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Der Hochfriedhof: Passaus heimliche Sehenswürdigkeit

Wo Berühmtheiten zur Ruhe gebettet sind

Brauereifamilien, Bäckerdynastien, Kaufleute, Künstler und Schriftsteller: Ihre Gräber in der Innstadt sind Urkunden der Passauer Vergangenheit.

veröffentlicht von Susanne Wax am 10.05.2011 09:48 Uhr im Ressort Land & Leute

Mit einem einfachen Bürger fing es an. Einem, der viel zu jung gestorben war: Anton Peterhansl, nur sieben Jahre alt ist er geworden. Sein Grab war das erste auf dem Innstadt-Friedhof. Das Allererste. Damit wurde die Ruhestätte 1772 eröffnet, in dem Bereich, der heute Hochfriedhof heißt. Unten an der Straße sind längst zwei weitere Gottesacker entstanden.

Der siebenjährige Bub, von ihm erzählt noch heute die Inschrift einer Tafel auf dem Hochfriedhof: "Und danach der erste in dies neugeweichte Erdreich ist begraben worden: Anton Peterhansl." Sein Vater Joseph war Knecht auf dem Oberhaus, erfährt man weiter.


Eine sehenswerte Ruhestätte

Der Hochfriedhof ist Ruhestätte und Sehenswürdigkeit zugleich. Stadtarchivar Richard Schaffner, der gerne Führungen über den Friedhof anbietet, beseitigt gleichmal Berührungsängste. Fotografierend zwischen Gräbern hin- und her latschen? "Hier ist das in Ordnung", sagt er. "Hier ist Geschichte. Ich sag' immer: Ein Grabstein ist für mich so wichtig wie eine alte Urkunde."

Von allen Friedhöfen Passaus findet er hier in der Innstadt die meisten bekannten Persönlichkeiten, sagt Schaffner. Er zählt sie auf: die Kaufleute, die Künstler, die Dichter. Unsere Fotogalerie zeigt die Grabsteine von einigen, gefolgt von allgemeinen Aufnahmen des Hochfriedhofs:




Ferdinand Wagner
Ferdinand Wagner war ein Historienmaler. Er hat unter anderem 1890 einen Saal im Ratskeller ausgemalt und später auch renoviert. Er war Mitbegründer des Ilzer Haferlfestes und Vorbesitzer der Veste Niederhaus.


Aristide und Hanns Ostuzzi
Aristide Ostuzzi († 11. März 1926) ist einer der wichtigsten Baumeister Passaus. Nach ihm ist eine Straße in Haidenhof benannt, er ist der Erbauer der "Glasscherbenvilla", die er einst selbst bewohnte. Sein Sohn Hanns († 9. Juni 1939) liegt im selben Grab.


Ignatz Schmerold
Ignatz Schmerold († 24. Dezember 1841) war Brauereibesitzer in Passau. Nach Auflösung des Klosters St. Nikola kaufte er die zugehörige Brauerei, erklärt Stadtarchivar Schaffner.


Familie Peschl
Die nächste Brauereifamilie: die Peschls. Ihr Familiengrab befindet sich ebenfalls auf dem Hochfiedhof. Der älteste Name ist der von Matthias Peschl († 21. Februar 1867)


Familie Fischer
"Eine Metzgerdynastie in Passau", sagt Schaffner. WIchtigster Mann: Ignaz Fischer († 1911).


Alois Kreilinger
Das bekannte Passauer Kaufhaus Kreilinger wurde von ihm gegründet. Er starb am 24. September 1930.


Prof. Hermann Mayrhofer
Der Grafiker und Kunstmaler († 1976) hatte ab 1945 seinen Wohnsitz in Passau. 1970 wurde ihm der Kulturelle Ehrenbrief der Stadt verliehen. Mayrhofer prägte viele Passauer Haushalte, sagt Richard Schaffner: "Wenn eine Familie das Bild einer Stadtansicht zu Hause hängen hat, dann ist es meistens ein Mayrhofer."


Familie Heindl
"Dank der Heindls haben wir in Passau welche der wichtigsten historischen Unterlagen des Bäckerhandwerks", sagt der Stadtarchivar. Mit anderen Worten: Eine Bäckerdynastie liegt hier begraben. Begründet von Joseph Heindl Mitte des 19. Jahrhunderts.


Reinhard Raffalt
Der geborene Passauer († 16. Juni 1976) war Journalist und Autor. Für die "Passauer Neue Presse" berichtete er aus dem Vatikan, für den Bayerischen Rundfunk korrespondierte er aus Asien, Afrika und Südamerika. Später war er Organist und Leiter des ersten deutschen Kulturinstituts in Italien nach dem Krieg. Nach Reinhard Raffalt ist eine Straße in Passau-Eichet benannt.

Carl Angermann
Er leitete lange Zeit die Innstadt-Brauerei und gilt als der Mann, der das Unternehmen durch alle schwierigen Zeiten immer wieder zum Erfolg führte. 1950, ein Jahr vor seinem Tod, wurde Carl Angermann († 13. August 1951) zum Ehrenbürger der Stadt Passau ernannt.


Familie Niederleuthner
Die Niederleuthners haben Passau in mehrfacher Hinsicht geprägt. Anton Niederleuthner sen. († 3. Februar 1871) war Gastwirt und Weinhändler: Er kaufte 1844 den "Wilden Mann" in der Schrottgasse. "Von ihm und seiner Frau Anna habe ich noch ein Kochbuch", sagt Stadtarchivar Schaffner.
Anton Niederleuthner jun. († 7. Juli 1907) war königlicher Oberamtsrichter und Ehrenbürger Passaus. Sein Bruder Josef Niederleuthner († 25. November 1902) war Verwalter der Sparkasse und des Lukas-Kern-Kinderheims, war Gemeindebevollmächtigter und Magistratsrat. Die Niederleuthner-Geschwister galten als Wohltäter, weshalb nach ihrem Tod eine Stiftung nach ihnen benannt wurde.


Gottfried Schäffer
Gottfried Schäffer (* † 12. August 1984) war in ein Passau als Apotheker bekannt, als Stadtrat sowie Kreis- und später Stadtheimatpfleger. Nach ihm ist in der Altstadt die Gottfried-Schäffer-Straße benannt.


Rudolf Guby
Rudolf Guby († 6. Juni 1929) war Kunsthistoriker und Heimatforscher. Er gilt als einer der Begründer der Passauer Heimatkunde. Auch nach ihm ist eine Straße in Uninähe benannt.

Deppe und Carossa in Heining

Auf dem Friedhof in Heining gibt es zwei Gräber bekannter Persönlichkeiten, sagt Richard Schaffner: das von Malerin Paula Deppe und das von Hans Carossa.
Paula Deppe war eine Malerin, deren Schaffen der Oberhausmuseum bald mit einer Ausstellung würdigt.

Hans Carossa war Arzt, Schriftsteller und Dichter.

Fotos: Wax


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Veröffentlicht in folgenden Zeitungen:
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Schlagwörter & Themen:
Passauer Neue Presse , Oberhaus , Schrottgasse , Lukas-Kern-Kinderheim , Oberhausmuseum , Richard Schaffner , Innstadt-Brauerei

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