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11 bis 12 Uhr: Im Kindergarten St. Konrad in HacklbergWo jeder Tag, jede Stunde anders istPeter hat Julia den Besen weggenommen. Stefan hat Patrick beim Sandbuddeln geschubst. Thomas findet seine Brotzeitbox nicht und Sabrina will einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit. | |  |
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "24 Stunden Passau" findest Du auf unserer Themenseite. Oh je, ganz schön viele Anschuldigungen und Aufträge. Innerhalb von nur einer Minute. Was ergibt das erst alles in einer Stunde! Viel Stress, viel Trubel, aber auch viel Lustiges und viel Freude. Die 60 Minuten von 11 bis 12 Uhr unserer 24-Stunden-Passau-Serie haben wir im Kindergarten St. Konrad in Hacklberg verbracht. Und übrigens: Alle oben genannten Namen wurden frei erfunden und auf die Situationen gelegt. Die allerdings haben wir real erlebt.
Doris Stöhrer kann nichts aus der Ruhe bringen. Während sie durch die Räume im Kindergartengebäude geht, nach draußen auf den großen Hof mit den Spielgeräten, wurlt es um sie herum. Kinder, die von draußen nach drinnen gehen und umgekehrt. Kleine Hände zupfen sie am T-Shirt, Kinderstimmen haben ihr was zu erzählen, sie was zu fragen. Alles beantwortet sie geduldig, bei allzu großem Gequengel auch mal mit sanftem Nachdruck. Doris Stöhrer ist die Kindergartenleiterin in St. Konrad. Seit 30 Jahren ist sie da. "Jeder Tag war seitdem anders", sagt sie.
Jeder Tag, und jede Stunde. 94 Mädchen und Buben besuchen den Hacklberger Kindergarten momentan. Die vier Gruppen - Schildkröten, Pinguine, Mäuse und Käferl - haben individuelle Tagesabläufe: Drei Gruppen dürfen gerade Toben und Spielen, es ist Freispielzeit. Die vierte Gruppe Gruppe hat sich in ein Zimmer zur "Traumreise" zurückgezogen. Viele Paar Kinderschuhe stehen vor der Tür. Rosa mit Blume, Herz oder Schmetterling, Blau und Grün mit Klettverschluss. "Da drin ist es gerade mucksmäuschenstill, wir wollen nicht stören", sagt Doris Stöhrer.
 Schuhe aus und rein in den stillen, gemütlichen Raum: Ein paar Kinder haben sich zur "Traumreise" zurückgezogen.
Es gibt eine Volkstanzgruppe, eine Kreativgruppe, eine Musicalgruppe. "Jede Kollegin bietet den Kindern etwas an, in dem ihre eigene Begabung liegt." Sie selbst bastelt gerne mit den Kleinen. Raupen aus buntem Papier zieren einen Raum. Daneben hängen Kakteen, eine Sonne, schöne Wolken. Doch nicht nur die Kinder sind kreativ tätig: Bald ist Schulanfang. Da sind die Eltern gefordert. In einem kleinen Raum sitzt Annett Dirkmann und gestaltet eine Schultüte für ihre Tochter Angelina. Eine Schildkröte, ein Wal, ein Regenbogenfisch: "Angelina mag Meerestiere. Drum klebe ich ihr jede Menge davon drauf."
 Bald beginnt der Ernst des Lebens: Annett Dirkmann gestaltet eine Schultüte für ihre Tochter Angelina.
Und wo ist Angelina? Draußen. Beim Zusammenkehren. Mit den Freundinnen Christina und Lilli hat sie sich Besen geschnappt, nun wird auf dem Weg auf dem Spielplatz für klar Schiff gesorgt. "Wunderbar, wie ihr das macht", sagt Doris Stöhrer. Nur ab und zu müssen die drei Mädchen die Besen absetzen: Wenn einer der Buben mit einem Bobbycar vor ihnen vorbeisaust.
Draußen sein, Bewegung bieten, das sei das A und O im Kindergarten, sagt Doris Stöhrer. "Kinder haben Energie, die muss irgendwo hin." Die vielen Spielgeräte bieten ausreichend Möglichkeiten, doch gibt es auch Exkursionen: an einen Bach zum Beispiel, wo Tier- und Pflanzenwelt erkundet werden. Auch Eltern beteiligen sich am Programm, bieten ein Malatelier oder gemeinsamens gesundes Kochen an. Viele Kinder bleiben über Mittag im Kindergarten. Heute gibt es Fisch, erklärt Doris Stöhrer.
 Doris Stöhrer mit einigen ihrer Schützlinge: Seit 30 Jahren arbeitet sie im Kindergarten Hacklberg.
Im Sandkasten gibt es gerade einen kleinen Kampf um den Platz. Die blonde Leonie und der Lockenkopf Augustin sind am Buddeln, doch auch Larissa will mitmachen. Sie ist gerade Fahrrad gefahren, hat den Helm noch auf, so dringend wollte sie jetzt im Sand spielen. Doris Stöhrer schaut zu, wie die Kinder sich kurz den Platz streitig machen, dann aber jeder sich seine Ecke sucht und schließlich sogar gemeinsam gegraben wird. "Die regeln sich mehr selber als man denkt", sagt sie.
Als Temperaturbarometer bezeichnet die Kindergartenleiterin ihre Schützlinge: "Man merkt oft, dass die Stimmung knistert. Dass es brodelt, dass Spannung da ist. Das ist meist kurz bevor das Wetter umschlägt."
Eine Glocke erklingt. Essen. Der Mittagstisch ist vorbereitet. Kinder klettern von Schaukeln, parken ihre Dreiräder, legen Besen und Schaufeln beiseite und gehen ins Gebäude. Oder aber sie bleiben draußen: Das sind die, die abgeholt werden. Ein paar Autos biegen in die Straße zum Kindergarten, Eltern steigen aus, grüßen die Erzieherinnen und ratschen, während das Kind sich von den Freunden verabschiedet. Mütter und Väter können sich frei einteilen, wann ihr Kind abgeholt wird, sagt Doris Stöhrer: "Die eigentliche Abholphase beginnt um dreiviertel Eins, um 16 Uhr werden die letzten geholt. das sind aber immer noch um die 20 Kinder."
Während zwei Buben die Kindergartenleiterin und die Begleitung umkreisen und lautstark fordern, jetzt doch auch mal für die Presse fotografieret zu werden, ist es Zeit, sich zu verabschieden. Die Stunde ist um. Schon. Doris Stöhrer hat die reine Wahrheit gesagt am Anfang: "Sie werden sehen, eine Stunde ist hier ruch, zuck um."
Hier gibt's weitere Fotos unserer Stunde im Kindergarten St. Konrad:
Fotos: Wax
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