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Fischer Anton Hartl:Von einer lebenslangen Leidenschaft

"Ham 'S schon mal an Fisch ausgnumma?"

Anton Hartl, Passaus letzter Berufsfischer: Wir haben ihn in seinem Angelbedarfsladen in der Bräugasse 18, dem Haus mit der blauen Fassade und Blick aufs Wasser, besucht.

veröffentlicht von Susanne Wax am 28.04.2011 18:23 Uhr im Ressort Land & Leute

Die schillernden Fischkörper, über und über, alle auf einem Haufen. Dazwischen das Krabbeln der Krebse, das Glänzen der Muscheln, die zackigen Bewegungen der Wassermolche und das Zucken der Köcherfliegenlarven. Anton Hartl konnte sich daran nicht satt sehen. Hat aufgesammelt, was ihm besonders gefallen hat und was er aus der Nähe anschauen wollte, eine Muschel, einen Krebs. Was da zum Vorschein kam, auf dem Grunde des Weihers, nachdem der Vater das Wasser abgelassen hatte, das war für ihn das Paradies.

Anton Hartl hat sich dem Leben im Wasser verschrieben. Damit verdient er das Geld, das er für sein eigenes Leben braucht. In der Passauer Altstadt betreibt er, der bald 70 Jahre alt wird, mit seiner Frau einen Fischereibedarf, einen Fischhandel, und er gibt in den frühen Morgenstunden ein malerisches Bild ab, wenn er dem Ursprünglichsten seiner Arbeit nachgeht: eine kleine Zille auf der leeren Donau, ein Mann mit Hut, unbewegt, nur er und das Wasser. Anton Hartl ist Passaus letzter Berufsfischer.





„Ham 'S schon mal an Fisch ausgnumma?“


„Da können'S glei hinterkommen und mir helfen“, ruft Anton Hartl, im Hinterzimmer steht er, eine grüne glatte Schürze hat er an. „Ham'S schon mal an Fisch ausgnumma?“ Ja. Gottseidank: Die Antwort stellt ihn zufrieden. Er macht lieber selber weiter mit der Arbeit. Große Behälter mit frischen Forellen stehen vor ihm, daneben ein Eimer mit … der Inhalt bleibt hier lieber allgemein umschrieben als Innereien.

Und während Anton Hartl Fisch für Fisch ausnimmt, auswäscht und in einen sauberen Behälter legt – „Die werden auf die Dult geliefert“ – erzählt er seine Geschichte, die über viele Umwege zur Berufsfischerei geführt hat.

In Vornbach wächst er auf, der Vater hat eine Landwirtschaft und vier Weihern. Die Fische darin interessieren ihn, zum spannendsten Ereignis des Jahres gehört das Wasser-Ablassen: „Wenn mein Vater das ohne mich gemacht hätte, nein. Da wusste er, da muss er mich mitnehmen.“



Traumberuf Fischer: „Aber ich war z'gring“


Fischer war sein Traumberuf. Doch waren da zwei Probleme: „Es gab kaum Lehrstellen. Und ich war z'gring“, sagt Anton Hartl. Ein „Grischberl“ sei er gewesen, nur 52 Kilo schwer: „Für die Fischerei brauchte man Kraft.“ So lernte er den Beruf des Landmaschinenmechanikers: „Aber wir waren Murkser.“ Nach der Lehre wechselte er bereits, ging beim örtlichen Schmied in die Lehre, machte später doch noch den Meister als Landmaschinenmechaniker. „Ich hätt' die Schmiede übernehmen können“, erinnert sich Anton Hartl. Doch er wollte woanders hin: zu den Fischen.

Dort ging es nach der Schmiede aber wieder nicht hin. Anton Hartl: „Ich bin dann zu den Autos gewechselt.“ Seine damalige Frau sei in der Autobranche gewesen. Sechseinhalb Jahre als Mechaniker, inklusive bestandener Meisterprüfung: „Dann hat's ma g'langt.“ Der jüngere seiner zwei Brüder hatte mittlerweile einen großen Fischzuchtbetrieb bei Braunau übernommen Dort konnte er einsteigen.

Anton Hartl gießt Wasser aus einem Behälter mit Fischen ab, putzt sich die Hände an der Schürze ab. „Aber gescheitert bin ich wieder dran, dass ich z'gring war“, sagt er und lacht. Zum Glück habe er da bereits seine zweite Frau geheiratet gehabt, die bekam mit, dass in der Passauer Altstadt ein Laden für Angelbedarf einen Nachfolger sucht. Anton Hartl griff zu. Das ist jetzt fast 40 Jahre her.


"Hier haben wir schon Glück gehabt"


Rückblickend war es wohl der richtige Weg, sagt Anton Hartl, der die Schürze jetzt abgelegt hat und in den Verkaufsraum gegangen ist. Mit den Ellbogen stützt er sich auf der Theke ab. „Hier haben wir schon Glück gehabt“, sagt er und schaut nach draußen. Vom Laden aus sieht man die Spitze des Niederhauses, das Wasser der Donau.

Die ersten fünf Jahre war der Laden direkt im letzten Haus an der Ortsspitze, „bei der Zellner Rosa“, dann im alten Salzstadel an der Bräugasse, dann stand 1983 das Nachbarhaus Bräugasse 18 mit seinem alten Lebensmittelladen zum Verkauf. Anton Hartl und seine Frau ließen sich das nicht entgehen. Mittlerweile hat der Laden längst den Geruch von Fischwerkzeug angenommen, zieren die Deckenbalken längst zig präparierte Fische und ausgestopfte Tiere, die Hartl auf seinen Angelgängen tot aus dem Wasser gezogen hat: ein Marder, ein Eisvogel, Enten, Meisen.

Profi- und Hobbyangler werden bei den Hartls fündig, auch Netze für Berufsfischerei fertigen sie an. Doch ohne den Fischhandel nebenher ginge es nicht,: „Ihr Angelzeug kaufen die heut' fast alle im Internet.“ Die Donau abwärts bis kurz nach Jochenstein, den Inn aufwärts auf 1,5 Kilometern: Das ist sein Revier. Seine Zille liegt kurz vor der Ortsspitze vor Anker. Hartl beliefert Restaurants, die Dult, hat viele private Stammkunden, verkauft auf Bauernmärkten. Fische aus Donau und Inn reichen dennoch nicht, sagt er, den Großteil angelt er aus seinem eigenen Weiher in Haibach.


"Morgens, wenn die Donau noch ganz ruhig ist"


Fischer sein rund um die Ortsspitze, da, wo Flüsse sich treffen, das sei schon was Besonderes, sagt er: „Es ist ein toller Ort für einen Fischer.“ Auch, weil im Kehrwasser sich besonders viele Fische tummeln. Aber auch sonst, die Idylle: Er genießt es, seine Ruhe im Boot zu haben. Wieder schaut Hartl aufs Wasser: „Am schönsten ist es morgens, wenn die Donau noch ganz ruhig ist.“ Dann sei es auch am günstigsten zwecks der Fische, ergänzt er schnell: „Am besten ist es noch ein bisserl dunkel, denn vor allem der Waller ist dann unterwegs.“ Der Waller, ein nachtaktiver Fisch, erklärt Anton Hartl.

Ein wenig leiser spricht der 69-Jährige, wenn er erzählt, dass es auch gefährlich werden kann auf der Donau: „Einmal wär' ich fast an einen Frachter gestoßen. Im Dunklen wirft die Stadt so viele Lichter aufs Wasser, da kann man oft nicht mehr unterscheiden.“ Oder der Nebel: „Wenn es neblig ist, verliert man die Orientierung. Einmal wollte ich die Donau hinauf, bin aber den Inn hochgefahren.“ Da sei es gut, sich doch an Bauwerken einer Stadt entlanghangeln zu können.

Auch wenn er sie beneidet, die Fischerkollegen, die da ihr Revier haben „wo die Donau noch wild ist“. Sein Areal sei im Grunde „das schlechteste Gebiet der kompletten Donau. Oben habe ich das Kachlet, unten Jochenstein.“ Reiner Stauraum bleibe ihm zum Fischen. Viele Fischarten gebe es nicht mehr, „weil man ihnen eine Wand hingebaut hat, weil sie nicht mehr hier hoch wandern können. Das Wasser ist auch zu tief durch die Stauung und es gibt keine sauberen Kiesbänke mehr, zu denen immer wieder neue Steinderln geschwemmt werden.“


"Ich bin mein Leben lang Fischer"


Doch Anton Hartl ist zufrieden. Er kann einfach tun, was er immer wollte: Fischen und davon leben: „Ich bin mein Leben lang Fischer.“

Natürlich hängen sie im Laden, die Fotos, die mit den großen Fängen. Anton Hartl mit Prachtexemplaren von Fischen, mal ein Waller, mal ein Hecht. Anstrengung vom Halten, aber auch stolzes Grinsen in seinem Gesicht. „Aber die Großen sind mir nicht die liebern. Die bringen mir kein G'schäft“, sagt er. Und überhaupt, zuckt er unbeeindruckt mit den Schultern: „Irgendein Fisch ist jedes Jahr der Größte.“


Zu kaufen gibt es bei Hartls in Passaus Bräugasse 18 jeden Freitag Folgendes:

frische Forellen
Lachsforellen,
Saiblinge,
Donaufische (ganz und filetiert),

geräucherte Forellen
und Saiblinge,

gebeizte und/oder geräucherte Lachsforellen

Telefon 0851 / 34197

Fotos: Wax


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