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19 bis 20 Uhr: Hinter den Kulissen im CineplexDie andere Seite der LeinwandUm 19 Uhr ist es ruhig im Cineplex. Die Mitarbeiter an der Kasse warten im fast leeren Foyer auf Besucher. Hinter den Kulissen aber, da tut sich einiges. | |  |
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "24 Stunden Passau" findest Du auf unserer Themenseite. Zum Beispiel im Vorführraum, ein Rundgang, der sich über das ganze Cineplex erstreckt. Geschäftsführer Wolfgang Schwenk führt uns durch den dunklen Raum. Die Projektoren rattern und surren. An den Wändern hängen Filmplakate. Es ist heiß da drin. Und menschenleer. Oder? Nicht ganz. Denn im Hinterzimmer sind die Männer, die dafür sorgen, dass die Filme auf der Leinwand reibungslos laufen. Sie gehören zum Herzen des Kinos, obwohl man sie nie zu Gesicht bekommt. Andi Groß und Gregor Albach haben gerade Schicht. Es ist Mittwoch und es gibt viel zu tun: Denn heute wurden nicht nur die neuen Filme, die am Donnerstag anlaufen, geliefert, sondern auch die neuen Werbungen und Vorspänne.
Filmvorführer: Bis in die 60er Jahre nur mit Führungszeugnis
Auch Trailer und Werbung werden jeden Mittwoch neu geliefert. Hier stapeln sich große, runde Filmdosen und kleine eckige. In den Kleinen sind die Trailer, in den Großen sind die Kinofilme. Oder eher: Teile vom Kinofilmen. Die werden nämlich in mehreren Rollen geliefert, die dann erst im Kino zusammengeklebt werden. Ist der Film abgelaufen, werden die einzelnen Teile wieder separiert und an den Verleih zurückgeschickt. Aus etwa fünf solchen Rollen besteht ein Film, je nach Länge. Der Herr der Ringe, erzählt Andi Groß, wurde in zwölf Rollen geliefert. Die zerstückelten Filme sind ein Relikt aus der Zeit, als noch Nitrofilm verwendet wurde. Erst in den 60er Jahren verschwand dieses hochentzündliche Material. Aus Sicherheitsgründen durften auf einer Rolle nicht mehr als 600 Meter Film sein, der wiederum wurde in feuerfeste Dosen eingelegt. Als Filmvorführer brauchte man damals noch ein polizeiliches Führungszeugnis.
 Filmvorführer Andi Groß mit einer Filmdose. Aus bis zu zwölf Rollen besteht ein Kinofilm.
Heute ist das anders. Groß und Albach müssen in den Regel nur die Werbungen und Vorspänne manuell einlegen. Den Hauptfilm steuert die Automatik am Projektor. „Jede Automatik ist gut, solange sie funktioniert“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Schwenk mit einem Augenzwinkern. Deshalb müssen die Maschinen ständig kontrolliert und überwacht werden – auch wenn sie eigentlich von selbst laufen.
Eine süße Großküche - aber bitte an den Holzlöffel denken!
Mitarbeiterin Birgit Osterwald holt frisches Popcorn aus dem Lager. Jetzt, um 19.15 Uhr, können sich die beiden noch dem Filmlager widmen. Erst in einer halben Stunde geht es rund im dunklen Rundgang: Dann starten die Abendvorführungen und es müssen Schlag auf Schlag Filme eingelegt werden. In der Zwischenzeit schauen wir uns ein bisschen weiter um.
Ein Stockwerk weiter unten öffnet Wolfgang Schwenk eine Tür, die in einen langen Gang führt. Von hier zweigen das Materiallager ab, der Serverraum – und die Popcornküche aus der es bereits köstlich nach Butter und Zucker durftet, obwohl sie um diese Zeit gar nicht mehr in Betrieb ist. Im Vorraum stapeln sich Säcke mit Popcorn – rote mit süßem, weiße mit salzigem. Außerdem: Die Säcke mit den rohen Maiskörnern. Bis zu 100 Kilogramm Maiskörner werden im Cineplex täglich zu frischem Popcorn verarbeitet. An der Tür hängt ein gelber Klebezettel: „Bitte an den Holzlöffel denken! Danke, Gruß“. Gerade kommt Kinomitarbeiterin Birgit Osterwald herein und greift sich einen der großen roten Säcke. Wenn um 20 Uhr die abendlichen Gäste kommen, muss die Theke gut versorgt sein mit dem typischen Kino-Snack.
Schicht-Schachern für den Dultbesuch
Versorgt sein wollen auch die Damen, die gleich zur „Ladies First“-Vorstellung kommen. Ulli Pallor hat vorm Saal 8 bereits mit dem Aufbau begonnen. Auf einem Tisch mit weißer Decke sind in ordentlichen Reihen die Gläser für den Sektempfang aufgestellt, jetzt trägt Ulli Kartons mit Prosecco herbei und arrangiert die Flaschen auf der anderen Hälfte des Tisches.
 "Mr. Ladies First" Ulli Pallor bereitet den Sektempfang vor.
Teambesprechung: Fabian (links) will zur Dult. Tauscht Lisa mit ihm Schicht? Teamleiter Heinz Seemann ist bereit zu verhandeln. Ein paar Meter weiter, an der Bar, diskutieren drei Menschen in roten Cineplex-Shirts. Fabian Hölzlberger, Lisa Matschiner und Teamleiter Heinz Seemann besprechen die Aufgabenverteilung für den Abend. Problem: Fabian will noch auf die Dult. Wenn er seine halbe Schicht abtreten könnte an die Kollegin und dafür ein anderer ins Metropolis geht und später nochmal herumrotiert wird, dann hätte er rechtzeitig Dienstschluss. Noch sind aber nicht alle da, die mit diesem Plan einverstanden sein müssten.
Teamleiter Heinz schickt ihn erstmal zur Kontrolle der Säle. „Schau mal, wo's dann am meisten zum Aufräumen gibt“, sagt er und erklärt dann den Ablauf. Sobald die Besucher den Kinosaal verlassen haben, muss geputzt werden. „Wenn sie den Abspann über noch sitzenblieben, weil danach noch eine Szene kommt, dann wird es schon mal knapp. Manchmal haben wir dann nur zwei, drei Minuten zum aufräumen. Dann muss alles gut organisiert sein.“
In allen acht Sälen laufen gleichzeitig Filme, höchstens um 15 Minuten ist der Start versetzt. Aus seiner Tasche zieht Heinz eine Liste. Rund 40 Vorstellungen gibt es täglich im Cineplex, auf einem Plan sind alle Spielzeiten aufgeführt.
"Es wird mehr weggeworfen als konsumiert"
In diesem Moment öffnet sich die Tür vom Saal 8, die Besucher strömen heraus und hinter ihnen sofort eine Gestalt im roten T-Shirt hinein. In diesem Saal geht es gleich mit dem „Ladies First“-Film Männerherzen weiter, es muss schnell sauber gemacht werden. „Jetzt kommt wieder eine stressige Phase. Das wechselt sich bei uns immer ab. Wenn alle Filme laufen, dann haben wir erst mal wieder ein bisschen Ruhe.“
Nach ein paar Minuten kommt Fabian wieder zurück. „Schon wieder so viel stehen geblieben“, sagt er zu seinem Teamleiter. Es ist ein Kreuz, erklären die Kinoleute: Es bleibt immer mehr stehen als konsumiert wird. „Die Leute kaufen 1,5 Liter Cola, trinken zwei Schlucke und der Rest bleibt stehen. Genauso ist es mit dem Popcorn. Dabei könnte man die Sache ja auch mitnehmen und später esssen.“ „Ja, das ist wirklich schad' drum“, sagt Heinz und seufzt, „wir müssen die Sachen ja dann wegwerfen.“ Fabian wendet sich mit einem Zucker-Lächeln an Heinz: „Du, wegen dem Schicht-Ttauschen. Also mir wär' da noch was eingefallen...“ Es fallen viele Namen und Zeiten, dann sagt Heinz: „Ja, mei. Mir is des egal, Hauptsache es funktioniert am Schluss.“
Der Chef geht lieber zur Konkurrenz: "Da geht es mich nichts an."
Gregor Albach kontolliert den Spielplan...
...nimmt die Filmrolle auf...
...und fädelt sie in den Projektor ein...
...den Rest macht die Automatik. Immer mehr Türen öffnen sich, die Besucher strömen aus den Kinosälen. Für das Team beginnt jetzt wieder die Arbeit. Auch für Gregor im Vorführraum. Der ist gerade auch mit Saal 8 beschäftigt. Denn heute gibt es ein Männerherzen-Doublefeature. Normalerweise legt er nur die Werbung und die Trailer ein, dann den Hauptfilm, den der Platzanweiser auf Knopfdruck vom Saal aus starten kann, sobald alle sitzen. In diesem Fall aber muss Gregor den Projektor manuell bedienen. Denn der zweite Film soll ohne Werbung direkt im Anschluss laufen. Er legt die Rolle auf die großen Platten neben dem Projektor, zieht den Filmstreifen hinüber und spult ihn ein. Ein paar Knopfdrucke an der Automatik, dann geht es weiter zum nächsten Saal. Hier wird ein 3D-Film gezeigt, da ist es wesentlich einfacher, denn die werden digital abgespielt. Die Benutzeroberfläche des dazugehörigen Computers funktioniert ähnlich wie die eines DVD-Players. Gregor erstellt eine Playlist mit den Vorspännen, dann kommt der Hauptfilm. Und weiter zum nächsten Projektor. So dreht er seinen Runde durch den Raum. Es ist gleich 20 Uhr.
Es wird Zeit zu gehen. Abschied von Wolfgang Schwenk. Geht er eigentlich selber gern ins Kino? „Ich muss gestehen: Nicht so oft“, sagt Schwenk. Das hat auch einen einfachen Grund: „Ich habe da keine Ruhe, will ständig eingreifen und helfen. Wenn ich privat mal ins Kino gehe, dann eher nach Bad Füssing oder Deggendorf. Weil dort geht es mich nichts an.“
Fotos: Lugbauer
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