25.10.2011 Fliegende Wurstsemmeln und barbusige Studentinnen23 bis 24 Uhr: Auf ein Bier an der Zentraltankstelle 19.10.2011 Die Hinfahrt ist Hochdeutsch, die Rückfahrt ist Bairisch22 bis 23 Uhr: Eine Stunde im Passauer Stadtbus, Linie 1 Weitere Beiträge auf der Themenseite Die meist geklickten BeiträgeAktuelle KommentareAm 29.02. 19:46 Uhr von Markus Ihle bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 19:31 Uhr von Jürgen Hellwing bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 11:26 Uhr von Marcel Köth bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 29.02. 10:55 Uhr von Marco Madness bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 28.02. 12:54 Uhr von Karina Mischkowski bei Baukunst aus Raum und Licht Am 26.02. 13:33 Uhr von Karina Mischkowski bei Den Winter nochmal einfangen | 16 bis 17 Uhr: Am Käsestand Seibold auf der HerbstdultNachbarschaft mit Aussicht33 Jahre. So lange stehen Elfriede und Erich Seibold schon auf der Dult. Verkaufen Kas, pflegen Bekanntschaften und genießen die Aussicht. Eine Stunde wird hier nicht langweilig. Wir wählen die von 16 bis 17 Uhr. Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "24 Stunden Passau" findest Du auf unserer Themenseite. Wenn Dult ist, sagt Erich Seibold, dann ist das wie ein kleines Dorf. Ein Dorf mit gut funktionierender Nachbarschaft. Mit Zusammenhalt. Dass der eine Nachbar rechterhand den ganzen Tag Schlagermusik aufspielt, wird milde lächelnd hingenommen. Dass der gegenüber mit Servietten aushilft, wenn die eigenen ausgehen, ist selbstverständlich. Und dass man sich bei allem Stress mehrmals am Tag zu einem Ratsch trifft, das ist unverzichtbar. Herbstdultalltag. Wenn einer den Anfang macht . . . Und während der Kunde wartet, passiert etwas, das sich in dieser Stunde mehrmals wiederholen wird: Ein weiterer Mann stellt sich hinten an, dann ein junges Paar. Minutenlang war kein Kunde da, jetzt hat einer den Anfang gemacht - und schon folgen die nächsten. "Wo schon jemand ansteht, da gehen die Leute lieber hin", sagt Erich Seibold. Nachdem der Letzte in der Reihe dran ist, ein älterer Herr, der nur Kas kauft, keine Brezn, verstreichen wieder Minuten ohne Andrang. Nur ein junges Mädchen geht einmal auf den Stand zu, wirft aber nur ein Kaugummipapier in den Mülleimer am Tresen. Erich und Elfriede Seibold schauen derweil einem Mann nach, der unablässlich an seinem Lederhosenlatz herumzupft. Er hat seine kleine Tochter dabei, sie ist vielleicht drei, vier Jahre alt - und trägt Sandalen mit Absätzen. Die Seibolds schütteln schmunzelnd die Köpfe. ![]() Der Platz hier an der Bierbank im Freien, sagt Erich Seibold, der sei ihm 1.000 Mal lieber als ein Platz im Zelt oder Dultstadl. "Hier hat man doch seine Ruhe. Und verpasst trotzdem nichts." Die Lust an der Dult haben er und seine Frau in den 33 Jahren nie verloren. "Wir freuen uns jedesmal wieder, wenn es losgeht", sagt Elfriede Seibold. Hier oben in Kohlbruck, erzählt ihr Mann weiter, laufe auch das Geschäft besser als damals, als die Dult noch mitten in der Stadt war. "Klar war es dort kleiner, zentraler, familiärer. Aber mit Kinderwagen oder Rollstuhl kam man kaum durch. Hier ist Platz." Weißwürste für die Dult-Urgesteine Doch manches vermisse er schon, sagt Erich Seibold. "Viele der Standler von früher haben aufgehört, als die Dult umgezogen ist. Viele Originale sind auch schon gestorben." Die Dult-Urgesteine haben sich früher bei ihm versammelt, einmal pro Dult organisierte er ein Weißwurstessen für alle. Früher. Dann fängt Erich Seibold an zu erzählen, wie er das Kas-Schneiden überhaupt gelernt hat. Sein Freund und er - die beiden hatten aus einer Bierlaune heraus beschlossen, einen Kas-Stand auf dem Passauer Volksfest zu betreiben - hatten noch niemals in ihrem Leben an einem großen Laib Käse herumgeschnitten. Bis der erste Kunde an den Tisch kam. Erich Seibold wird kurz beim Erzählen unterbrochen, weil Besuch an den Stand kommt: Junge Eltern mit ihren Kindern, das größere Mädchen trägt ein rosa T-Shirt mit der Aufschrift "Papas Mädel". Man ratscht kurz über die Tochter der Seibolds, über die Enkelkinder. Dann wünscht man sich einen schönen Tag und die Familie zieht von dannen. Jedenfalls konnte keiner das Kas-Schneiden, fährt er fort, und bei den ersten Kunden "frettete man sich so durch", erklärt der 61-Jährige. Dann nahm sich Helmut Legelli seiner an: Legelli, eine Institution in Sachen Dultkäse in Passau. "Der blieb so lange mei mir im Stand, bis ich das Schneiden konnte. Derweil war ich ja eigentlich ein neuer Konkurrent." "I kauf glei bei dir ein, gell!" Es ist 17 Uhr, die Stunde im Flug vergangen. Und zum Abschluss wiederholt sich das Kundenspiel: Eine Frau kommt an die Theke, ordert 200 Gramm Kas und zwei Brezen. Sobald sie dasteht, kommen andere Passanten und stellen sich an. Erich Seibold hilft seiner Frau beim Bedienen. Während er frisch aufgebackene Brezen aus dem eigenen Ofen holt, erblickt er einen Bekannten, der vorbeigeht. "Grias di", ruft er und hebt den Arm zum Gruß. "Servus", ruft der Mann zurück und lacht. "I drah a Rundn und dann kauf i bei dir ein, gell!" "Ja ja", macht Erich Seibold und arbeitet grinsend weiter. Stammkundschaft schön und gut, hatte er vorhin erzählt. Doch dürfe jeder seinen Kas kaufen, wo er will. "Da schauen sie mich oft erschrocken an, die Bekannten, wenn ich sie mit Kas von einem anderen Stand vorbeilaufen erwische", hatte er gesagt und laut aufgelacht. "Als wär's ein Verbrechen, wenn er sich seinen Kas mal nicht bei mir kauft." ![]() Fotos: Wax
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