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Bissiges Kabarett beim Innstadt-Starkbierspektakel

Die Gondel, der Wunschtraum und der Duppi

Kein Passauer Polit-Promi blieb verschont beim Starkbierspektakel der Innstadt-Brauerei gestern Abend.

veröffentlicht von Susanne Wax am 18.03.2011 07:31 Uhr im Ressort Land & Leute

Unmittelbare Reaktionen gab es nicht zu sehen: Fast alle Genannten hatten ihr Kommen abgesagt, sie trauern um ihren Stadtrats-Kollege Charly Abelein, der gestern verstorben war. An dem Abend in der zum Bierzelt umfunktionierten x-Point-Halle war Abeleins Tod nur kurz Thema: als Brauerei-Chef Friedhelm Feldmeier die Gäste begrüßte. Er denke an die Familie, sagte er, wünsche ihr viel Kraft.

Dann ging es zügigst los mit dem Programm. Vor voller x-Point-Halle, aber vor vielen Lücken an den vorderen Tischen: Die CSU-Fraktion, OB Jürgen Dupper und seine beiden Stellvertreter waren nach Abeleins Tod der Gaudi fern geblieben. So hörten sie nicht, was sich die Kabarettisten und Theaterdarsteller später auf der Bühne über sie ausgedacht hatten. Und sie sahen auch nicht, wie Starkbierkönigin Carmen I. zum Auftakt einer Torte entstieg. Und das mitten in der Fastenzeit.

Sie sahen nicht, wie stellvertretender Landrat Josef Federhofer das Fass auf der Bühne anzapfte, einmal, zweimal, dreimal, viermal zuschlug und das Bier sich in einer Fontäne auf die umstehenden Fotografen ergoss.



Weiß-blaue Deko an der Decke und an den Wänden, das große Brauereilogo, Brezen an den Lampenkränzen: Mit viel Aufwand hatte die Innstadt-Brauerei versucht, die Halle in ein Bierzelt umzuwandeln. Zwar kam Stimmung auf und kamen die Ehren- und zahlenden Gäste auf ihre Kosten, doch mischte der Fabrikhallencharakter in Kohlbruck einen kleinen Beigeschmack ins stets flink servierte Starkbier.


Ein Mann, drei Ministergesichter: Wolfgang Krebs widersprach sich erst als Horst Seehofer ständig selbst . . .
Einmal den Gang entlang schreitet schließlich Wolfgang Krebs als eines seiner Alter Ego, als Ministerpräsident Horst Seehofer. Gestik und Mimik des Kabarettisten auf der Bühne sind gewohnt perfekt, die Stimme ist zum Verwechseln ähnlich. Jedoch vermisst man Neues. Horst Seehofer ändert ständig seine Meinung, ja. Günther Beckstein ist aus Franken und findet es dort besonders schön im Gegensatz zum Rest der Bayern, auch ja. Und Edmund Stoiber hat seinen Rücktritt noch immer nicht so ganz verkraftet, nochmal ja.

Doch wirklich Neues bietet Wolfgang Krebs den Passauern nicht. Es fehlt vor allem der Lokalkolorit, den er nur zum Schluss im Stoiber-Gewand anschneidet: "Die Passauer, sie säen nicht, sie ernten nicht, man versteht sie nicht, aber der himmlische Vater nährt sie trotzdem." Dann ist Krebs/Stoiber weg: "Prost meine Damen und, äh, Dings!"

Aber es kommt noch, das Lokale, das Passauerische, und zwar geballt. Manfred Kempinger hat das Stück "Traumstadt Passau" geschrieben, das die "Passauer Saudirndl" mit dem "Passauer Volkstheater" als "Die Irreparablen" aufführen. Traumstadt Passau: Albträume, Wunschträume. Die Saudirndl singen das Lied von den sieben Versuchen, eine weitere Brücke über Donau und/oder Inn zu spannen, vom "Innstadtbrückenschweiß" zur Melodie von Peter Maffays "Über sieben Brücken musst du gehn".


Duppi, Urbi und Zanki warten auf ihren neuen Spielkameraden . . .
Die (Ex-)Bürgermeister und (Ex-)Stadträte kommen auf die Bühne, auf Knien robbend: Duppi, Urbi, Zanki, Waschi, Franki, Pelli und Didi. Der Zanki möchte gerne heute beim Bürgermeister-Spielen dran sein. Der Duppi beschwert sich über den Franki, der gerade bei einem Spaziergang "bei jedem Zigarettenstumperl eine Predigt g'halten" hat. Der Waschi findet "den Neia ganz ganz toll" und Pelli und Didi freuen sich, dass sie sich in so vielem einig sind: "Hama wieder was gleich!"

Doch das bestimmende Thema der Irreparablen ist das Thema Seilbahn, sind die Gondeln, ist der Georgsberg, sind die Berichte der Medien darüber. Brigitte Repa als Flugbegleiterin würde gerne zehntausende Fahrgäste einweisen, hinweisen auf "den herrlichen spätgotischen Würstlstand", auf das "umgebaute Turnerwirschtl mit Loch drin, das ausschaut wie eine Gondel". Einen "innerstädtischen Dialog" wünscht sie sich - und bekommt ihn in Form von zwei Fahrgästen, der eine mit Innstadt-Biertragerl, der andere mit Hacklberger-Kasten. Konkurrenten, Widersacher. Doch in der Gondel plötzlich ganz eins, denn: Der Preiß' kommt. Und möchte mitfahrn, den Berg rauf. Auch wenn die Kaugummi kauende Tochter Chantal lieber gleich ins "Centaaa" zum Shoppen will.

Da gondeln sie rauf, der Hacklberger, der Innstädter, der Preiß', haben sogar einen Motor mit Motorhaube dabei (Manfred Kempinger), der raucht. In echt und auf der Bühne, vor der in den ersten Reihen auch der Frankenberger sitzt, auch in echt.

Es geht noch weiter im Lokalkolorit, mit einem Solo-Programm von Manfred Kempinger. Als "Multivereinsfunktionär Hasenschwingerl" gibt er gewohnt direkt, gewohnt weinerlich den Passauer Beobachter, der sie alle anprangert: die CSU, die Hobbys ihrer Mitglieder, die Frisur von MdB Andreas Scheuer. Es geht weiter mit der fast leeren Donaupassage, mit der schleichenden Bahnverbindung nach München, mit der fotografischen Darstellung Duppers als Hades und wieder: mit dem Georgsberg und seinem Terrassencafe. "Unsere größte Baumaßnahme hama wenigstens abgeschlossen: Das Domklo ist restauriert." Ein Tusch, und Hasenschwingerl geht.

Das Starkbierspektakel läuft noch bis 26. März. Mehr Informationen findet man bei www.innstadt-brauerei.de.

Fotos: Wax


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Veröffentlicht in folgenden Zeitungen:
CSU Passau, Passauer Gschichten
Schlagwörter & Themen:
Andreas Scheuer , Horst Seehofer , Jürgen Dupper , X-Point-Halle , Starkbier , Manfred Kempinger , Charly Abelein , Friedhelm Feldmeier , CSU , Josef Federhofer , Donaupassage , Georgsberg , Landrat , Innstadt-Brauerei , Seilbahn

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