Deine kostenlose Zeitung für Passau!

Weitere Beiträge auf der Themenseite


Die meist geklickten Beiträge


Aktuelle Kommentare



Stadt lehnt von Rosmus geforderte Büste zum Gedenken ab

Wirren um ein Denkmal

Die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Die Schrecken, das Leiden. Die Erlösung. Die Stadt will sie würdigen. Jedoch auf andere Weise, wie Autorin Anna Rosmus vorgeschlagen hatte.

veröffentlicht von Susanne Wax am 03.02.2012 11:28 Uhr im Ressort Land & Leute

Es sind die Wirren dieser Zeit, die eine konkrete Rekonstruktion der Abläufe und Entscheidungen so schwer machen. Und darum kann der Stadtrat nicht Ja sagen zur Idee von Anna Rosmus, der Frau, die einst Morddrohungen dafür bekommen hat, dass sie in einem Aufsatz über das Dritte Reich bekannte Passauer Persönlichkeiten als aktive Nationalsozialisten enttarnt hat. Seit 1994 lebt Rosmus in den USA, kommt regelmäßig mit Angehörigen von Kriegsveteranen in ihre Heimatstadt. Für den Vater von einem von ihnen, Stanley Eric Reinhart, wollte sie eine Büste an der Innpromenade aufstellen lassen, finanziert von selbst zusammengetragenen Spenden. Ihm, so sagt Rosmus, habe Passau zu verdanken, in den letzten Kriegstagen nicht untergegangen zu sein.

Das Foto zeigt sie mit dem Sohn, Stanley Eric Reinhart jun., beim Passau-Besuch im Mai 2011:



Der Kulturausschuss hat ihren Antrag, Reinhart ein Denkmal zu setzen, gestern abgelehnt. Nicht aus Ignoranz davor, was Passau ihm vielleicht zu verdanken hat. Sondern aus Mangel an historischen Belegen dafür. Glaubt man Rosmus' Recherchen, so hat der Generalmajor der US-Armee Passau während der amerikanischen Besetzung vor der Zerstörung beschützt. Trotz eindeutiger Anweisung zum Angriff in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs soll er den Deutschen mehrmals ein Ultimatum gesetzt haben. Jedes Mal wieder hat er es verlängert, sagt Rosmus. Bis der Krieg schließlich vorbei war. Warum? Er hatte, so sagt Anna Rosmus, ein Arsenal mit 2.000 Giftgaswaffen in Passau entdeckt. Hätte nur ein Schuss dieses getroffen, wäre Passaus Bevölkerung ausgelöscht worden. Erstickt. Reinhart soll eindeutig gegen Dienstvorschriften verstoßen haben. Der Auftrag habe gelautet: Ein Ultimatum setzen. Dann bombadieren. Von Passaus Altstadt, so sagte Anna Rosmus gestern im Ausschuss, wäre nichts mehr übrig, wenn Reinhart dem Folge geleistet hätte.

"Alles andere als Wischiwaschi"


Die Stadt hat nach dem Antrag der gebürtigen Passauerin selbst Recherchen angestellt. Und nichts gefunden, was Reinharts Verdienst eindeutig belegen würde. "Wischiwaschi", hat Anna Rosmus in einem Bericht der "Passauer Neuen Presse", diese Recherchen genannt. "Sehr akribisch und alles andere als Wischiwaschi", entgegnete Kulturreferent Dr. Max Brunner gestern im Ausschuss. Er nannte als eine der Quellen die Veröffentlichung "Die Front erreichte im Zweiten Welkrieg auch Passau" von Heinz Kellermann aus dem Jahr 2009. Darin finde sich nichts von Rosmus' Informationen. Nachgeforscht hat die Stadt außerdem beim Militärgeschichtlichen Museum in Dresden, beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, bei weiteren Stellen in den USA. Jedes Mal: Nichts. "Nirgends findet sich ein Beleg dafür", sagte Brunner. Obwohl man durchaus an das kluge, rücksichtsvolle Handeln Reinharts glaube, fuhr er fort, so könne man diesem Mann unter diesen Umständen kein Denkmal in der Stadt setzen: "Das wäre keine saubere historische Aufarbeitung des Themas. Da steht dann dieses Denkmal und der Grund, warum es da steht, ist nicht eindeutig belegbar." Stanley Eric Reinhart selbst wäre wohl "der letzte gewesen, der eine Büste von sich unter diesen Umständen gewollt hätte", sagte der Kulturreferent.

"Jedes Telefonat, jede Bombe, jeder Schuss"


Rosmus selbst hat das Rederecht bekommen gestern im Ausschuss. Und es vor allem dazu genutzt, das Ausmaß ihrer Recherchen darzustellen: "Ich habe ganze Aktenschränke durchgelesen", sagte sie. Es gebe "tausende Dokumente, die das Kriegsende genau belegen. Jedes einzelne Telefonat, jede Bombe, jeder Schuss, auf die Minute genau". Darunter seien auch Reinharts Handlungen zu finden. Sie arbeite seit 25 Jahren an den Militärakten dieser Zeit. "Eine solche Vorgehensweise wie die von Reinhart gab es in ganz Bayern und Österreich nicht." Ob nun eine Büste aufgestellt werde oder nicht, "ob Sie ihn nun ehren oder nicht, das ist Ihre Sache. Aber wissen sollen Sie, wie es gelaufen ist."

Ohne weitere Diskussion stimmte das Gremium geschlossen gegen Rosmus' Antrag, die Büste aufzustellen. Passau geht einen anderen Weg, um das Kriegsende aufzuarbeiten. Welchen, das soll die Verwaltung erarbeiten, was im Gegenzug einstimmig befürwortet wurde. "Man sollte sich Gedanken machen, wie man die letzten Kregstage grundsätzlich würdigt", fasste Max Brunner den Auftrag zusammen.

Foto: Archiv Wax

Wir sorgen dafür, dass du bestens informiert bist. Alle unsere Beiträge aus den Passauer Stadtratsitzungen findest du übersichtlich geordnet auf unserer Themenseite.

2.055.263
Bericht wurde veröffentlicht von
Für Kritik, Lob oder Verbesserungsvorschläge nutze unser Feedbackformular. Gerne auch 100% anonym.
Veröffentlicht in folgenden Zeitungen:
Passauer Gschichten
Schlagwörter & Themen:
Innpromenade , Spende , Dr. Max Brunner , Kulturausschuss , Inn, Passau, Stadt

Aktuelle Meldungen

Buschwindröschen-Pracht im Freudenhainpark

Im verwunschenen Park

Die "Anemone nemorosa", ein Hahnenfuchsgewächs, bedeckt jedes Jahr im Frühling den Schlosspark rund um Freudenhain wie ein Teppich. Und gibt ihm einen verwunschenen Anstrich. zum Artikel

Mädchen (3) noch in Lebensgefahr

20-Jähriger und Freundin (15) sterben bei Unfall

Zwei Menschen sind gestern, Ostermontag, nach einem schweren Unfall auf dem Autobahnzubringer zwischen Aicha und Hutthurm gestorben. Ein dreijähriges Mädchen schwebt noch in Lebensgefahr. zum Artikel

Weitere Meldungen im Tagesticker

Deine Meinung