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Bernhard's Corner Shop wird zehn Jahre

Plattenkritik und Salami

Richtige Tante-Emma-Läden sind so gut wie ausgestorben. In Passau gibt es noch einen. Tante Emma heißt in diesem Fall Bernhard.

veröffentlicht von Laura Lugbauer am 09.05.2011 10:18 Uhr im Ressort Land & Leute

Wer diesen Namen ließt, wird schon ahnen, von welchem Geschäft hier die Rede ist. Bernhard's Corner Shop am Oberen Sand ist nicht nur ein Relikt in der Nahversorgung sondern hat mittlerweile auch Kultstatus in Passau.Am Wochenende wird er zehn Jahre alt.

Freilich, den Laden gibt es schon viel länger als zehn Jahre. Den gibt es auch schon länger als den jetztigen Inhaber Bernhard Riederer. Der ist in der Grabengasse aufgewachsen, kennt das Geschäft von klein auf. Auf dem Weg zum Kindergarten ist er schon dran vorbei gelaufen. Seit 70 Jahren wird im Haus Nummer 2 mit Lebensmitteln gehandelt. Als seine Vorgängerin das Geschäft aus privaten Gründen aufgeben musste, hat Bernhard übernommen. Ein gelernter Konditormeister, der vom Verkauf bis dahin "keine Ahnung" hatte, wie er heute sagt. Damals ist er einfach ins kalte Wasser gesprungen. Mit Erfolg.

Die Verkaufsfläche ist bis auf den letzten Millimeter genutzt


Klingklingklong. Das Windspiel an der Tür kündigt Kundschaft an. Man kennt und grüßt sich, ja einen Kaffee und eine Salamisemmel, wie immer. Über der Wurstmaschine gibt es Musiktipps. „Am Samstag spielt a gute Band drüben in der Tabakfabrik“, sagt Bernhard und schiebt die Salami am Schneiderad hin und her. „Meinst“, sagt die Kundschaft, „i woas ja ned, ob de was san.“ Doch, meint der Bernhard und liefert – während er die Wurstscheiben in die Semmel packt – auch gleich die Plattenkritik.



Der heutige Corner Shop war einer der ersten Supermärkte in Passau. Eine Edeka-Filliale war er zwischendurch, dann ein Tengelmann. Heute ist Bernhard Riederer Einzelkämpfer. Die Einrichtung stammt aus den 50er Jahren. Aus dem Jahre 1954, um genau zu sein, als das Hochwasser die alte weggeschwemmt hat. „Das Geschäft ist ideal konzipiert“, sagt Bernhard, deswegen hat er bis heute nichts verändert. Damit meint er: Die etwa 50 Quadratmeter Verkaufsfläche sind bis auf den letzten Millimeter genutzt. Ein bisschen beengt ist das schon. Aber dafür bekommt man von der Dosenwurst bis zum Rasierschaum auch alles, was das Herz begehrt.

"Da passt so viel Ware rein. So viel Geld hab ich gar nicht"


Wieder das Windspiel. Diesmal kommt eine Studentin durch die Tür. Erstsemester, offenbar zum ersten Mal über den Corner Shop gestolpert. Mit großen Augen schaut sie sich um, findet die Theke und Bernhard und bestellt einen Cappuccino zum Mitnehmen. „Haben sie denn auch sowas wie belegte Brötchen?“, fragt sie, scheint dann zu bemerken, dass sie sich hier auf ureigenstem Passauer Hoheitsgebiet befindet und korrigiert sich: „Äh...Semmeln?“ Die gibt es. Die Studentin nimmt eine Lachssemmel und ihren Kaffee, sagt brav „Auf Wiederschaun!“ und verlässt das Geschäft. Klingklingklong.

Im Moment sind Bernhard und seine drei Mitarbeiter richtig im Stress. Zum einen steht die Planung für das Jubiläumsfest am nächsten Wochenende an. Zum anderen hat am vergangenen Montag „Bernhard's Mini-Market“ in der Innstraße, gleich neben dem Kopierzentrum an der Uni, eröffnet. Dort ist die Verkaufsfläche fast doppelt so groß. Ein bisschen ungewohnt für Bernhard. Leer irgendwie. „Da könnt ich so viel Ware rein stellen, so viel Geld hab ich gar nicht“, sagt er. Was in den Laden kommt, das entscheiden die Kunden. „Da fragen wir gerade am Anfang schon immer: was sollen wir ins Sortiment nehmen?“

Ein Ratsch geht immer


Deswegen bekommt man im Corner Shop nicht nur Lebensmittel, sondern auch eine ungewöhnliche Zeitschriftenauswahl. Musikmagazine, Visions, Musikexpress, den Rolling Stone oder das Satire-Magazin Titanic. Neben den Zeitschriften gehen vor allem die Brotzeiten und die Getränke. Und auch immer ein Ratsch.

Das will der ältere Herr, der als nächstes wortlos hereinkommt – klingklong – gerade nicht. Ob er nicht schnell die Kundschaft abfertigen will? „Ach“, sagt Bernhard, „die Kundschaft kennt sich aus. Die bedient sich selber.“ Er hat den Satz noch nicht einmal beendet, da macht sich der Gast schon - immer noch wortlos - hinter dem Tresen zu schaffen. 80 Prozent sind hier Stammkunden. Da gibt es sowas noch. Auch Anschreiben lässt Bernhard, „wenn wir jemanden kennen und wissen, dass der auch wieder kommt.“

"Der Bernhard ist Kult"


Zwischen 200 und 250 Kunden kommen jeden Tag in den Laden. Im Mini-Market sind es noch nicht so viele, aber, meint Bernhard, das wird nicht mehr lange dauern. „Die, die reinkommen sagen auch immer wieder: Gut, dass es hier endlich sowas gibt. Auch als Alternative zur Mensa.“ Ein ganz anderes Flair verströmt der Laden, in dem auch zwei kleine Tische zum Kaffeetrinken angerichtet sind. Es hängen weder alte Werbeschilder noch Zeichnungen von Bernhards Kindern an der Wand, so wie am Oberen Sand. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Draußen vorm Mini-Market gehen zwei Studenten vorbei. Ein Neuzugezogener bekommt eine Führung von einem älteren Kommilitonen. „Bernhard's Mini-Market“, ließt der Neue vom Schild ab. „Der Bernhard hat auch einen Laden in der Altstadt“, erklärt der Alteingesessene, „da musst du mal rein. Der Bernhard ist Kult.“

Bernhard´s Corner Shop feiert am 14.Mai zehnjähriges Jubiläum

Gefeiert wird von 9 bis 19 Uhr beim Shop am Oberen Sand 2. Zum Essen kredenzt Bernhard Würstl, hausgemachten Kartoffelsalat, Kartoffelkas und Kuchen! Alle Biere gibt es zum Sonderpreis von einem Euro, alle Limonaden für 80 Cent. Für Unterhaltung sorgt Gesa Peters mit dem Kindertheater "Lumbumbula", Musik steuern "Bass One Soldaten" und "Faint Mirrors" bei.

Fotos: Laura Lugbauer


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