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Folge 3: Hans Krenn und das Passauer RathausDer Mann für alle FälleIn unserer Serie „Passaus gute Geister“ führt uns diesmal Hans Krenn hinter die Kulissen des Passauer Rathauses, und erzählt uns, was er dort als Hausmeister alles zu tun hat. | |  |
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "Passaus gute Geister" findest Du auf unserer Themenseite. Wenn die Elektrik nicht funktioniert, ein Drehstuhl kaputt ist oder ein Abflussrohr verstopft ist – ein Anruf bei Hans Krenn genügt. Krenn ist Hausmeister, einer von dreien, die in den Gebäuden des Passauer Rathauses rund um den Rathausplatz dafür sorgen, dass alles seine geregelten Bahnen läuft. Dazu gehören das Alte und das Neue Rathaus sowie das alte Zollgebäude. „Seit 1989 mache ich das“, erzählt der 52-Jährige, „es gefällt mir, es ist eine recht vielfältige Angelegenheit.“
 Auch privat werkelt Hans Krenn gern, verrät er uns.
Krenn ist noch ein Hausmeister im klassischen Sinn, der das Gebäude instand hält und alles erledigt, so wie es gerade anfällt. Und das ist eine ganze Menge, allein das Alte Rathaus ist ein verwinkelter Bau mit unzähligen Treppen, Stufen und verschachtelten Büros. Aus sieben Häusern besteht der Gebäudekomplex „Altes Rathaus“ – „Bürgerhäuser, die im Laufe der Jahre zusammengekauft wurden“, erklärt Krenn. Und wenn man mal ins Innere des Gebäudes vorgedrungen ist, herrscht ein Gefühl vor: Orientierungslosigkeit. Wo sind wir überhaupt gerade, ach, da ist wieder der Innenhof, jetzt sind wir in der alten Bürgermeisterwohnung, plötzlich blicken wir auf den Parkplatz für die Mitarbeiter. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. „Ich hab ein Jahr gebraucht, bis ich in allen Büros mal drin war“, erinnert sich der Hausmeister.
Sogar ein kleines Notstromaggregat aus dem Kalten Krieg gibt es noch
Das Notstromaggregat, ein Relikt aus dem Kalten Krieg. Er zeigt mir ein paar Ecken, die man als Bürger normalerweise nicht zu Gesicht bekommt. Die Heizung, die nur über eine verwinkelte Treppe zu erreichen ist. Das schon etwas angestaubte Notstromaggregat aus den 70ern im Raum daneben – ein Relikt aus dem Kalten Krieg. Im Krisenfall sollte damit früher die Telefonzentrale und so die Kommunikation aufrecht erhalten werden. Heute wird sie für den Rathaussaal genutzt, sollte mal der Strom ausfallen. „Es hat aber nur 39 Betriebsstunden drauf“, erklärt der Hausmeister schmunzelnd. Abgelegen in einem kleinen unscheinbaren Raum steht ein ebenso unscheinbares brusthohes Schränkchen. Hinter dem arglosen Äußeren verbirgt sich das Herzstück der digitalen Telefonanlage – die TK-Anlage, „komplett letztes Jahr erneuert“.
Das alte Rathaus strotzt vor historisch angehauchten Räumen, die meisten werden als Büroräume genutzt. Wie die alte Bürgermeisterwohnung, wo jetzt unter anderem der Leiter der Wirtschaftsförderung und die Abteilung für Stiftungswesen im geschichtsträchtigen Ambiente residieren. Einen wunderschönen alten Holzerker mit Blick auf die Milchgasse und das Oberhaus inklusive. Über eine kleine Treppe geht es nun auf ein kleines Dach, das auf den ersten Blick nichts Besonderes zu bieten hat. Hier habe allerdings früher der Bürgermeister einen Dachgarten gehabt, verrät Hans Krenn: „Hier wurde Schnittlauch angebaut.“
 Ein romantischer Holzbalkon war das Prunkstück in der ehemaligen Bürgermeisterwohnung.
Noch immer einen Schlafplatz in der ehemalige Hausmeisterwohnung
Auch die beiden prunkvollen Rathaussäle gehören selbstverständlich in das Aufgabengebiet der Hausverwaltung. Bei Veranstaltungen – und davon gibt es reichlich – übernehmen die Hausmeister die Organisation, klären mit Veranstalter und Caterer ab, welche Gerätschaften und welche Bestuhlung vonnöten ist. Im Anschluss an das Event muss das Ganze noch in derselben Nacht wieder abgebaut werden – wollen doch am nächsten Tag die Touristen schon wieder ungestört den pompösen Saal bewundern. Für solch lange Nächte übernachtet Krenn sogar manchmal im Rathaus. Direkt gegenüber dem Eingang zum Rathaussaal führt eine kleine Treppe in die Höhe, zur ehemaligen Hausmeisterwohnung. „Mein Vorgänger hat da noch drin gewohnt“, berichtet Krenn. Heute sind die Räumlichkeiten Büros gewichen, doch ein Zimmer bietet weiterhin die Möglichkeit, dort zu übernachten. Ab und an nutzt der Hausmeister dieses Angebot, denn er pendelt von Rosenberg bei Jandelsbrunn täglich nach Passau. Und wenn, wie vor kurzem beim Neujahrsempfang, die Abbauarbeiten bis in die frühen Morgenstunden dauern, ist ein Plätzchen zum Schlafen hochwillkommen. Das Hausverwaltungsbüro liegt heute direkt neben dem Rathaussaal und bietet einen wundervollen Blick auf den Rathausplatz und den Oberhausberg. Andere Rathausmitarbeiter haben schon des öfteren ihr Interesse an den schönen Räumlichkeiten bekundet, „aber wir konnten es immer verteidigen“, freut sich Krenn mit einem spitzbübischen Lächeln.
Der Herr der Schlüssel: Hans Krenn gewährt uns einen Blick in die umfangreiche Schlüsselsammlung zu den Türen des Rathauses. Früher habe er sogar mal in Passau gewohnt, erzählt der 52-Jährige, damals, zu der Zeit, als er noch als Lkw-Mechaniker für die Landauer Transportgesellschaft (LTG) gearbeitet habe. Zu seiner Stelle als Hausmeister im Rathaus ist er auf Umwegen gekommen. Er bewarb sich auf einen Job im Städtischen Bauhof, wo sie einen Kfz-Mechaniker suchten. „Da war ich aber zu spät dran, die Stelle war schon anderweitig vergeben“, erinnert sich Krenn. Er wurde aber in die Personalakten aufgenommen und als dann einer der damals vier Hausmeister plötzlich erkrankte, war seine Zeit doch noch gekommen. Und sein Wissen als Kfz-Mechaniker ist bei der Arbeit auch immer wieder von großer Hilfe. Außerdem: „Ich werkel überhaupt gern“, verrät er. Auch daheim in seinem Haus und seiner Werkstatt habe er immer was zu tun, genau wie in der Arbeit.
Das Hochwasser ist ein „Kapitel für sich“
Sein Engagement ist besonders gefragt, wenn mal wieder eines der zahlreichen Hochwasser Passaus Keller flutet. „Das ist ein Kapitel für sich“, meint Krenn. Seit etwa sieben Jahren verfügen die Rathausgebäude über einen Hochwasserschutz: Je nach Bedarf werden Aluminiumprofile in die Tür- und Fensteröffnungen geklemmt, sodass das Wasser nicht mehr eindringen kann. Acht Leute sind dafür zuständig, die Platten einzubauen. Was vom Grundwasser über den Boden in die Räume gedrückt wird, wird mit Tauchpumpen ausgepumpt. „Früher wurde alles geflutet, das hinterließ immer viel Dreck und Schäden“, erinnert sich der Hausmeister ungern. „Wenn Hochwasser ist, ist Tag und Nacht immer einer von uns da, und wenn´s eng hergeht, hilft die Feuerwehr.“ Leider ist nicht alles komplett mit einem Hochwasserschutz ausgestattet, die Tiefgarage im Neuen Rathaus etwa ist auch weiterhin Opfer der Fluten. Da heißt es dann Schaufeln, sobald das Wasser wieder draußen ist: „Wir müssen den Schlamm so schnell wie möglich raus bringen, bevor er eintrocknet“, so Krenn. Auch in der Hausmeisterwerkstatt, ein Gewölbekeller unterhalb des Rathaussaales, mit Werkbank und Geräten, die man als Hausmeister so braucht, stand früher das Wasser auch mal gern einen Meter hoch.
Dafür gibt es aber auch Zeiten, wo es die Hausmeister langsamer angehen lassen können. „Im August, in der Ferienzeit ist es am ruhigsten“, berichtet Krenn. Dennoch: „Langweilig wird’s nie.“
Fotos: Mischkowski
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