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9 bis 10 Uhr: Die Ludwigstraße, bevor sie zur Fuzo wird

Zwischen Dorfidylle und Großstadthektik

Bevor die Ludwigsstraße zur Fuzo wird, herrscht dort schon reger Betrieb. Aber ganz anders als gewohnt.

veröffentlicht von Laura Lugbauer am 19.08.2011 15:21 Uhr im Ressort Land & Leute
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Ab 10 Uhr gehört die Ludwigsstraße den Fußgängern. Vor 10 gehört sie allen: Denn Fußgängern, den Radlern, den Lieferwägen, Lastwägen und Kleinwägen. Den Studenten, Senioren, Familien, den Touristen. Und denen, die später von der Bildfläche verschwinden werden, weil sie arbeiten müssen: Kaufleute, Handwerker, Banker. Selten ist die Mischung so bunt. Und obwohl viel weniger Menschen auf der Straße sind, geht es ebenso geschäftig zu wie später am Tag, wenn sich die Menschen dicht gedrängt umeinanderschlängeln zwischen den Schaufenstern.



Sitzen darf nur der Denker


Um 9 Uhr sind bereits die ersten Gastronomen dabei, ihre Sitzgarnituren herzurichten. Stuhl um Stuhl wird aus einem wirren Gestängestapel ein Platz zum Verweilen. Von gemütlichem Sitzen kann aber noch keine Rede sein. Früh um 9 sitzt niemand in der Fuzo, außer der Denkerstatue am Brunnen, die das Treiben interessiert zu beobachten scheint. Es denkt sich wohl auch nicht so gut beim Motorgengeknatter, Hupen und dem immer wieder die Straße erschüttenden Knallen der Ladeklappen.

Sitzen darf nur der Denker. Denn die meisten Menschen, die um diese Zeit in der Ludwigsstraße unterwegs sind, kommen gerade woher oder gehen wohin. Es werden große, schnelle Schritte gemacht. Es ist warm, der Tag soll noch viel heißer werden. Immer wieder schnalzen FlipFlops vorbei und entfernen sich mit dem typischen, namensgebenden Gräusch. Gesprochen wird nur wenig. Die meisten Passanten sind allein unterwegs. Nur ein paar ältere, beige uniformierte Urlauber flanieren schon zwischen den Lkws. Noch müssen sie sich mit den Auslagen begnügen.

Stummfilm hinter Fensterglas


Hinter einigen Fenstern ist schon Leben. Bei Fielmann wird vor der Eröffnung noch staubgesaugt. Es ist ein Stummfilm hinter der Glasscheibe, Geräusche dringen nicht nach außen. Geräuschlos, obwohl nicht hinter Glas, ist auch der Mann, der die großen Fenster der Sparkasse saubermacht. An ihm vorbei schiebt ein Mann mit Helm und eng anliegendem Trikot sein Rennrad und überfliegt die ausgehängten Immobilienanzeigen. Noch dürfte er auf seinem Sportgerät auch fahren, erst ab zehn, wenn die Fußgängerzonenzeit beginnt, heißt es absteigen.

Das nutzen auch viele aus. Bereits um halb neun ist die Radlerfrequenz beträchtlich. Sie fahren Slalom zwischen den abgestellten Fahrzeugen, den Lieferanten und Urlaubern. Dazwischen schiebt ein Student seinen Trolley übers Pflaster. Im Vorbeigehen fällt sein Blick auf zwei ältere Frauen, die gerade in Richtung Rindermarkt schlendern und sich dabei angeregt unterhalten. Bei der Wortkargheit des übrigen Fuzo-Völkchens um diese Zeit fallen die beiden durchaus auf.

Morgenstunde voller Gegensätze


Aber sie sollen nicht lange die einzigen bleiben. Je höher die Sonne über St. Paul steigt, desto wortreicher wird die Kulisse. Die ersten Läden sperren auf. Zwei ältere Herren grüßen freundlich eine Frau mit streng zurückgekämmten Haaren im gleichen Alter. Ein Straßenmusiker stellt seinen Geigenkoffer ab und marschiert zum Kiosk. Am Rande seiner Unterhaltung mit der Verkäuferin schleppt ein Lieferant im Coca-Cola-T-Shirt Getränkekästen nach drinnen. Zwischen den Lkws schiebt eine weißhaarige Senioren ihren Rollator über das Pflaster. Die eine winzige Person, die noch viel kleiner aussieht zwischen den wuchtigen Fahrzeugen.

Zwei Frauen mit Wochenmarkt-Tüten kommen ins Plaudern. Und eine Touristin ruft beglückt aus: „Nein so ein angenehmes Klima. Jetzt hier sitzen mit einem Käffchen – aber ich muss weiter, ich habe einen Termin beim Frisör.“ Um kurz vor zehn liegt die Ludwigsstraße irgendwo zwischen Dorf und Metropole. Hier die Einkäufer, die Eltern mit Kinderwagen, die Handwerker beim Brotzeitholen - die Einheimischen, die sich kennen. Die sich nicht verabreden müssen, weil man sich sowieso trifft, hier in der Mitte der Stadt. Und die stehenbleiben, auf einen kurzen Ratsch. Auf der anderen Seite die Studentin, deren geblümtes Seidenkleid hinter ihr herweht, die Büromenschen. Anzugträger und Angestellt, die mit akkuratem Scheitel und Aktenmappen unterm Arm, den Kaffeebecher aus Pappe in der anderen Hand den Verpflichtungen entgegenhetzen.

Fotos: Lugbauer


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