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Folge 5: Dirk Kirstein, Robert Jäger und die StadtgalerieDie "Männer in Rot" sind immer auf dem SprungAuch in der Stadtgalerie sorgen „gute Geister“ für Ordnung: Die Haustechniker, die „Männer in Rot“. Der Technische Leiter Dirk Kirstein und sein Stellvertreter Robert Jäger gewähren einen kleinen Einblick. | |  |
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "Passaus gute Geister" findest Du auf unserer Themenseite. Gesehen hat sie wahrscheinlich schon jeder, der in der Passauer Stadtgalerie zum Shoppen gegangen ist: Die "Männer in Rot". „Technicians“ heißen sie eigentlich offiziell im Jargon des Investors ECE, sie kümmern sich um die Wartung des Gebäudes, die Technik und was sonst noch so anfällt.
„Zuagroast“, aber von Anfang an dabei
Technical Manager Dirk Kirstein – er ist als Chef strenggenommen kein „Mann in Rot“ - und sein Stellvertreter Robert Jäger behüten das ECE-Center in Passau wie ihren Augapfel und haben dabei noch drei Techniker zur Seite. „Bewachung, Wartung und Pflege des Gebäudes“, umfasst Kirstein kurz und knapp die Aufgaben der Technicians. Er selbst war in Passau von Beginn mit dabei, zog beim Bau der Stadtgalerie und dem dazugehörigem Parkhaus die Fäden. Am Dialekt hört man aber sofort: Der 38-Jährige ist nicht von hier, geboren ist der „Zuagroaste“ in Hoyerswerda in der Lausitz. „Seit fast 17 Jahren bin ich bei der ECE“, erzählt er. Ursprünglich hat der Elektrotechnik-Meister im Kraftwerksbau gelernt, hat dann als Techniker im Lausitzcenter angefangen und sich nach oben gearbeitet. Schon einmal hat er eine Center-Neueröffnung als Technical Manager geleitet, in Bautzen im Jahr 2000. Dann hat es ihn aber ins schöne Passau verschlagen, mit seiner Frau und den beiden Kindern wohnt er nun in Schalding r. d. D. „Ich fühl mich in Passau sehr gut aufgehoben“, stellt er fest.
Dirk Kirstein (l.) und Martin Jäger sorgen hinter den Kulissen der Stadtgalerie dafür, dass alles seinen geregelten Lauf nimmt: Man weiß nie, was der Tag so bringt.“
In den neuen Job „gefallen“
Sein Stellvertreter hingegen, Robert Jäger, ist ein Passauer Gewächs. Er ist aber mittlerweile mit der Freundin nach Ruderting gezogen ist. Wie der 33-Jährige zur Stadtgalerie gekommen ist, ist eine ungewöhnliche und komische Geschichte: „Ich bin in einen Schacht gefallen“, erzählt er schmunzelnd und klärt mich dann auf: Der Lüftungstechniker hat früher bei der Firma Höber gearbeitet, die auch am Bau der Stadtgalerie beteiligt war. Und wie es der Zufall so will, ist Jäger genau auf dieser Baustelle in besagten Schacht gefallen, hat sich eine Kapsel gerissen. „Ich bin dann krank daheim gelegen und hab zufällig die Stellenanzeige gelesen“, erzählt er. Kurzerhand habe er sich beworben und nach drei Bewerbungsgesprächen – Standardprozedur bei der ECE, erklärt sein Chef Dirk Kirstein – hat er im Juli 2008 seinen neuen Job angetreten. „Wir sind sehr froh, dass wir ihn bekommen haben, er kennt wirklich jeden Winkel“, meint sein Chef Kirstein. Gerade auch bei der nachträglichen Bearbeitung von Baumängeln habe Jäger sich als Glücksgriff erwiesen, verrät Kirstein augenzwinkernd.
Die Lüftungsanlagen auf dem Parkdeck sind hinter weißen Verkleidungen Verborgen. Jeder „Mann in Rot“ hat sein Spezialgebiet, bei der Zusammenstellung des Teams hat Kirstein sehr genau darauf geachtet, dass er verschiedenste Fähigkeiten und Ausbildungen darin vereint. Und dementsprechend hat jeder auch seinen speziellen Technikbereich im Gebäude, der seiner besonderen Aufmerksamkeit unterliegt. Um Jägers Augapfel zu finden, muss man Treppen steigen - entweder hinab in den Keller oder ganz hinauf auf das oberste Parkdeck der Packgarage: Weiß verkleidete Lüftungsanlagen mit großen Aluminiumluftschächten stehen dort – insgesamt neun Stück sind im Einsatz, alle auf dem neuesten Stand. „Wir arbeiten mit Wärmerückgewinnung“, erklärt Jäger. Das Center-Management als Vermieter sorgt für eine Grundtemperatur von 16 bis 18 Grad im Gebäude – dazu muss dank der effizienten Nutzung der Gebäudeabluft nur selten die Heizung zugeschaltet werden, „erst so ab minus zehn Grad“, erklärt Jäger. In jedem Geschäft kann man dann noch extra die Temperatur über Heizungs- und Lüftungsanlage regeln. Wie viel ein Geschäft heizen oder kühlen muss, hängt stark von der Beleuchtung und deren Wärmestrahlung ab. „Wir haben ein neues Geschäft, das komplett mit LED-Lichtern ausgestattet ist, da brauchen wir zum Beispiel überhaupt keine zusätzliche Lüftung“, erklärt Jäger.
1.000 PS sorgen für den Notfall
Dirk Kirstein und sein "Honda-Motor", das Notstromaggregat der Stadtgalerie. Der Elektrotechniker Kirsten hingegen wirft besonders auf die Trafos einen achtsamen Blick, die im Inneren des Gebäudes hinter streng verschlossenen Türen verborgen sind. Acht Stück sind in der Stadtgalerie im Betrieb – auf jedem läuft „mehr Strom als auf der Bahnleitung“, so Kirsten. Ein besonders großer Stromfresser ist der Elektrofachmarkt Saturn im Untergeschoss, der einen Trafo für sich allein in Beschlag nimmt. Sollte der Strom mal ausfallen, springt „mein Hondamotor“ ein, wie Kirstein schon fast liebevoll das gigantische Notstromaggregat auf dem Parkdeck nennt. Beißender Dieselgeruch schlägt einem entgegen, sobald man die Tür öffnet. „Damit kann bei Stromausfall alle sicherheitsrelevante Technik versorgt werden, Brandmeldealage, Notlicht, Lifte und Sprinkleranlagen“, erklärt Kirstein. Der knapp 1.000 PS starke Motor kann im Ernstfall etwa ein Woche lang durchlaufen.
Zu Kirsteins Aufgabenbereich gehört aber auch die Verwaltung der Nebenkosten aller Mieter. „Das ist ein jährliches Budget von knapp zwei Millionen Euro“, verrät er, da wird natürlich ständig nach Einsparpotenzialen gesucht, ohne das die Kunden etwas davon mitbekommen sollen. Als Brandschutzbeauftragter des Centers ist er zudem auch für die Sicherheit im Gebäude zuständig, führt regelmäßige Begehungen mit der Feuerwehr und der Polizei durch, auch die Center-Räumung bei Gefahr muss geübt werde. „Alle Kunden und Mitarbeiter sind komplett nach ca. 15 Minuten draußen“, berichtet Kirstein, der sich auch privat bei der Schaldinger Feuerwehr der Feuerbekämpfung widmet. Bricht wirklich ein Brand aus, führt der erste Weg der Feuerwehrler direkt in das Untergeschoss, wo die Brandmeldezentrale mit allen Feuerwehrlaufkarten bereit ist. „Im ganzen Gebäude haben wir außerdem einen Feuerwehrgebäudefunk eingebaut“, erklärt Kirstein – der schaltet sich bei Alarm automatisch an und sorgt dafür, dass die Feuerwehrler noch in den abgelegensten Ecken über Funk kommunizieren können.
 Robert Jäger zeigt die Feuerwehrlaufkarten, die in der Brandmeldezentrale bereit liegen.
Die Spindel und ihr ungeahnter Inhalt
Sicherheit ist überhaupt ein großes Thema bei so einem stark frequentierten Gebäude wie der Stadtgalerie. Die Technicians beispielsweise sind auch ausgebildete Ersthelfer und wissen was zu tun ist, wenn jemand in Ohnmacht fällt oder sich verletzt. Für den Brandfall sind außerdem überall Sprinkleranlage eingebaut, im Keller steht ein Wasserbehälter unter Druck, mindestens 160 Liter können so pro Minute aus einem Sprinklerkopf sprudeln. Falls das Wasser nicht reicht, gibt es noch einen Reservetank – verborgen im Kern der Spindel, über die man von außen ins Parkhaus hinauf fährt. „Der Drehwurm ist also nicht umsonst“, meint Jäger schmunzelnd.
Im oberen Teil der Spindel befindet sich außerdem noch ein Lagerraum – einer von vielen in dem Gebäude. Hier glitzert und funkelt es, die Weihnachtsdeko wird hier aufbewahrt, inklusive der kristallenen Lüster und dem großen Weihnachtsbaum – zerlegt in drei traurig anmutende Teile. Schon ab dem ersten Novemberwochenende beginnt der Aufbau des Weihnachtszaubers mit Unterstützung auswärtiger Firmen – und dabei gilt es auch mal Nerven bewahren: Wenn etwas an der Decke befestigt werden muss, nutzen die „Männer in Rot“ einen ihrer zwei hauseigenen Steiger – und hängen ganz schön in der Luft. „Von ganz unten bis zur Decke sind es etwa 27 Meter“, erklärt Kirstein. „Das ist nix für Höhenkranke“, fügt Jäger schelmisch lächelnd hinzu.
Am Spitzentag 18 Kilometer gelaufen
Von einem zentralen Bildschirm in den Räumen des Center-Managements aus kann man sämtliche Gebäudetechnik steuern. Nicht nur zu Deko-Hochzeiten wie Weihnachten oder Ostern gibt es viel zu tun für die „Männer in Rot“ - eigentlich sind sie immer am Rennen. Jäger nimmt es mit Humor: „Das Haus ist halt groß, und es passiert aus Prinzip immer am ganz anderen Eck.“ Sobald eine Störung passiert, wird diese zentral an einem Computer im Center-Management registriert und dem diensthabenden Technician auf ein spezielles Handy gemeldet, dass immer einer der Mitarbeiter bei sich tragen muss. Und dieses Handy piept ständig, auch während unserer Tour. Aber genau das sei auch das Schöne, meint Jäger: „Man weiß nie, was der Tag so bringt.“ Er habe mal zum Spaß eine Weile einen Schrittzähler getragen, erzählt der 33-Jährige. „In einer Schicht bin ich durchschnittlich neun bis 12 Kilometer gelaufen und der Spitzentag war 18 Kilometer.“ Die Technicians arbeiten dabei in drei Schichten, schon früh morgens ist jemand da, denn dann werden die Geschäfte beliefert. „Ab sechs Uhr herrscht hier Dauerbetrieb“, erzählt Kirstein, als wir die Anlieferungszone im rückseitigen Gebäudebereich betreten. Nachts sieht man von außen gar nichts von der Lieferzone, was an der besonderen, komplett herunter klappbaren, in Deutschland bisher einzigartigen Torkonstruktion liegt, wie Kirstein verrät.
Zum Anschluss der Tour erzählen mir die beiden noch eine Anekdote, die einen kleinen Einblick vermittelt, wie unterschiedlich die täglichen Störungen ausfallen können. Bei einem Sommerfest hat die Stadt in der Bahnhofstraße mal eine Art Tauchglocke aufgebaut, die dann plötzlich geplatzt ist. „Als wir dann am Montag in die Arbeit gekommen sind, kam uns im Untergeschoss plötzlich Wasser aus dem Lift“, erinnert sich Jäger. Keiner hatte eine Idee, woher die nasse Überraschung käme. „Erst ein paar Tage später stellte sich heraus, dass es von der Tauchglocke war“, erzählt Kirstein. Die Verantwortlichen hätten wahrscheinlich gar nicht daran gedacht, dass das Wasser in die Stadtgalerie fließen könnte, anstatt einfach zu versickern, und deshalb nichts gesagt. „So ist das halt bei uns, es kommt alles vor, das ist einfach unser Alltag“, meint Jäger ungerührt. Und schon piept wieder das Handy.
Fotos: Mischkowski
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