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Teil 20: Jürgen Hellwing und sein Platz nach der Grenze

Passau – meine Stadt: Der Wechsel der Farben

Liegt Passaus Schönheit an groß angelegten Plätzen, in einer engen Altstadt-Gasse oder eher im winzigen Detail? An einem Fenster, einer Tür, einer Kritzelei?

veröffentlicht von Susanne Wax am 22.05.2011 19:47 Uhr im Ressort Passau. Ich liebe Dich.
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "Passau - meine Stadt" findest Du auf unserer Themenseite.

lokalnews.de will mit der Serie „Passau – meine Stadt“ verschiedene Facette darstellen. Passauer – bekannte oder unbekannte – zeigen uns ihre Lieblingsstelle in der Stadt, an der man sich nicht sattsehen kann.

Heute zeigt uns Stadtführer Jürgen Hellwing sein persönliches Passau.




Ihre Lieblingsstelle in Passau, Herr Hellwing?
Der Gastgarten beim Mexikaner in Ingling, das Rusticana. Am besten der Platz ganz vorne am Zaun. Der Ausblick hier ist traumhaft. Der Stadtturm, die Kirchtürme, das viele Grün.


Und warum ist diese Stelle typisch Passau?
Weil man einen anderen Blick auf die Stadt hat. Und weil man den Blick auf den Stadtturm hat. Denn der spaltet die Passauer in ihrer Meinung. Ich weiß gar nicht, warum alle sich so aufregen. Er schmiegt sich doch mit seiner grünen Farbe perfekt an die Bäume des Berges im Hintergrund an. Stellen Sie sich nur mal vor, er wäre weiß oder rot. Ich kann hier stundenlang sitzen und beobachten, wie der Turm seine Farbe wechselt.


Der Turm wechselt seine Farbe?
Ja. Schauen Sie, jetzt ist er hellgrün. Lassen Sie nur eine Wolke sich vor die Sonne schieben, schon schaut er anders aus. Und wenn später die Sonne untergeht ändert sich das Bild wieder. Toll.


Wann haben Sie diese Stelle entdeckt?
Als Fünfjähriger war ich zum ersten Mal hier. Mit meinen Eltern war ich da nach Passau gezogen und wir kamen oft her. Wir wohnten an der Innstraße, hatten über den Fünferlsteg nicht weit hierher. Das Lokal hieß damals Bergkeller. Ich weiß noch, dass es strenge Grenzkontrollen gab da unten an der Straße und in der Kurve war ein kleiner Kolonialwarenladen. Der Gastgarten hier sah ähnlich aus wie jetzt, nur diese stattlichen Kastanienbäume waren noch ganz schmal und niedrig.


Wie oft kommen Sie her?
Jede Woche komme ich her. Meine Frau und ich lieben es, hier zu sitzen, einen Grünen Veltliner zu trinken, zu schauen und zu reden. Ich esse dann eine Anguslende, die beste im ganzen Umkreis. Über die Jahre ist der Ausblick leider mehr und mehr zugewachsen. Früher sah man viel mehr Gebäude und auch die Bahngleise gleich hier unten. Als Bub bin ich am Zaun gestanden und habe die Waggons gezählt. Einmal kam ich auf 45 Waggons.


Wen oder was nehmen Sie mit?
Meine Frau. Und, wenn er Lust hat, unseren Sohn. Wir kommen so gegen 19 Uhr, sitzen ein Stündchen da, genießen die Ruhe und den Blick, das Pfeifen der Vögel. Maxi, der Wirt, kommt dann meistens noch raus zu uns und wir politisieren ein bisschen.


Jürgen Hellwing ist 60 Jahre alt und seit 1998 verheiratet mit Stadträtin Ursula Karl-Hellwing. Er hat zwei Stieftöchter und einen Sohn. Geboren in Hutthurm, aufgewachsen in Haag bei Salzweg, zog er im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern nach Passau: "Und ich habe bald gemerkt: Diese Stadt ist deine ganz große Liebe." 32 Jahre arbeitete Jürgen Hellwing als Pharmareferent, nebenher ging er dieser "Liebe zur Stadt" nach: Er bildete sich zum Fremdenführer bei Passau Tourismus e.V. weiter. Seit 1995 gibt er Stadtführungen. Besonders gerne für Schulklassen, sagt er: "Für die muss man aus der Stadt ein großes Geheimnis machen, damit sie aufpassen." Hellwing gründete zusammen mit Andreas Rössiger die Passauer Protestsängergruppe Bavarian City Preachers, zu der später auch Bruno Jonas und Barbara Dorsch gehörten.

Foto: Wax


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