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Schuhmacher Helmut Foran und der Zeitgeist

Meisterhaftes für den Fuß – und fürs iPhone

Einen Meister des Schuhhandwerks gibt es in Passau. Helmut Foran (52): Wir haben ihn in seinem Laden besucht.

veröffentlicht von Susanne Wax am 05.05.2011 16:05 Uhr im Ressort Land & Leute

Der Vater war Schuhmacher. Und der Vater vom Vater war Schuhmacher. Und der Onkel vom Vater vom Vater war Schuhmacher. Helmut Foran macht sie nun in vierter Generation nach Maß: die Stiefel, die Anzugschuhe, die Sandalen und die Pumps. Hausschuhe fertigt er seit einer Weile auch an und seit neuestem Handytaschen und iPad-Hüllen. Helmut Foran liebt sein uraltes Handwerk. Er hat es nur ein bisschen aufgepeppt.

Der Schuhmachermeister hat in der Passauer Theresienstraße sein Reich: Es ist Laden und Werkstatt zugleich, sowohl Verkaufszimmer als auch Ausstellungsraum, Atelier und Inspirationsquelle. Der alte Kronleuchter, die dunklen Regale, das kleine barocke Bänklein, goldene Beine, roter Bezug: „Hier kann ich kreativ sein“, sagt der 52-Jährige. Er trägt eine Schürze aus dunklem Leder über dem Pullover, oben der Hemdskragen, dazu eine helle Hose und braune Budapester Schuhe. Sie sind eingetreten, aber gepflegt. „Der Schuhmachermeister hat für sein eigenes Schuhwerk am wenigstens Zeit“, sagt Helmut Foran. „Das hat mein Opa schon gesagt.“






„Passau hat uns nicht mehr losgelassen“

Eigentlich ist Helmut Foran Münchner. In München haben seine Vorfahren 1880 angefangen mit dem Schuhmacherhandwerk. Auch er selbst hatte dort einen Laden, den vom Opa, „aber uns hat's rausgezogen nach Niederbayern“, sagt er. Bei einem Besuch bei Verwandten seiner Frau im Bayerischen Wald hätten sie ein einen Zwischenstopp „zum Shoppen“ in Passau gemacht – und sich in diese Stadt verliebt: „Passau hat uns nachher nicht mehr losgelassen.“


Grundgerüst von Forans Arbeit sind Leisten.
Am Oberen Sand gab wenig später ein Schuhmacher seinen Laden auf – und Foran übernahm ihn. „Etwa fünf Jahre später bin ich dann in die Theresienstraße gezogen“, sagt er. Von hier aus versorgt Helmut Foran nun die Passauer mit gehobenem Anspruch für Fußbekleidung mit Schuhwerk, er hat viele Stammkunden von auswärts, aus ganz Deutschland. Schuhe nach Maß, solche fertigt kaum mehr jemand an. „Erst letztens hat ein Arzt aus Stuttgart bei mir Schuhe bestellt“, erzählt er.

Helmut Foran macht jeden Handgriff selbst: Er misst den Fuß des Kunden, er fertigt eine Leiste an, er besorgt das Leder, schneidet es zu, verarbeitet es. Er vernäht die Schuhe, „mein Opa hat sie noch vernagelt.“ Aus Croupon – speziellem Bodenleder – stellt er die Sohle her, weicheres schneidet er für das Innere des Schuhs zurecht. 90 Prozent seiner Arbeiten sind Aufträge, der Rest Schuhe, die er auf Vorrat macht und eigene Ideen.

Der grüne Damenstiefel zum Beispiel: Dessen Leder ist so glatt, so glänzend, dass sich der Deckenkronleuchter darin spiegelt. „Eine Mischung aus Reitstiefel und modernem Damenstiefel“, sagt er. 13 Tage hat er daran gearbeitet. Entsprechend ist der Preis: 2.400 Euro. Oder der schwarze Halbstiefel mit der Oberfläche, die sich samten anfühlt: „Eine Replikation eines Schuhs des Parisers Patrick Penet“, erklärt Helmut Foran.



Leder, Leder, Leder: Kalb, Python, Strauß

Es riecht nach Leder im Laden. Gleich hinter der Verkaufstheke hängt es in den unterschiedlichsten Farben und Größen, es liegt aufgerollt in einem Regal. Wenn er die verschiedenen Arten erklärt, eine besondere Maserung beschreibt, dann gerät er ins Schwärmen. Er nimmt einzelne Bahnen vom Regal, breitet sie aus, streicht mit der Hand darüber. Nur von ausgewählten Gerbern bezieht er sein Leder, kauft viel in Italien und Frankreich ein. Kalbleder verarbeitet er am liebsten, doch finden sich zum Beispiel auch Leder vom Rind, vom Krokodil, von der Python und vom Strauß.

Der Strauß: Von dem ist Helmut Foran zurzeit besonders begeistert. Von seinen Beinen, genauer gesagt. „Straußenbein ergibt als flaches Leder eine wunderbare Maserung, sehen Sie selbst“, sagt er und zeigt einen Herrenschuh. Hinten offen ist er, vorne spitz, und knallgrün: ein etwas anderer Slipper? „Ein Hausschuh“, sagt er. Foran mag es extravagant. Und doch wieder altmodisch: Denn die Idee, Hausschuhe anzufertigen, hat er von seinem Opa übernommen. „Als er schon längst in Rente war hat mein Opa für die Nachbarn noch Hausschuhe gemacht.“ Selbst hat Foran sich vor einem halben Jahr zum ersten Mal an einen Pantoffel gewagt. Nun stehen zig Designs in seinen Regalen.


Maßgeschneidertes für iPhone und iPad

„Man kann so unglaublich kreativ arbeiten“, sagt Helmut Foran über seinen Beruf. Als Schuhmacher auch mal einen Gürtel herzustellen, eine Geldbörse, das sei Standard, sagt er. Reparaturen vorzunehmen, das sowieso. Doch will der 52-Jährige auch stets etwas bieten, das dem Zeitgeist entspricht. Und der Zeitgeist, das sind: Handys und Computer. Noch zeitgemäßer: iPhone und iPad. Die kann man bei Helmut Foran einkleiden lassen. „Bei den Studenten bin ich derzeit der Renner, da kommt fast täglich einer. Es ist ein Wettbewerb ausgebrochen, wer die schönste iPhone-Hülle hat.“

Aus indonesischem Wasserbüffel, aus brasilianischem Lachsleder, aus weinrotem Straußenleder, aus Pergament fertigt er die Handytaschen an. Kosten: ab 39 Euro. Ein stilisiertes Korsett drauf für die Frau, ein grob mit Sehnenfaden vernähtes Leder für den Mann, „und einer hatte einen ganz speziellen Wunsch“, sagt Foran. Ein iPhone-Halter aus dem Fell der Bisamratte. Foran lacht und hält sich das flauschige Ding ans Ohr: „Na, warum nicht?“

Doch zurück zu den Schuhen. Oder zu den Füßen. Die nämlich, sagt der Schuhmachermeister, werden immer größer. Und breiter: „Ich hab mich schon öfter mit Ärzten unterhalten, die glauben, dass das an der Ernährung liegt.“ Selbst hat er Schuhgröße 43. An beiden Füßen: „Sie glauben gar nicht, wie viele Leute zwei unterschiedlich große Füße haben.“ Neben den unterschiedlich großen Füßen hat er im Laufe der Jahre auch unterschiedliche Schuhticks kennen gelernt. „Es gibt Leute, die ziehen wirklich viele verschiedene Schuhe an, und es gibt welche, die haben sie nur zum Anschauen.“

Hat er selber einen Schuhtick? „Oh ja.“
Und seine Frau? „Die hat auch so einen Schuhvogel. Aber sie ist sehr penibel, was das Design angeht.“
Kauft er auch mal selber in einem Laden Schuhe? „Ja. Und glauben Sie, so eklig bin ich als Kunde gar nicht.“



Helmut Forans Internetseite: www.foran-design.de
Dort erhält man einen Überblick über seine Arbeit in vierter Generation. Wird es noch eine fünfte Generation geben? Foran überlegt: „Mein älterer Sohn hat einen anderen Beruf. Beim Jüngeren, ja, vielleicht. Der bastelt hin und wieder mit Leder, wenn er bei mir in der Werkstatt ist.“

Fotos: Wax


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