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Unikino Passau – Blockbuster und Klassiker im Hörsaal

Wenn der Hörsaal zur Filmbühne wird

400 Sitzplätze, eine große Leinwand, es laufen verschiedene Filmtrailer. Wir befinden uns nicht in einem Kino sondern im Hörsaal 5 der Universität.

veröffentlicht von Andrea Bogensperger am 12.03.2012 10:15 Uhr im Ressort Land & Leute
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "UNI TIATIVE - Hochschulgruppen in Passau" findest Du auf unserer Themenseite.

Als Finale für das Programm des Wintersemesters lädt das Unikino an diesem Dienstag zu „Hangover 2“ ein. Wir sind dabei und holen uns einen Eindruck für unseren Beitrag der Serie "UNItiative".

Die letzten Vorbereitungen werden getroffen, bevor die Veranstaltung eine Stunde später starten soll. Man rechnet mit großem Andrang an diesem Kinoabend. „Gerade jetzt in der Prüfungsphase laufen Blockbuster immer ziemlich gut“, erklärt Michael Heumos,Vorsitzender der Hochschulgruppe, „das ist eine tolle Abwechslung zum Lernstress“. Eine Stunde bleibt noch bis zum Filmstart. Die Aufgaben werden verteilt, Plakate aufgehängt, vorm Hörsaal werden Tische aufgestellt, die Kassen vorbereitet. Die zehnköpfige Gruppe wirkt entspannt, ist sie doch bereits ein eingespieltes Team.

Im Sommer Blockbuster, im Winter mehr Drama


Während sich draußen die ersten Studenten zum Kartenverkauf anstellen, erklären Michael und sein Team, wie viel Arbeit abgesehen von den zwei Stunden Filmvorführung hinter den Kulissen zu bewältigen ist. Jedes Semester müsse zunächst ein Programm zusammengestellt werden, derzeit diskutiere das Team bereits einige Filmvorschläge für das Sommersemester. Grundsätzlich könnten nur Filme gezeigt werden, die bereits auf DVD erschienen sind. „Wir arbeiten dafür mit der Agentur unifilm.de in Göttingen zusammen, die uns den reibungslosen Ablauf erleichtert. Die stellen die Filme und Werbematerial wie Flyer und Plakate zur Verfügung, dafür bekommen sie 75 Prozent unserer Einnahmen“, erklärt Michael. Meist könnten die Filmwünsche aus Passau berücksichtigt werden, nur selten käme aus Göttingen eine schlechte Nachricht. Die Migrantenkomödie „Almanya“ hätten sie etwa dieses Semester nicht bekommen. Hinter der Programmauswahl, so erzählt Martin weiter, stecke weit mehr als man vielleicht vermuten könnte. Zum Einen wäre die Auswahl im Winter und im Sommer unterschiedlich. In der heißen Jahreszeit könne man mit Blockbustern und Komödien mehr Besucher anlocken, im Winter gäbe es dafür „ein bisschen mehr Drama“ und Kinoklassiker zu sehen.


Michael Heumos (hinten Mitte) und sein Unikino-Team im Wintersemester. Im Sommer werden es wieder ein paar mehr sein, wenn einige der Teammitglieder aus dem Ausland zurückkommen.

Auch der Termin sei bei manchen Filmen entscheidend, weswegen „Hangover 2“ etwa nun zum Semesterende liefe. Grundsätzlich beginnt das Unikino-Programm immer erst in der zweiten Vorlesungswoche, in der ersten Woche müssten sich die meisten erst wieder in Passau einleben, meint Michael. Neben aktuellen Filmen stünden auch immer wieder Filmklassiker auf dem Programm, zudem gibt es in Zusammenarbeit mit anderen Hochschulgruppen oft Vorführungen zu einem bestimmten Thema. Im nächsten Semester soll etwa im Zuge der „Anti-Rassismus-Woche“ in Zusammenarbeit mit dem AStA-SprecherInnenrat ein thematischer Film gezeigt werden.


Schon eine dreiviertel Stunde vor Filmbeginn stehen die Besucher im Wiwi Schlange.
Die ersten Studenten stürmen den Hörsaal, packen Bier, Wein, Chips aus und richten sich beinahe häuslich auf ihren Plätzen ein. Doch schon nach wenigen Minuten scheint der Besucherstrom abzureißen, von draußen kommen nur noch vereinzelt ein paar Kinobesucher in den Hörsaal. Zuletzt sind es gut 150, schätzt Michael. Eine Enttäuschung? „Ja, wir hätten schon mit mehr Besuchern für heute gerechnet, alles unter 200 ist eigentlich eine schlechte Bilanz für den heutigen Abend. Aber vielleicht liegt's ja doch an der Prüfungszeit“, meint er. Grundsätzlich könne man nicht sagen, ab welcher Besucherzahl ein Abend erfolgreich war oder nicht. „Das hängt ganz vom Film ab“, erklärt Filmliebhaber Michael, „bei älteren Filmen oder Kinoklassikern sind 150 Leute ein Riesenerfolg, bei aktuellem Kinomaterial sind 200 bis 300 Leute ein sehr guter Schnitt“.

Mal sehen 40 zu, mal 400


Als Beispiel für einen richtigen Reinfall nennt Michael den Film „Snatch – Schweine und Diamanten“. Gerade einmal 40 Leute inklusive des Unikino-Teams hätten seinerzeit die britische Filmkomödie angeschaut. Überrascht war man hingegen vom enormen Ansturm bei „The King's Speech“ in englischer Originalversion. Brechend voll war der Hörsaal mit seinen 400 Sitzplätzen, so dass sogar Besucher abgewiesen werden mussten. „Das wollen manche dann nicht verstehen, aber wir haben auch Regeln, an die wir uns halten müssen“, sagt das Team. Ansonsten seien Ausfälle von Besucherseite eher eine Seltenheit. Einmal erst habe es einen wirklich unangenehmen Zwischenfall gegeben: Bei der Vorführung der „Feuerzangenbowle“ mit vorangehendem Glühweinausschank hatte ein Student wohl schon etwas zu tief ins Glas geschaut und machte während der Trailershow lautstark seinem Ärger Luft, nun endlich den richtigen Film sehen zu wollen. Dies sei aber ein Einzelfall gewesen, so Michael.


Besser gefüllt als manche Vorlesung, und doch unter den Erwartungen: Gut 150 Zuschauer kamen zur Filmvorführung von "Hangover 2" im Unikino dieses Semester.

Bevor die Filmvorführung nun schließlich beginnt, begrüßt Michael die Zuschauer und verkündet den Wunschfilm, der über das ganze Semester von den Besuchern gewählt werden konnte: „127 Hours“, ein biographischer Film über einen Kletterer, der mehr als fünf Tage in einer Felsspalte gefangen ist, hat sich gegen andere Blockbuster wie „Nichts zu verzollen“ und „Freundschaft Plus“ durchsetzen können. Es folgen einige Filmtrailer, schließlich startet die mit Spannung erwartete Komödie „Hangover 2“. Und auch wenn es „nur“ 150 Leute sind, die die Folgen eines Junggesellenabschieds dreier Amerikaner in Thailand verfolgen, so ist deren Lachen doch saalfüllend.

Aufräumen à la „Ghostbuster“


Bis nach dem Abspann, der in den „Hangover“-Filmen aus Fotos der vergangenen Partynacht besteht, sind die Unikinobesucher gut unterhalten. Nachdem alle den Saal verlassen haben, ist für das Unikino-Team der Abend aber noch nicht zu Ende. Die Tische, die zum Kartenverkauf gebraucht wurden, müssen wieder in die Seminarräume zurückgebracht werden, sonst drohe Ärger mit der Hausverwaltung wie schon von einigen Semestern, erzählt Michael Heumos. „Wir genießen als Hochschulgruppen einen guten Ruf und haben so manche Privilegien was etwa die Raumreservierung anbelangt. Doch einmal haben wir einfach vergessen, die Tische wieder zurückzutragen und bekamen gleich ein Verbot ausgesprochen. Der Hausmeister hat uns dann aber doch unter der Hand weitergeholfen“, erzählt er. Schließlich werden mit einem schulterbaren Staubsauger à la „Ghostbuster“ noch die Hinterlassenschaften der Kinobesucher beseitigt. Zwar sei der Zustand des Hörsaals in keiner Weise vergleichbar mit einem echten Kinosaal doch das Team ist sich einig: „Manche können einfach ihre Chips nicht essen“.

Mehr über das Unikino Passau findet ihr auf deren Internetseite sowie bei Facebook. Wer noch Lust hat, sich im nächsten Semester unter die Filmfreunde zu mischen und noch an der Programmaufstellung mitzufeilen, der ist dem Team jederzeit willkommen. Zu erreichen ist das Unikino unter unikinopassau@gmx.de oder per Facebooknachricht.

Fotos: Andrea Bogensperger / Johannes Zauner


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