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Folge 10: Matthias Koopmann und das versteckte KleinodPassau - meine Stadt: Die Canope-GrotteLiegt Passaus Schönheit an groß angelegten Plätzen, in einer engen Altstadt-Gasse oder eher im winzigen Detail? An einem Fenster, einer Tür, einer Kritzelei? | |  |
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "Passau - meine Stadt" findest Du auf unserer Themenseite. lokalnews.de will mit der Serie „Passau – meine Stadt“ verschiedene Facette darstellen. Passauer – bekannte oder unbekannte – zeigen uns ihre Lieblingsstelle in der Stadt, an der man sich nicht sattsehen kann.
Heute zeigt uns Stadtfuchs Matthias Koopmann sein persönliches Passau.

Ihre Lieblingsstelle in Passau, Herr Koopmann?
Die Canope-Grotte im Schlosspark Freudenhain. Man kann hier noch gut erkennen, wie das Steinbauwerk früher ausgesehen hat. Hier stand einst eine Skulptur, die einer Canope nachempfunden waren, also einem ägyptischen Gefäß. Aus der Skulptur hier trat Wasser in Strahlen aus. Die Canope war silbrig-schwarz gefasst, der Hintergrund der Grotte war rötlich bemalt. Wenn Licht auf die Wasserstrahlen fiel, muss das toll reflektiert haben. Vor der Grotte war ein Bassin, das das Wasser aufgefangen und in den Bach gegenüber geleitet hat.
Ägyptische Gefäße im Freudenhain-Park? Das müssen Sie uns näher erklären.
Der Park wurde ab 1786 angelegt. Staffagebauten wie diese Grotte hier gab es überall auf dem Gelände. Sie dienten auch dem hiesigen Freimaurertum. Und zu den Aufnahmeritualen der Freimaurer gehörte das Spiel mit Feuer und Wasser, das in der Grotte dargestellt wurde. Ursprung dessen ist eine Legende aus der Antike, für die die Freimaurer sich interessierten: Im Götterwettstreit schickten die Chaldäer den Feuergott ins Rennen, die Ägypter den Wassergott, den sie mit einer Canope verehrten. Und sie waren clever, sie füllten die Canope mit Wasser und verschlossen die Öffnungen mit Wachs. Im Streit Feuer gegen Wasser schmolz das Wachs, das Wasser trat aus und löschte das Feuer.
Und warum ist diese Stelle typisch Passau?
Zum einen weil das hier einer von vielen kulturhistorischen Schätzen ist, die nicht beachtet werden. Man sucht in Passau immer nach dem Großen, Einzigartigen, aber dass man das längst hat, merkt man nicht. Zum anderen hatte dieser Park einst eine viel wichtigere Bedeutung. Er war der Passauer Bevölkerung gewidmet. Heute ist nur noch ein Viertel der ursprünglichen Fläche da. Als das Fürstentum aufgelöst wurde, wurde dieser Park ausgeschlachtet, tolle Objekte stehen jetzt in München oder Regensburg. Ein weiterer Grund: Kaum einer kennt diese Grotte. Und das ist typisch Passau. Der Passauer an sich denkt, er kennt seine Stadt. Er definiert sein Passau-Sein aber mehr über den Freundeskreis, über Vereinsleben. Geschichtlich gesehen weiß der Passauer oft weniger als jeder Tourist. Und dann hat die Grotte noch für mich persönlich eine besondere Bedeutung.
Welche?
Hier habe ich meine erste Führung abgehalten, lange bevor ich Stadtfuchs wurde. Das war 1997 und das Thema der Europäischen Wochen lautete Romantik. Ich habe dann eine Führung hierher als Programmpunkt vorgeschlagen und das O.k. dafür bekommen. Über 100 Leute kamen, und das, obwohl es regnete. Daraufhin kam mir die Idee von Passau-Führungen abseits der typischen Pfade.
Wann haben Sie diese Stelle entdeckt?
Als ich nach Passau gezogen bin habe ich im Langlebenhof am Freudenhain-Park gewohnt. Ich steckte mitten in der Doktorarbeit und bin oft mit dem Diktiergerät hier spazieren gegangen. Ich habe mich in meinem Studium mit barocker Raumplanung befasst und da fiel mir einfach auf, wie viel davon man hier noch erkennt.
Wie oft kommen Sie her?
Früher habe ich jeden zweiten Tag vorbeigeschaut. Mittlerweile wohne ich schon lange nicht mehr in diesem Stadtteil und wie es halt so ist, die Freizeit verbringt man da, wo man lebt. Mit den Stadtfuchs-Touren bin ich im Sommer ein, zwei Mal da. Öfter, dafür fehlt mir die Zeit. Leider. Es ist ein wundervoller Ort.
Wen oder was nehmen Sie mit?
Früher hatte ich ein Buch dabei oder, wie gesagt, mein Diktiergerät. Heute komme ich in Begleitung meiner Freundin oder der Reisegruppe.
Matthias Koopmann ist 45 Jahre alt und lebt seit 1995 in Passau. Er ist in Gelsenkirchen geboren, studierte in Bochum und Bonn die Fächer Vor- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte und Mittelalterliche Geschichte. Nach Passau kam er als Stipendiat der Studienstiftung und schrieb hier seine Doktorarbeit. offiziell gründete er den "Stadtfuchs" mit seinem Kostüm- und Theatertouren durch die Stadt 2001, die ersten Touren gab es schon einige Jahre vorher. Momentan hat er ein Team aus 15 Leuten, die im Schnitt 800 Veranstaltungen im Jahr stemmen. Koopmann ist Stadtrat (Passauer Liste) und als Schriftsteller tätig. Foto: Wax
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