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Janina Distler leitet die Jugendherberge auf Oberhaus

Bei ihr residiert man wie ein Ritter

Hier eine Schießscharte neben dem Bett. Dort ein versteckter Fensterwinkel mit Sitzbank im Seminarraum. Der Ausblick: Traumhaft. Die Jugendherberge auf dem Oberhaus ist ein spannender Ort.

veröffentlicht von Susanne Wax am 09.05.2011 14:33 Uhr im Ressort Land & Leute

Und laut Leiterin Janina Distler bei den Passauern viel zu wenig bekannt. Das merkt sie vor allem, wenn anlässlich der Burgenfestspiele auf der Veste Oberhaus Tag der offenen Tür in der Jugendherberge ist. Dann schauen viele Einheimische mal vorbei in der Einrichtung - und staunen: "Sie sagen entweder, sie hätten gar nicht gewusst, dass es die Herberge gibt. Oder sie haben noch den alten Zustand vor Augen und fragen, ob es denn gar keinen Hagebuttentee mehr gibt."

Der "alte Zustand", der herrschte in der Jugendherberge bis Anfang 2000 vor. "Die früheren Herbergseltern haben mir mal Fotos gezeigt, das muss schlimm gewesen sein. Nach der Renovierung kann man sich das kaum mehr vorstellen", sagt Janina Distler. 26 Zimmer mit insgesamt 129 Betten gibt es. Die strahlend weiß gestrichenen Gewölbe. Die abgeschliffenen Holzböden. Die schlichten, aber gemütlichen Zimmer. Die vielen Bilder lachender Menschen mit mehrsprachigen Überschriften. Und immer wieder: der Ausblick. Die übrige Burganlage sieht man, klar, doch tun sich durch Luken in den Wänden immer wieder andere Perspektiven auf: das glitzernde Wasser der Donau, die Kurve der Löwenmühlstraße, die Obstplantagen auf dem Klosterberg.





"Ein wunderbarer Ort"

"Ein wunderbarer Ort", sagt Janina Distler. Die studierte Touristikerin leitet die Jugendherberge seit August 2008. Drei Jahre bald. "Und es gibt immer wieder Neues zu entdecken", sagt die 38-Jährige. Eine alte Burg sei eben eine alte Burg: "Die weist andere Alterserscheinungen und Pflegeansprüche auf als andere Häuser." Janina Distler empfängt die Gruppen, koordiniert die Aufenthalte, doch wenn es erforderlich ist hilft sie auch in der Küche oder der Wäscherei aus. Ein Team aus sieben Personen stemmt mit ihr den Betrieb der Jugendherberge: Pädagogin, Haustechniker, Küchenkräfte, Reinigungspersonal, Rezeptionsmitarbeiter.

Für sie alle gilt: Geparkt wird oben am Oberhaus-Parkplatz, dann geht's zu Fuß über das Pflaster und durch die beiden Tunnels zum Arbeitsplatz. Die Jugendherberge ist auf zwei Gebäude aufgeteilt: auf das Generalturmgebäude und die ehemalige Taverne. "Hier war mal eine Brauerei, ungefähr im Erdgeschoss, und über den ersten Stock ist man in die Gasträume gelangt", erzählt Janina Distler. In einem Workshop-Raum ist noch der Umriss einer alten Tür zu sehen. "Das dürfte wohl der Durchgang gewesen sein. Aber hier hat sich so viel verändert, dass man nur noch raten kann" sagt Janina Distler.

Von der Vergangenheit der Schutz- und Trutzburg Veste Oberhaus erzählt vor allem Pädagogin Judith Lamby den Schulklassen gerne, die in der Jugendherberge übernachten. Sie machen den Großteil von 8.000 Gästen im Jahr aus. Übernachtungen sind es 16.500. "Von Hongkong bis Altschönau", sagt Janina Distler, kommen die Gäste. Abgesehen von den Schülern, die aus den Klassen 5 bis 9 kommen, sei jede Altersklasse zu Gast auf der Burg: "Erst gestern haben zwei 60-jährige Damen bei mir gebucht."


Der Titel: Kultur-Jugendherberge

Von Rittern und Mittelalter wird vor allem den kleinen Gästen erzählt, von Burggeistern und alter Handwerkskunst.Das alles richtig erlebbar zu machen, ist ein großes Ziel der Passauer Jugendherberge. Ein umfassendes Programm bietet Tage im Zeichen von Druden und Flussgeistern, von Sagen und Mythen, von mittelalterlicher Schreibweise. Es gibt einen Werkraum, in dem man Zinngießen kann, es wird wie richtige Steinmetze im Burgturm gehämmert, es wird Schmuck aus Zinn hergestellt und es werden Hufeisen um die Wette geworfen. Wegen dieses Angebots darf die Einrichtung sich "Kultur-Jugendherberge" nennen. Das Zertifikat hängt im Eingangsbereich.

Eine weitere Auszeichnung: der Titel "bed & bike". Die Jugendherberge ist besonders auf Radler ausgerichtet, die eine Nacht in Passau bleiben wollen. "Auch wenn wir für die nicht unbedingt optimal erreichbar sind", sagt Janina Distler. Unten an der Hängebrücke stehe mittlerweile ein extra Schild, das Radler in die Ilzstadt und von da die befestigte Straße den Berg hinauf leite. "Es kommt aber auch immer wieder vor, dass einer sein Mountainbike den Aufsteig heraufträgt."

Ob bessere Busverbindung, ein Aufzug oder die viel diskutierte und wieder zu den Akten gelegte Seilbahn-Angelegenheit: Eine bessere Erreichbarkeit der Burganlage würde Janina Distler sich wünschen. "Alles, was die Leute hier leichter raufbringt, ist gut", sagt sie. Der Shuttle-Bus hält zwar mehrmals täglich direkt vor der Jugendherberge - "doch der ist teuer und man muss seine Abfahrtsstelle erstmal finden", sagt sie. Immer wieder mal gebe es Gäste, die der Einfachheit halber aufs Taxi zurückgreifen: "Einmal Hauptbahnhof - Oberhaus: Das macht 12 Euro."


Zum Internetauftritt der Kultur-Jugendherberge Passau geht's hier.

Fotos: Wax


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Veröffentlicht in folgenden Zeitungen:
Passauer Altstadt, Passauer Gschichten, Passauer Ilzstadt/Hals
Schlagwörter & Themen:
Oberhaus , Veste Oberhaus , Auszeichnung , Hängebrücke , Seilbahn

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