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Studenten stellen Projekte Givebox und Mädelsflohmarkt vor

„Ein neues Image für die Second Hand Kultur“

"Givebox" und "Second Hand for Girls“: Zwei Projekte von Passauer Studenten. In einem Gespräch mit lokalnews.de erkären sie, wie die zwei Ideen zusammenpassen.

veröffentlicht von Andrea Bogensperger am 23.01.2012 17:25 Uhr im Ressort Land & Leute

Angefangen hat alles mit einer Fahrt nach Berlin vergangenen Herbst. Carlos García und sein Freund Moritz Doll sind unterwegs zu einem Entrepreneurship-Wochenende in die Hauptstadt. Inspiriert vom dort referierenden Professor entwickeln die beide eine erste Idee für ein gemeinsames Projekt. Ein sozialer Beitrag soll es sein, ohne eigenen finanziellen Vorteil. Ihre Idee: Prominente sollen ihre Kleider spenden, die dann zu einen guten Zweck verkauft werden. Sie spielen das Konzept durch, irgendwann schickt Moritz an Carlos einen Link zu einem anderen sozialen Projekt: Es geht um die Givebox in Berlin.


Pauline Weis, Carlos García und Helena Ziehmer (v.l.n.r.) in Paulines WG in Passau. Auch die Wohnungseinrichtung wird dem Prinzip der Nachhaltigkeit gerecht: Das Bild im Hintergrund stammt von einem früheren Mitbewohner aus Brasilien, die Möbel stammen vom Flohmarkt oder aus dem AWO-Laden und wurden von den Studenten liebevoll wieder hergerichtet.

Eine Givebox, so erzählen Carlos, Helena und Pauline in der WG der Mädchen, ist eine Art großer Schrank oder ein überdachtes Häuschen, in dem jeder ungenutzte oder nicht mehr benötigte Dinge ablegen und somit als Geschenk anbieten kann. Die Givebox ist eine Mischung aus Flohmarkt, Second Hand und der altbewährten Kiste im Treppenhaus, aus der sich jeder nehmen kann, was er braucht. Ein solches Projekt gab es zuerst 2011 in Berlin, die Macher hofften auf zahlreiche Nachahmer und so wurde kurz darauf die Idee auch in anderen Städten wie München oder Wien in die Tat umgesetzt. Die Gruppe um Carlos García plant eine solche Givebox nun in der Dreiflüssestadt, ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister zwecks Genehmigung steht noch aus.

"Die Givebox soll allen gehören!"


Carlos nennt ein Beispiel, deutet auf die Stereoanlage im Hintergrund, die er zur WG beigesteuert hat, als er hier selber noch vor einigen Jahren wohnte. „Die Anlage benutzt niemand. Das wäre genau so etwas, was man in der Givebox abstellen könnte. Sie funktioniert noch, vielleicht kann sie jemand anderes brauchen und freut sich darüber“, sagt Carlos. Das Häuschen soll für alle zugänglich sein, Nachbarschaftsgefühle stärken, indem sich jeder für die Box verantwortlich fühlt. Unbedingt müsse Sorge dafür getragen werden, dass die Givebox nicht Opfer von Vandalismus würde, was in anderen Städten schon für Probleme gesorgt hätte. „Die Givebox soll allen gehören“, erklärt Carlos. Auch könne man verschiedenste Personen an dem Projekt beteiligen, keinesfalls solle es rein in Studentenhand bleiben. Die Giveboxen, die es derzeit schon gibt, seien nicht einfach nur Holzhütten, in denen ungenutzte Dinge abgelegt würde. Vielmehr seien sie auch ein Ort der Kreativität. So kann Carlos sich vorstellen, eine Wand der Box von einer Schulklasse gestalten zu lassen. Die höheren Ziele hinter der Givebox: die Förderung von gesellschaftlicher Verantwortung, Engagement und Nachhaltigkeit.

Diese Prinzipien spielen für Carlos und seine Kolleginnen Helena Ziehmer und Pauline Weis, die auch beim Gespräch mit lokalnews dabei sind, eine ganz besondere Rolle. Carlos García kommt ursprünglich aus Venezuela, aus recht bescheidenen Verhältnissen. Schon damals, bevor er 2003 als Gastschüler ans Adalbert-Stifter-Gymnasium nach Passau kam, setzte er sich in seinem Heimatland für seine Mitmenschen ein. Einige Jahre sammelte er etwa Spielzeuge bei wohlhabenden Familien, um sie dann an Weihnachten an Kinderkrankenhäuser und ähnliche Einrichtungen abzugeben. Auch Carlos’ Freundin Helena liegt das soziale Engagement im Blut. Ihre Eltern haben beide soziale Berufe, ihr Vater etwa arbeitet in einem Jugendhaus. Pauline, die ursprünglich aus Luxemburg kommt und seit Oktober in Passau ihren Master in European Studies macht, ist ins Projekt Givebox nicht direkt involviert. Das Herz der Studentin hängt vor allem am zweiten Projekt, das Carlos ins Leben gerufen hat: Second Hand for Girls.

Das angestaubte Second Hand-Image aufpolieren



So oder so ähnlich könnte die Givebox in Passau mal aussehen. Hier ein Bild der Givebox in Siegen. (Foto: Markus Möller)
„Wenn man die Passauer Second Hand-Läden mit solchen in größeren Städten vergleicht, so muss man feststellen, dass es hier bei uns für junge Leute eigentlich gar nichts gibt. Es werden mit den Kleidern, die dort angeboten werden, vorwiegend Ältere angesprochen“, meint Pauline. Zudem habe „Second Hand“ immer so etwas „Altbackenes“ an sich. „Wir möchten der Second Hand-Kultur in Passau ein neues Image verleihen“, sagt Helena, die ursprünglich aus der Nähe von Kaiserslautern kommt und auch des Studiums wegen nach Passau gekommen ist. Im November als Facebookseite gestartet, hat sich Second Hand for Girls schnell verselbstständigt. Fast 700 Fans zählt die Seite mittlerweile, täglich kommen neue hinzu.

Rasch ist die Idee eines reinen Mädchenflohmarktes geboren. Carlos selbst kann sich dafür zunächst so gar nicht begeistern, Flohmärkte kennt er aus Venezuela nicht. Die Mädchen müssen ihn erst davon überzeugen, dass auf solchen Märkten nicht nur „altes, gammliges Zeug“ verkauft wird, sondern dass es vor allem in europäischen Großstädten „richtig coole Flohmärkte“ gibt. Warum also nicht auch in Passau? Als schließlich die Betreiber des Zeughaus auf die Gruppe zukommen, und ihnen dieses als Veranstaltungsort für einen solchen Flohmarkt anbieten, „revolutioniert“ das das Ganze, so Carlos. Der 19. Mai ist schließlich als Termin für den „Ersten Mädels-Nachtflohmarkt in der Geschichte Passaus“ festgelegt worden, wobei die Veranstaltung weit mehr sein soll als ein klassischer Flohmarkt, auf dem Klamotten verkauft werden. Die drei Studenten haben „einige interessante Persönlichkeiten“ mit ins Boot geholt.

Recycelte Kleidung und venezolanischer Schmuck


Helena nennt Marie Colette Ngombe von Maco-Concept, eine Französin kamerunscher Herkunft, die in Paris Modedesign studiert hat. „Sie hat danach immer nur für andere gearbeitet, konnte sich nie selbst verwirklichen. Schließlich ist sie nach Berlin gezogen, dann nach Passau gekommen.“ Ihre Kleider stellt sie aus aussortierten Stücken eines Passauer Bekleidungsgeschäfts her, die Arbeit teilt sie an einige arbeitslos gewordene Näherinnen der Region auf. Die Nachhaltigkeit und das soziale Engagement machen sie zu einer perfekten Partnerin für den Mädelsflohmarkt. Auch eine Landsfrau Carlos’ konnte das Second Hand-Team für seinen Flohmarkt gewinnen: Vicmarian Eberlein stellt Schmuck aus Perlen her, die aus ihrem venezolanischen Heimatdorf kommen, auch das Gold und Silber für ihre Schmuckstücke bezieht sie teilweise aus Venezuela. Mit von der Partie wird auch der Verein "Löwe für Löwe" sein, der Taschen aus Sierra Leone verkauft, die aus afrikanischen Stoffen hergestellt werden.

Nachhaltigen Konsum fördern



Das Titelbild der Facebookseite "Second Hand for Girls", die mittlerweile fast 700 Fans zählt.
Doch wie kann ein Flohmarkt Nachhaltigkeit fördern? Carlos weist auf eine Reportage des NDR hin, in der gezeigt wird, was mit Kleidung passiert, die in der Altkleidersammlung des Roten Kreuz landen: „Die Sachen werden dann oft nach Tansania gebracht, wo sie über mehrere Zwischenhändler verkauft werden. Die dort ansässige Textilindustrie wird dadurch völlig zerstört, die Wege, die unsere ausrangierten Klamotten dann gehen, sind meist völlig undurchsichtig.“ Wolle man wirklich anderen helfen, dann, so Carlos, solle man lieber die Einnahmen vom Flohmarkt an eine transparente Hilfsorganisation spenden. Einige Anfragen für einen Flohmarktstand haben die Veranstalter schon bekommen, kosten soll die Standmiete nicht mehr als fünf Euro, es müssen lediglich die entstehenden Kosten gedeckt werden. Dafür sind die Passauer Studenten auch noch auf der Suche nach Sponsoren, die sie bei ihrem Projekt unterstützen wollen.

Zurück zur Givebox, die scheinen wir im Laufe unseres Gesprächs völlig aus den Augen verloren zu haben. „Zugegeben, das Projekt Givebox ist durch die Dynamik von Second Hand for Girls und dem Flohmarkt etwas in den Hintergrund geraten. Im Moment steht noch kein Ort fest, wo sie mal stehen soll und das Ganze ist bisher auch noch nicht genehmigt“, sagt Carlos. Ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister soll aber demnächst stattfinden, auf dem Flohmarkt im Mai soll eine kleine Givebox dann erstmals präsentiert und ein breiteres Publikum dafür sensibilisiert werden. Insofern gehören sie also doch zusammen, die Ideen von der Givebox und dem Mädelsflohmarkt.

Hier noch einmal alle Links zu den Projekten der Passauer Studenten:

- Givebox Passau
- Second Hand for Girls
- Mädels-Nachtflohmarkt am 19. Mai

Fotos: Andrea Bogensperger, Markus Möller; Graphik: Carlos García


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