04.04.2012 Schaufenster als Barock-SchaubühneBistum zeigt Ausstellung "Handwerk und Handel um 1662" 19.03.2012 Barock speisen und Bachs Klaviermusik lauschenJahr des Barock in Passau: Die Veranstaltungen der Woche Weitere Beiträge auf der Themenseite Die meist geklickten BeiträgeAktuelle KommentareAm 29.02. 19:46 Uhr von Markus Ihle bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 19:31 Uhr von Jürgen Hellwing bei Und immer wieder der Weg zum Oberhaus Am 29.02. 11:26 Uhr von Marcel Köth bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 29.02. 10:55 Uhr von Marco Madness bei Waldkirchen: 90-Jähriger richtet Pistole gegen sich selbst Am 28.02. 12:54 Uhr von Karina Mischkowski bei Baukunst aus Raum und Licht Am 26.02. 13:33 Uhr von Karina Mischkowski bei Den Winter nochmal einfangen | Bei der Rokoko-Fechtschule geht es um Sport und LebensartDas Schachspiel mit der WaffeDie unbewegte Haltung, starr aber anmutig. Die Augen ausdrucksvoll, mit geradem Blick, pfeilgerade sogar, nicht mal ein Blinzeln. Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "350 Jahre Barockstadt Passau" findest Du auf unserer Themenseite. So wie Siegfried Raczka posiert, so wünscht es sich wohl jeder Fotograf von seinem Modell vor der Linse. Raczka ist es gewohnt, den Körper auf Pose zu halten. Körperbeherrschung, darauf kommt es an bei seiner Leidenschaft. Dem Fechten. Seit 40 Jahren lehrt der 64-Jährige es. Die Sparte Fechten des TV Passau, die „Rokoko-Fechtschule“, sie rückt im Barockjahr in Passau in einen besonderen Fokus. Theaterblut und Schmerzensschreie Zwölf Mitglieder hat die szenische Fechtgruppe momentan. Aufgeführt werden echte Duelle, wie sie vor Jahrhunderten ausgetragen wurden, mit kunstvoll geformten Waffen und mit Theaterblut unter den maßgeschneiderten Kostümen. Wie eine Choreographie läuft ein Schaukampf ab, jede noch so kleine Bewegung ist genau einstudiert – nur darf der Zuschauer das nicht merken. Schmerzensschreie, wenn man „getroffen“ wurde, das theatralische Niedergehen des Unterlegenen am Schluss des Duells – das gehört alles dazu. Aufgetreten wird bei Festen und Feiern auf Burgen und Schlössern, bei Marktrichtertagen und Damenmodenschauen, bei Burschenschaften und Schulfesten – und heuer im Jahr des Barock in Passau (siehe Kasten unten). Die Rokoko-Fechter haben uns Fotos von Auftritten zur Verfügung gestellt: Weil die Stile des Fechtens so vielfältig sind wie die Gestaltung der Waffen, haben die Passauer Fechter sich die Epoche des Rokoko ausgesucht. Die Männer tragen Perücken und Hüte, weiße Blusen, Westen und Kniehosen, Rockschöße und Lederschuhe. Die Damen haben prächtige Gewänder in Rot und Mitternachtsblau, ellbogenlang und mit flügelförmigen Aufschlägen. „Unsere Schneiderin näht sie mit etwas mehr Spielraum in den Armen, damit die Frauen sich damit beim Fechten auch bewegen können“, erklärt Siegfried Raczka. Viel kann er erzählen von der Bedeutung des Fechtens früher, zu Zeiten des Adels und der Duelle. Vom Beleidigten, der den Beleidiger über seinen Sekundanten herausforderte. Vom ersten Tropfen Blut, der ein Duell beendete. Von der Zeit, ab der der Degen nur noch als eine Art Statussymbol getragen wurden, „wie eine Rolex“, sagt der 64-Jährige. Und vom Strafgesetzbuch, in dem der Duellparagraph erst im Jahr 1969 offiziell gestrichen wurde. Meister der Theorie und der Praxis ![]() Die Präzision, die er in die Anfertigung der Waffen legt, zeichnet die ganze Sportart des Fechtens aus, sagt er. „Fechten ist eine präzise Angelegenheit. Es ist wie ein Schachspiel mit der Waffe. Man muss immer denken: Was mache ich als nächstes? Und was könnte der andere dann als nächstes machen? Und was mache ich dann wiederum als nächstes? Die Taktik ist wichtig.“ Beim Schaufechten komme der Nervenkitzel dazu, weil man sich ohne Schutz vor eine Waffe stellt. Deshalb brauche es enormes Vertrauen zum Partner, mit dem man das Duell vorführt. „Man tritt nur mit dem auf, mit dem man vorher geübt hat“, sagt Siegfried Raczka. Man trainiert die Signale bis zum Gehtnichtmehr. Den Arm an die linke Schulter gezogen heißt: Dahin geht mein nächster Hieb. So kann das Gegenüber zurückweichen. Beim Stoß gibt es die fixe Regel: Immer fünf Zentimeter neben den Körper stoßen. „Fechten ist die einzige Sportart, bei der man einen anderen Menschen mit einer Waffe bewusst angreift und ihn auch treffen will“, sagt Siegfried Raczka. Beim Sportfechten, auch elektrisches Fechten genannt, stehen sie im Mittelpunkt, die Treffer. Es geht um Schnelligkeit, Action, um Angriff, um das Klirren der Degen wie im Film. „Ohne zwei Mal Trainieren in der Woche gibt es keine Erfolge“, sagt Siegfried Raczka. Beim Schaufechten hingegen reicht auch das nicht. Da muss man sich einlassen auf die Welt der Duelle, man muss sich Literatur, Lebensart und Gesellschaft dieser Zeit zu Gemüte führen. Man muss es leben. Die Rokoko-Fechtschule im Internet mit Videos von Schaukämpfen: hier klicken. Termine im Barockjahr: Und in Eigenregie steht der nächste Termin nächste Woche an: Am Dienstag, 17. Januar, gibt es ein Seminar im Turm zur Entwicklung der Fechtkunst und der Fechtwaffen, zu Blankwaffenkunde, historischem Fechten, klassischem Fechten, Sportfechten, akademischem Fechten und Duellen. Das Seminar ist für Interessierte offen und kostenlos. Beginn ist um 19.30 Uhr, Getränke werden gegen Selbstkostenpreis abgegeben. Fotos: Wax / Sparte Fechten des TV Passau
Aktuelle Meldungen "Rad Total im Donautal" am kommenden Sonntag, 15. April |
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