05.03.2012 Singlewanderung war wieder ein großer ErfolgJeden ersten Sonntag im Monat wird gewandert Weitere Bilder & Schnappschüsse Die meist geklickten BeiträgeAktuelle KommentareAm 29.02. 19:46 Uhr von Markus Ihle bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 19:31 Uhr von Jürgen Hellwing bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 11:26 Uhr von Marcel Köth bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 29.02. 10:55 Uhr von Marco Madness bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 28.02. 12:54 Uhr von Karina Mischkowski bei Baukunst aus Raum und Licht Am 26.02. 13:33 Uhr von Karina Mischkowski bei Den Winter nochmal einfangen | Ein Halser zeigt seinen Ort und wo Bedarf bestehtVom Leben am Fuße der RuineDie Schönheiten des Stadtteils Hals aufpolieren: Das hat der OB in einem Stadtteilgespräch zugesichert. Ruine, Ilz und Parapluie: Wie es sich rund um diese Wahrzeichen so lebt, erzählt uns Feuerwehrkommandant Rudi Landegl. Es sind Zusagen, die Rudi Landegl froh stimmen. Die eine Hand auf dem Brückengeländer abgestützt, die andere gerade zum Gruß eines Autofahrers erhoben, sagt er: „Man darf ja nicht zuwachsen da herhinten.“ Die Ruine, das Wahrzeichen des Stadtteils Hals. Ja, man sieht sie. Vor allem den Blick von der Zufahrtsbrücke aus verdecken aber zum Großteil Bäume, Büsche. Die zu entfernen, zumindest die auf Stadtgrund, hat das Rathaus zugesichert. Die Tanne im Innenhof ist auch wuchtig, erklärt Rudi Landegl und schaut hinauf zu den Resten der Ritterburg: „Aber die ist eben schon auf dem Privatgrund.“ Und doch gibt es ein paar dunkle Flecken im Paradies aus Ilzschleife mit Entengequake, historischem Marktplatz mit Dorfatmosphäre und Gemeinschaft mit fast 20 Vereinen. Vom Hochwasser 2002 zum Beispiel sind noch Nachwehen da. Rudi Landegl: „Am Perlfischerweg hat es eine ganze Treppe runter zum Wasser komplett verschoben. Die ist immer noch uneben.“ Vor allem im Sommer, sagt er, steigen viele Leute zum Entenfüttern hinab. Jetzt aber wird etwas gemacht. „Wir sind seit dem Stadtteilgespräch wirklich erleichtert“, sagt Landegl. Auch der komplette Uferstreifen Richtung Hochstein soll aufgehübscht werden: Springkraut, Brennesseln und Co., all das entfernt der Städtische Bauhof. ![]() 5,12 Meter betrug der Pegelstand am 13. August 2002. Rudi Landegl grüßt einen Autofahrer. Dann eine ältere Frau mit Einkaufskorb. Und dann den Mann auf der anderen Straßenseite. Der kommt auch gleich herüber. „Das ist auch so ein Halser Original“, sagt er. Aber kein Einheimisches: Ernst Fliegen, 73 Jahre alt, macht seit 30 Jahren in Hals Urlaub. In Köln wohnt er, „mitten in der Stadt, ein paar hundert Meter vom Dom entfernt“, erzählt er. Und in Hals, wo er mittlerweile „jeden kennt“, da sei es halt einfach am schönsten. Seine Unterkunft während des Urlaubs ist die „Brücke“, das Lokal auf der anderen Uferseite. Das zweitletzte Lokal in Hals: Außer der „Brücke“ gibt es nur noch ein ungarisches Restaurant am Marktplatz. Ganz anders in früheren Zeiten, sagt Rudi Landegl: „Da war in der Mühlengasse noch eins, in der ehemaligen Schule war eins und daneben noch eins. Es gab überall Frühschoppen, wo man sich getroffen hat.“ Diese Zeiten sind vorbei. Und auch viele Halser Urgesteine, sagt der 54-Jährige, sind schon verstorben. Was so auch allmählich verblasst sind alte Geschichten wie die vom Spuk im Triftsperrtunnel oder Versionen rund um den nie aufgeklärten Mord in den 40'ern, an den ein Marterl an der Grafenleite erinnert. „Darüber wird immer seltener gesprochen, je weniger alte Halser es gibt.“ Ein Parapluie, ein Schwammerl ohne Aussicht Über den Marktplatz mit seinen bunten Häusern geht er nun voran hoch zur Lueg, die Straße, die über die Ilz zum Hofbauerngut führt. Er deutet wieder zur Ruine hinauf: „Da ist auch viel Wildwuchs. Man muss halt aufpassen wegen der Felsen. Die Wurzeln dringen rein, Wasser rinnt nach, kann sie sprengen. So wie vor kurzem am Ilztunnel vorn“, sagt er. Ein weiterer Punkt, in dem die Halser gerne Handlungsbedarf hätten. Bei der nächsten Station, die der Feuerwehrvorstand jetzt ansteuert, ist auch schon die Zusicherung der Stadt für Veränderung da: der Parapluie, ein Aussichtsschwammerl, zu dem man über den Leharweg gelangt. Doch Aussicht? Fehlanzeige. Dichtes Gestrüpp versperrt die Sicht, die traumhaft sein muss. Der Kirchturm, die alten Dächer, das schwarze Wasser der Ilz. Darauf wird man wieder blicken, wenn die Stadt gehandelt hat. „Es geht hier kaum mehr einer hoch, weil man den Schwammerl auch von unten nicht sieht“, sagt Rudi Landegl. Runter in die Ilzstadt geht es auf dem Prangersteig direkt neben dem Parapluie. Eine steile Steintreppe, Brennesseln wachsen am Geländer hoch. Biegt man um die erste Ecke, tut sich der schöne Ausblick einem doch auf. Man sieht Dachterrassen, kleine versteckte Gärten. „Ja, schon schön, aber bei Touristen kommen die Brennesseln dann doch nicht so gut an“, bemerkt Landegl. "Schöner ist es nirgends" Unten angelangt steht man vor dem früheren Brauereigelände. Eine eigene Brauerei, die hatten sie lange, die Halser. Neben dem Münzrecht und dem Recht, Brot an die Stadt Passau zu liefern (siehe Kasten ganz unten), macht Landegl einen historischen Schwenker zu der Zeit, als Hals noch eine eigene Gemeinde war. Erst im Zuge der Gebietsreform 1972 wurde Hals ein Stadtteil von Passau. Vier Jahre später zog Rudi Landegl hierher. In ein Haus direkt am Marktplatz und direkt an der Ilz. „Schöner ist es nirgends“, sagt er. Drum widmen wir Hals eine zweite Bildergalerie: Aber wie war das mit dem Brot? In historischen Aufzeichnungen liest man von einem Hochwasser, das alle Zugangswege zu Passau abschnitt. Ein Auszug in Originalsprache: „Nur die Bäcker von Hals hatten allein den Muth, unter augenscheinlicher Lebensgefahr mit größern Schiffen über die unter Wasser stehenden Stadtmauern in die Stadt zu fahren und die bedrängten Einwohner mit Brod zu versorgen. Dafür erhielten sie auf ewige Zeiten die Erlaubniß, in der Stadt Brod in beliebiger Quantität abgabenfrei verkaufen zu dürfen.“ Passau hat eben immer schon ein bisschen von Hals profitiert. Früher vom Brot, heute als wunderschöner Ort zum Spazierengehen und Wandern. Auf die Wege entlang der Ilz begibt Rudi Landegl sich auch nach 35 Jahren hier noch gern: „Man schaut sich hier hinten nie ab an allem.“ Fotos: Wax
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