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Folge 2: Michael Reitberger und das Passauer Schulzentrum

„Am g´schicktesten sind die jungen Leut“

In der zweiten Folge unserer neuen Serie „Passaus gute Geister“ verrät uns Michael Reitberger, was er bei seiner Arbeit als Hausverwalter im Passauer Schulzentrum alles zu tun hat.

veröffentlicht von Esther Mischkowski am 19.01.2012 11:08 Uhr im Ressort Passau. Ich liebe Dich.
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "Passaus gute Geister" findest Du auf unserer Themenseite.

„Mei, ein Buch könnt ich schreiben.“ Michael Reitberger hat schon viel in seinem Job erlebt. Der Hausverwalter sorgt im Passauer Schulzentrum in der Neuburger Straße für Ordnung – innen wie außen. Hausmeister im klassischen Sinne seien er und sein Kollege nicht, so Reitbeger, dafür seien die Aufgaben einfach zu vielfältig. „Wir sind Problemlöser, egal wer kommt, wir finden für alles eine Lösung“, erzählt er. Dass ihm das Spaß macht, sieht man Michael Reitberger deutlich an. Sein Zuständigkeitsbereich umfasst eine Menge: Das Gelände der Staatlichen Realschule, der Staatlichen Wirtschaftsschule sowie die Dreifachturnhalle sind sein Aufgabenbereich. „In erster Linie machen wir die Gebäudesachen, also wenn was kaputt ist, von Lampen, Heizung, Telefon oder Elektrik. Und draußen müssen wir alles sauber halten, das heißt Mäharbeiten, Baumpflege, Winterdienst“, umreißt Reitberger sein Aufgabengebiet. „Es ist nie dasselbe und immer wieder eine neue Herausforderung.“ Er und ein weiterer Hausverwalter, beide bei der Stadt angestellt sind, werden dabei von zwei 1,50-Euro-Jobbern und einem Bürgerarbeiter unterstützt.


Der Computer im Büro der Hausverwaltung sei mittlerweile ein unverzichtbares Hilfsmittel bei seiner täglichen Arbeit geworden, sagt Michael Reitberger.

Zum Traumjob über ein paar Umwege


Reitberger hat seinen Traumjob im Mai 2004 gefunden, das aber erst über einige Umwege: „Ich hab eine etwas kuriose Laufbahn, habe lange als Kaminkehrer gearbeitet, dann eine Umschulung zum Radio- und Fernsehtechniker gemacht“, erinnert er sich. Dann habe er sich auf die Stelle des Hausverwalters mit Erfolg beworben. Dort kann er nun jeden Tag auch seine Fachkenntnisse aus seinen früheren Jobs praktisch anwenden. Reitberger scheint jetzt mit seinen 35 Jahren angekommen zu sein. Mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern wohnt er sogar auf dem Schulgelände, in der Hausmeisterwohnung direkt bei der Einfahrt zu den beiden Schulen. Auch seine Frau Manuela ist hier tätig, sie arbeitet beim Pausenverkauf im Kiosk. Den betreibt Reitberger als zweites Standbein nebenher auf selbstständiger Basis.


Die Wartung der Heizung übernehmen die Hausverwalter möglichst selbst.
Stolz zeigt er sein übriges Reich: Die Heizanlage im Keller - „was für Technikbegeisterte“ - wird so weit wie möglich von ihm selbst gewartet. „Wir schauen immer, dass wir der Stadt möglichst Kosten sparen“, erklärt er. Zum Glück sei das eigentlich schon 40 Jahre alte Gebäude in den letzten Jahren modernisiert worden im Zuge einer Schadstoffsanierung. „Seitdem tun wir uns viel leichter“, meint Reitberger. Beeindruckend ist auch der Fuhrpark, der der Hausmeister-Crew zur Verfügung steht. In einer einstöckigen Garage mit drei Toren parkt neben Laubsauger und Co. auch ein Rasenmähtraktor, eine Kehrmaschine und sogar ein mittelgroßer Bulldog.




Auch mal Schüler wieder „ganz“ machen


Und was gefällt ihm eigentlich am besten an seiner Arbeit? „Am g´schicktesten ist der Umgang mit den jungen Leut“, findet er. Er habe schon immer gern mit Menschen gearbeitet - „ich kann mir nicht vorstellen, in einer Fabrik zu arbeiten.“ Denn seine Arbeit ist nicht nur das Reparieren von Dingen, manchmal muss er auch Schülern dabei helfen, wieder „ganz“ zu werden. Eine Schülerin, erinnert er sich, habe mal bei ihm im Büro geklopft und nach einem Taschentuch gefragt – das Mädchen litt an Liebeskummer und hat ihm sein Herz ausgeschüttet. „Es ist einfach schön, wenn du gebraucht wirst“, freut sich der Hausverwalter. Überhaupt, „ich hätt ned geglaubt, dass hier so viele liebe Leut sind, des ist immer ein Ansporn“.

Trotzdem achtet Reitberger bei der Arbeit auf eine gewisse Distanz: „Manchmal ist man auch mal der Böse, aber das ist der Job“, meint er. Gerade bei Jugendlichen sei zu viel Nähe bedenklich: „Zu viel Freundschaft schlagt auch mal in absolute Respektlosigkeit um.“ Er selbst sehe sich eigentlich auch eher als strengen Hausmeister, der den Jugendlichen nicht viel durchgehen lässt.

Alle Phasen der Pubertät macht er mit bei den Schülern


Was seine Arbeit zusätzlich spannend macht: Bei den Schülern, die ja von der 7. bis zur 10. Klasse in die Wirtschafts- bzw. Realschule gehen, macht man „jede Phase“ mit: In der 7. sind sie noch richtige „Gangkerl“, findet Reitberger, die sich nicht ruhig halten können. „In der 8. werden´s dann cool und vorlaut und sind dann schwierig zu händeln“, weiß er zu berichten. In der 9. Klasse kommt dann oft die erste Liebe – und: Bei den Mädels fänge das „Gezicke“ an, die Buben kämen ins „motzade“ Alter. Aber, so seine Erfahrung: „In der 10. werden´s erwachen und kriegen ihre Füße wieder auf den Boden.“ Und er bricht eine Lanze für seine Schüler: „In den Medien wird immer geschimpft, dass die Jugendlichen verrohen, aber das ist nur ein ganz kleiner Prozentsatz.“

Sowieso passiert dem Hausverwalter eher Lustiges denn Abschreckendes im Arbeitsalltag. „Manchmal frage ich mich, wie die Leut heim gehen“, sagt er lachend und erklärt: Socken, Hosen, Jacken – alles bleibe liegen, und wenn es überhaupt abgeholt werde, dann oft erst Wochen später. „Mit den Fundsachen in der Dreifachturnhalle könnte man ganze Familien einkleiden.“


Fotos: Mischkowski


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