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Folge 11: Stadtarchäologe Niemeier und der Grabstein

Passau - meine Stadt: Der Weinhändler

Liegt Passaus Schönheit an groß angelegten Plätzen, in einer engen Altstadt-Gasse oder eher im winzigen Detail? An einem Fenster, einer Tür, einer Kritzelei?

veröffentlicht von Susanne Wax am 20.04.2011 17:22 Uhr im Ressort Passau. Ich liebe Dich.
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "Passau - meine Stadt" findest Du auf unserer Themenseite.

lokalnews.de will mit der Serie „Passau – meine Stadt“ verschiedene Facette darstellen. Passauer – bekannte oder unbekannte – zeigen uns ihre Lieblingsstelle in der Stadt, an der man sich nicht sattsehen kann.

Heute zeigt uns Stadtarchäologe Jörg-Peter Niemeier sein persönliches Passau.



Ihre Lieblingsstelle in Passau, Herr Niemeier?
Der Grabstein eines Weinhändlers hier im Römermuseum Boiotro. Ein langweiliger Stein, werden Sie sagen. Aber es steckt Interessantes dahinter. Geborgen wurde der Stein 1981 aus dem Inn auf Höhe des Schaiblingsturms. Seit zwei Jahren haben wir leider nur noch einen Abguss hier stehen, aber er steht dem Original wie ich finde in nichts nach.


Beschreiben Sie uns den Stein.
Er hat eine lateinische Inschrift die erklärt, auf wessen Grab er steht, wer das war, woher er war und wie alt er wurde. Es handelt sich um den Weinhändler Publius Tenatius Essimnus aus Trient, der mit 53 Jahren gestorben ist. Er lebte in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts. Seitlich ist dieser Weinhändler dargestellt, er trägt eine Tunika, sozusagen ein XXL-T-Shirt, er hält einen Korb, wohl mit Trauben darin, man sieht Fässer und einen gläsernen Stechheber. Der Weinhändler hat wohl in Passau gelebt und gearbeitet. Dass es hier Weinanbau gab, ist nachgewiesen.


Und warum ist dieser Stein typisch Passau?
Der Stein steht für 400 Jahre römischer Besiedlungsgeschichte. Und für Passaus früheste Wirtschaftsgeschichte: Wenn hier ein Weinhändler lebte, dann kann es den Leuten nicht so schlecht gegangen haben. Außerdem war es vom Klima her wohl wärmer als heute, wenn es Weinanbau gab. Der Stein sagt mir auch was über den Alltag der Passauer damals: Sie haben Wein getrunken und wohl gern gefeiert. Auch sieht man, wie sie angezogen waren und wie Fässer zu dieser Zeit aussahen.


Wann haben Sie den Stein entdeckt?
Naja, entdeckt wurde der Stein ja 1981 im Inn. Seither kenne und schätze ich das Stück, das Original wie diesen Abguss.


Wie oft kommen Sie her?
Jedes Mal, wenn ich eine Führung durch das Museum anbiete.


Wen oder was nehmen Sie mit?
Die Teilnehmer an der Führung. Die interessieren sich sehr für den Stein. Wobei, wer hier freiwillig an einer Führung teilnimmt, der interessiert sich ohnehin für solche Dinge


Jörg-Peter Niemeier ist 57 Jahre alt und ist Stadtarchäologe der Stadt Passau. Er leitet in dieser Aufgabe auch das Römermuseum Kastell Boiotro in der Innstadt. Bei allen Bauvorhaben im Stadtgebiet hat Niemeier das Recht und, wie er betont, "die Pflicht", den Boden vor Baubeginn auf geschichtliche Schätze zu untersuchen. Niemeier hat Geschichte und Archäologie in Bonn und München studiert.

Foto: Wax


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Veröffentlicht in folgenden Zeitungen:
Passauer Altstadt, Passauer Gschichten, Passauer Ilzstadt/Hals
Schlagwörter & Themen:
lokalnews , Römermuseum Boiotro , Jörg-Peter Niemeier

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