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Aprilscherze in Passau: Ein paar fallen immer rein

Wer holt jetzt das Flascherl Ibidumm?

Von Segelschiffen an der Ortsspitze und Gratis-Bockbier in Massen: Stadtarchivar Richard Schaffner hat für uns in Passaus April-April-Archiv geschaut.

veröffentlicht von Susanne Wax am 31.03.2011 13:04 Uhr im Ressort Land & Leute

Stadtarchivar Richard Schaffner ist ein leidenschaftlicher In-den-April-Schicker, wie er sagt: "Das gehört doch einfach dazu." Seine privates und berufliches Umfeld kann sich schon mal auf ein paar unwahre Dinge morgen einstellen: "Ich bin noch am Überlegen, was ich tue. Aber klar ist: Irgendwas mache ich."

Richard Schaffner ist für einen April-Scherz immer zu haben. Auch in Zusammenarbeit mit der Presse: Manche Passauer Medien haben am 1. April traditionell eine Finte im Blatt oder auf Sendung. Und manchmal macht Schaffner mit ihnen gemeinsame Sache. So zum Beispiel vor zwei Jahren mit dem Regionalfernsehsender Tele Regional: "Da habe ich in einem Beitrag verkündet, dass eine große Statue per Helikopter auf den Klosterberg gehoben wird." Die Folge waren zugeparkte Straßen und jede Menge Schaulustige auf dem Berg, der sich über der Ilzstadt erhebt.


Schabernack seit 100 Jahren

Richard Schaffner kramt ein bisschen im Archiv. "In Passau lässt sich etwa hundert Jahre zurückverfolgen, dass die Leute am 1. April Schabernack getrieben haben." Einen Zeitungsartikel sucht er heraus, er ist aus dem Jahr 1975: Damals leitete die Passauer Neue Presse einen Artikel ein mit den Sätzen "Es wird von Jahr zu Jahr schwerer, jemanden in den April zu schicken. Die Zeiten sind vorbei, als die Kinder noch willig und naiv um ein Flascherl ,Ibidumm' in die nächste Apotheke liefen."


Bitte ein Flascherl Ibidumm

Das klassische Flascherl "Ibidumm": Das kennt man aber heute auch noch. "Wir haben das als Buben auch zelebiriert", sagt Schaffner. Im Artikel geht es dann um gelungene 1.-April-Meldungen, zum Beispiel um die Ankündigung, Brauereien würden aus "Platzmangel in den Biertanks das Bockbier verschenken": "Freilich drängten sich nicht die Massen in den Brauereihöfen, aber ein paar Durstige hatten sich eingefunden, die mit Krügen und Kannen um Freibier anstanden."


Eine neue Kapelle? Wo?

Dann gab es da noch die Ankündigung der Einweihung der Halser Waldkapelle, die die Einheimischen verwundert lasen: Wo steht denn die? Gibt es die? Der Halser an sich kriegt sowas doch mit. "Verlegen nachfragend" und "sich verstohlen umschauend" sollen dann doch ein paar Fußgänger auf der Suche nach der Kapelle angetroffen worden sein.

Eine Reisegruppe, die einmal zur angekündigten Schifffahrt zur - nicht betretbaren - Insel Soldatenau an die Donau gekommen war musste man enttäuschen. Ebenfalls die Schaulustigen, die bei Ausgrabungen in der Theresienstraße gefundene "Kunstgegenstände aus der Zeit der Maria Theresia" anschauen wollten.

Richard Schaffner erinnert sich auch gerne an eine Aktion in den 90ern, in der von einem Segelschiff die Rede war, das an der Ortsspitze ablegen sollte. "Die Ortsspitze war voll mit Menschen, die das sehen wollten." Und ebenfalls gefallen hat dem leidenschaftlichen Rollerfahrer Schaffner die Meldung am 1. April 1995, die erklärt, dass der damalige OB Willi Schmöller seine Vespa verkauft: "Heute Probefahren in der Ilzstadt", hieß es in der Unterüberschrift. "Es standen tatsächlich ein paar Interessenten vor der Wohnung der Schmöllers", sagt Schaffner.

Welche Meldungen morgen in den Medien stehen und laufen werden? "Ich bin gespannt", sagt der Stadtarchivar.


Von plötzlichen Gästen und Flugreisen

Schonmal in den April geschickt worden? Da müssen die Passauer überlegen. Wem nach einigem Überlegen etwas einfällt, ist Bürgermeister Urban Mangold: „Einmal, als der 1. April auf ein Wochenende fiel, habe ich meine Frau beim Mittagessen damit erschreckt, dass am frühen Nachmittag ein größerer Besuch zum Kaffeetrinken kommt und ich ihr beim Aufräumen und Herrichten leider nicht helfen könne", erzählt er. Seine Frau habe aber schon nach ein paar Sekunden gemerkt, dass das nur ein Aprilscherz sein kann. Dafür gab es Rache: "Meine Frau hat mir wiederum einmal an einem 1. April eröffnet, dass ich mich ihr zuliebe doch einmal auf eine Flugreise einlassen soll" Für den ÖDP'ler unvorstellbar, wie er sagt: "Und das, obwohl wir uns ja eigentlich einig sind, dass wir das aus ökologischen Gründen bleiben lassen. Ich war natürlich froh, dass sich daran in Wirklichkeit nichts geändert hat."


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