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Folge 4: Martin Jäger und das PEB

„Wir haben alles schon gehabt“

Unter dem Badebecken des Passauer Erlebnisbades erstrecken sich riesige Katakomben, vollgestopft mit Technik: Martin Jäger zeigt uns in einer neuen Folge von „Passaus gute Geister“, welche Maschinerie sich hinter dem Badevergnügen verbirgt.

veröffentlicht von Esther Mischkowski am 02.02.2012 08:49 Uhr im Ressort Passau. Ich liebe Dich.
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "Passaus gute Geister" findest Du auf unserer Themenseite.

Während ein Stockwerk höher Kinder lachende im Becken planschen und aktive Senioren gemütlich ihre Bahnen schwimmen, herrscht in unterirdischen Hallen darunter ebenfalls geschäftiges Treiben. Allerdings nur in einer von beiden: Es ist Januar – und da sind die Außenbecken gesperrt. Und so läuft auch dieser Kellerbereich nur auf Sparflamme. Ein paar Displays leuchten, aber ansonsten herrscht gespenstische Stille zwischen den riesigen Wasserbehältern und den schier endlos erscheinenden Rohleitungen. „Das Wasser wird auch im Winter nicht aus den Becken gelassen, weil sie nicht gefliest sind, sondern mit Edelstahl ausgekleidet“, erklärt Martin Jäger.



Der 30-Jährige aus Neukirchen am Inn arbeitet seit sechs Jahren im Passauer Erlebnisbad (PEB), vor einem halben Jahr ist er zum stellvertretenden Teamleiter aufgerückt. In der Halle, wo die Umwälzanlagen für die Außenbecken untergebracht sind, schaut aber auch in der Winterzeit täglich ein Techniker vorbei und kontrolliert die Werte. Wenn im Sommer die Badegäste im Wasser sind, muss natürlich noch penibler auf Chlor- und pH-Werte geachtet werden – die sind streng von der DIN vorgegeben.

Chemisches Grundwissen ist Pflicht


Im Wasser, so berichtet der gelernte Wassertechniker Jäger, befindet sich freies und gebundenes Chlor. „Das gebundene Chlor hat bereits Schmutz aufgenommen“, erklärt Jäger. Es sei ein weitverbreiteter Irrglaube, dass das Chlor in den Augen brenne. „Das ist nämlich in Wirklichkeit der Schmutz“, erklärt er. Arbeitet man in einem Bäderbetrieb, dann sind chemische Kenntnisse Pflicht. So muss man wissen, das bei der Verbindung von Chlor und Wasser Salzsäure entstehen kann – die wird aber ganz natürlich in Marmorkiestürmen, durch die das Wasser gefiltert wird, neutralisiert. Überhaupt ist Filtern das A und O – das Badewasser fließt regelmäßig durch beeindruckend große unterirdische Filtertürme, angefüllt mit mehreren Schichten Kies und Sand – immer feiner und feiner. „Die Filter selbst werden zwei Mal pro Woche gespült“, erzählt Jäger.



Solche Filtertürme stehen auch in der nächsten Halle. Hier ist allerdings die Stille vorbei, ein lautes Brummen macht das Reden schwierig. Doch das ist nicht das einzige: Sobald man durch die Verbindungstür zwischen den Katakomben tritt, schlägt einem ein Schwall warmer Luft entgegen. Ganz klar, hier ist man unter dem Hallenbad. Hinter den Betonmauern, die teils rund geformt sind, vermutet man zu Recht die Wasserbecken, die bis in den Untergrund reichen. Und die Rohre sind dick mit Isolierung verkleidet – hier darf keine Wärmeenergie verloren gehen, erklärt Jäger. Hier unten werkeln drei Techniker, einer baut gerade an einer neuen Anlage zur Schlammwasseraufbereitung. Auch ihre Werkstatt haben sie in dem fast zu warmen Kellergeschoß eingerichtet. Aus einer Ecke drängt ein intensiver Geruch. „Hier werden die Aromen für die Sauna aufbewahrt“, sagt Jäger und deutet auf ein Regal mit großen Plastikbehältern.

800 Gäste an einem normalen Tag, in den Ferien bis zu 2.000


Über ein paar verwinkelte Gänge und Treppen, bei denen manchmal Kopfeinziehen gefragt ist, vorbei an unverbauten Kacheln für das Balineum, steht man plötzlich am Fuß einer metallenen Wendeltreppe, die direkt in die Zentrale des Aufsichtspersonals führt. Eine Glasfront eröffnet den Bademeistern einen Rundumblick durch die Schwimmhalle, auf Monitoren sieht man einzelne Beckenbereiche. „16 Leute arbeiten in drei Schichten im Aufsichtsdienst“, erklärt Jäger. Und die haben viel zu tun. An normalen Tagen sind am Tag etwa 800 Gäste im Bad, schätzt der 30-Jährige. „In den Ferien werden das aber auch mal 2.000.“

Ein Anziehungspunkt für skurrile Gestalten


Und dabei bleibt es nicht aus, dass den PEB-Mitarbeitern viel Skurriles passiert. „Wir haben schon alles gehabt“, erzählt Jäger mit einem Schmunzeln. „Bei uns wurden schon nächtliche Parties im Freibad gefeiert, die sogar mit Vandalismus endeten.“ Spektakulär, so erinnert sich Jäger, sei auch die Montagssauna gewesen: Der Herrenabend wurde schnell ein szenebekannter Schwulentreff. „Das ging bis zu handgreiflichen Belästigung von Kollegen“, berichtet Jäger. Auch in den Medien erregte die mittlerweile abgeschaffte Montagssauna viel Aufmerksamkeit. Generell müsse man auf Pärchen immer ein waches Auge haben. „Die vergnügen sich gern im Solebecken“, musste Jäger schon oft die unliebsame Erfahrung machen. Normalerweise hat er mit den Badegästen selbst wenig zu tun, aber Beschwerden landen auf seinem Tisch. Als stellvertretender Teamleiter habe er mittlerweile eher organisatorische und Verwaltungsaufgaben, erzählt der ausgebildete Fachangestellte für Bäderbetriebe, der seit zwei Jahren zudem ein BWL-Fernstudium macht. Aber selbst vor dem Computer gibt es immer wieder was zu lachen. „Ich habe mal eine Anfrage per E-Mail bekommen von einem jungen Mann. Der wollte wissen, ob es erlaubt ist, einen String-Tanga zu tragen.“


Fotos: Mischkowski


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