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Erst am Montag hat die SPD zu einer Podumsdikussion eingeladen, einen Tag später fand die erste von drei Diskussionsveranstaltungen der JU statt. Wenig Neues war zu erwarten, auch einige Gesichter von Vortag wiederzuerkennen. Die Schwerpunkte der Diskussion waren allerdings anders gestreut. Raucher vor den Türen spielen eine untergeordnete Rolle für die Bewohner zwischen Heuwinkel und Ludwigsplatz. Mehr stören sie sich an exzessiven Privatpartys und Lärm durch laute Musik aus den Lokalen.
"Beim Red'n kemman d'Leid zam", war das Motto der JU. Zur offenen Diskussionsrunde waren deshalb im Vorfeld 450 Einladungen an Anwohner verteilt worden. Rund 50 Gäste waren in den Bayerischen Löwen gekommen. Darunter Fritz Mayer vom Hotel- und Gaststättenverband und Christiane Kickum vom City Marketing, mehrere Gastronomen und auch eine Handvoll jüngerer Passauer. "Das größte Übel", eine Sperrzeitverlängerung wolle man abwenden, sagte Moderator Franz Küblbeck zu Beginn.
Sperrstunde: Vorverlegen oder lieber ganz abschaffen?
Eine Anwohnerin aus der Klingergasse, die sich bereits am Vortag bei der SPD zu Wort gemeldet hatte, sah als einzige Lösung eine Sperrzeitverlängerung. Dann würden die Leute einfach früher weggehen. Ihr Nachbar, Go-Betreiber Björn Andresen, glaubt das nicht. "Die Leute gehen um Elf in die Kneipe und um Eins in die Disko. Wenn die um eins zusperrt, kommen die Gäste eben gar nicht mehr, sondern feiern privat." Er hat drei Securites, die vor der Tür für Ordnung sorgen. Aber nur dort, "denn sie dürfen nur unmittelbar vorm Lokal eingreifen", erklärte er.
Besser als eine Vorverlegung der Sperrstunde fände Andresen die Abschaffung. Das, so meinte er, würde entzerren. "Wenn nicht alle Leute gleichzeitig raus müssen, gibt es weniger Lärmspitzen. Und auch weniger Schlägereien." In Düsseldorf habe sich dieses Modell bewährt.
Ein Verfechter der Sperrzeit bis zum Ende der knapp zweistündigen Diskussion war Altstadtrat Anton Jahrstorfer. Er selbst sei in unmittelbarer Nähe von vier Gaststätten aufgewachsen. "Aber um Mitternacht war Sperrstunde und um Eins Ruhe." Es gebe Spielregeln in der Gesellschaft, mahnte Jahrstorfer, "und eine Regel ist: Nachts schläft man!".
JU-Vorsitzender Armin Dickl warnte vor einer Pauschal-Verurteilung aller Nachtschwärmer. "Die Verursacher von Lärm und Vandalismus müssen erwischt und konsequent zur Verantwortung gezogen werden", sagte er.
Mehr Polizeipräsenz gefordert
Auch die Schuldfrage spielte eine Rolle. Wer verursacht den Lärm? Letztendlich gingen fast alle Anwohner mit dem Statement von Stadtrat Stephan Bauer (Grüne) konform: "Es sind nicht die Studenten, die Landkreisbewohner oder die Österreicher - es geht um Einzelne, die nicht wissen, wie sie sich aufführen müssen. Und in diesen Einzelfällen muss eingegriffen werden. Besser noch: verhindern, dass es überhaupt zu solchen Ausfällen kommen kann."
Das geht, in dieser Richtung gab es mehrere Wortmeldungen, durch eine erhöhte Präsenz der Polizei. "Mehr Polizei für Passau wird es nicht geben", sagte Anton Jahrstorfer. Das sei schon finanziell nicht möglich. Die Wirte sahen die Beamten eher an den falschen Orten. "Alle zwei Wochen kontrolliert das Ordnungsamt teilweile mit fünf Polizisten mein Lokal auf Raucher und Ruhestörungen. Sinnvoller wäre es, dieses Personal auf der Straße einzusetzen", sagte Andresen.
Großes Problem: Privatpartys
Roland Feucht aus der Theresienstraße sieht das Problem vor allem im ständigen Aus- und Eingehen. "Wir haben alle seit Jahren Schallschutzfenster. Raucher vor der Tür stören da weniger. Aber die Musik, die durch die ständig offenen Eingänge kommt." In Ernst Brenners Cubana hat sich eine Schleuse mit zwei Türen bewährt. Aber das ist baulich nicht in allen Lokalen möglich. Andresen erklärte, dass fast alle Wirte ihre Musikanlage mit einem Limiter ausgestattet haben, der die Maximallautstärke heruntersetzt. Der hilft allerdings nicht bei offenen Türen. Und auch bei den immer wieder als großes Problem bezeichneten Privatpartys gibt es soetwas nicht. Auch hier habe man lange nicht hart genug durchgegriffen, klagten die Anwohner.
Mit Corinna Weiß hatte die JU eine Juristin in ihren Reihen. Bei Problemen mit Privatpartys hätten die Vermieter Möglichkeiten, durchzugreifen, sagte sie. Nach mehreren Abmahnungen sei auch ein Rauswurf möglich. Das geht allerdings nur, wenn der Vermieter auch durchgreift, was nach Aussagen einiger Bewohner, teilweise nicht der Fall ist.
"Im Guten kommt man viel weiter"
Ein Beispiel für ein vorbildliches Verhältnis ist Marianne Krompaß, die ein Anwesen in der Theresienstraße und zwei in der Spitalhofstraße an Studenten vermietet. "Man muss offen miteinander reden. Im Guten. Da kommt man viel weiter." Sie veranstaltet selbst zwei Mal jährlich eine Party mit den Mietern, im Sommer gibt es ein Grillfest, im Winter eine Weihnachtsfeier. "Ich vermiete seit Bestehen der Uni an Studenten und ich habe nur gute Erfahrungen gemacht", sagt sie.
Ein Patentrezept konnte auch am Ende dieser Veranstaltung nicht gefunden werden. Aber ein erster Ansatz. Mehr Kontrollen, härteres Durchgreifen in Einzelfällen. Und: Wege suchen, im Guten miteinander zu reden.