfalls, die nimmt er dann mit. Denn die sind an ihn adressiert. ![]() Aus einer Fakultät wurde ein Department: Was es mit der Geschichte der Katholischen Theologie an der Uni Passau auf sich hat, kann man hier nachlesen. Wie die Ausleihe während des Umzugs geregelt wird, zeigt dieser Aushang: ![]() Ausleihen rund um den Umzug: Hier steht, wie's funktioniert. Fotos: Wax
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