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Sperrzeit: Polizei will Verlängerung, Stadt wartet ab

Die Zukunft der Nacht ist ungewiss

Erschreckend viele Gewaltdelikte im Nachtleben. Herausragend ruhige Straßenzüge dank überraschend vieler vorbildlicher Wirte. Wie beidem gerecht werden? Die Stadt weiß es noch nicht.

veröffentlicht von Susanne Wax am 05.10.2011 17:28 Uhr im Ressort Politik
Mehr zum Thema: Alle Beiträge zum Thema "Diskussion zur Sperrzeitverlängerung" findest Du auf unserer Themenseite.

Gegenüber stehen sich die Gewaltstatistik der Polizei und die ungleiche Verteilung übers Stadtgebiet. Denn während es im Bereich Heuwinkel, Bratfischwinkel, Kleine Klingergasse, Ludwigsplatz und Dr.-Hans-Kapfinger-Straße im negativen Sinne rund geht, ist es in anderen Gassen ruhig - trotz Lokalen: in der Theresienstraße, der Alt- und Innstadt. Wäre Ersteres die Ursache für eine allgemeine Sperrzeitverlängerung, träfe diese viele zu Unrecht: die Wirte, die es schaffen, für einigermaßene Ruhe vorm Lokal zu sorgen.

Eine Steigerung der Gewaltdelikte um 111 Prozent: Diesen Bericht (im Detail nachzulesen hier) hat die Polizei veröffentlicht und er ist erschreckend. Gerade, weil die Präsenz der Beamten enorm verstärkt wurde, Kollegen aus umliegenden Inspektionen Streifn schickten. Die vielen Polizisten in den nächtlichen Straßen haben nicht abgeschreckt, findet Polizeirat Peter Ebner, der im Ordnungsausschuss sprach: "Es hat nachhaltig keine Wirkung gezeigt. Weder bei Körperverletzung noch bei Vandalismus." Die Sperrzeit, so Ebner, spiele dabei eine klare Rolle: "Die Spitze der Delikte liegt zwischen 2 und 4 Uhr. Der Alkoholpegel der Leute ist maßgeblich dafür, wann sie zum Täter werden." Ebner sagt ganz klar: "Da, wo die Leute länger weggehen, passiert mehr." Er fordert eine einheitliche Sperrzeit mit Ausnahmen für einzelne Lokale.


Nachtschwärmer in der Fuzo. Wo feiern sie weiter, wenn um 2 Uhr Zapfenstreich ist?


Eine Aussage, die bei den Wirten Bauchweh verursacht. Zum Beispiel bei Andreas Vilsmeier, der die Funky Buddha Bar in der Theresienstraße betreibt, da, wo es nichts zu beanstanden gibt. Er war in der Sitzung dabei und diskutiert heute bereits auf der Facebook-Seite der von ihm gegründeten Initiative gegen eine Sperrzeitverlängerung. Denn die "Ausnahme" würde sich nicht auf die Lokale mit rücksichtsvollen Gästen beziehen, sondern auf die, die wenige Anwohner im Umfeld haben. Unter diesem Aspekt gibt es auch jetzt schon eine unterschiedliche Öffnungszeitenregelung. Warum es die überhaupt gebe, fragte Stadtrat Andreas Dittlmann nach. "Das sind historisch gewachsene Strukturen", erklärte Ordungsamtsleiter Josef Zacher.

Wie weitermachen? Armin Dickl (CSU) plädierte für eine weitere verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften im Nachtleben. "Es gibt Studien aus anderen Städten die belegen, dass es dadurch auf Dauer besser wird." Die signifikante Zahl an Körperverletzungen komme daher, dass gezielt dagegen vorgegangen wurde. Mehr Kontrollen, mehr aufgedeckte Delikte? Höchstens bei Vandalismus, sagte dazu Peter Ebner von der Polizei: "Bei Körperverletzungen gibt es ein Opfer, das meldet sich direkt nach der Tat, egal ob Polizei dabei ist oder nicht. Einen zerstörten Blumentrog hingegen entdeckt man meist erst später, meldet ihn dann oder auch nicht."

"Warne davor, was dann auf den Straßen los sein wird"


Armin Dickl regte weiter an, breitere Maßnahmen anzugehen: "Es gab früher zum Beispiel mal eine Zusammenarbeit mit dem Streetwork." Zumal sich ein neuer "Brennpunkt", wie er sagte, entwickeln könne: "In der Dr.-Hans-Kapfinger-Straße läuft das Noa sehr gut, gegenüber macht das Calvados wieder auf. Das könnte die Situation im Freien verschärfen." Er sehe außerdem ein Problem, sollten alle Lokale gleichzeitig ein paar Stunden früher schließen: "Ich warne davor was dann auf den Straßen los sein wird. Wir bringen die jungen Leute dazu, ins Auto einzusteigen und noch woanders zum Weggehen hinzufahren. Und das, wo in den letzten Jahren die Zahl der Unfallopfer im Umkreis gesunken ist."

Stephan Bauer (Grüne) befürchtet Lärm und Party auf den Straßen und in den Grünanlagen, sollte um 2 Uhr Schluss sein: "Und wollen Sie die Dult dann auch um 20 Uhr zusperren?" Wenn schon eine längere Sperrzeit, so Bauer, dann sollte sie nur an den Brennpunkten angewandt werden: "Damit nicht alle Wirte bestraft werden."

"Wir sollten den Mut haben, diesen Schritt zu wagen", sprach Peter Pell (FDP/PAL) sich hingegen für eine einheitliche frühere Sperrzeit aus. Und wenn auch nur auf Probe für ein Jahr, wie er vorschlug. Ihm gehe es vor allem um Anwohnerschutz. "Wir haben ein gutes Rechtsamt bei der Stadt. Wir sollten Nägel mit Köpfen machen", sagte er in Anspielung auf die Situation in der Stadt Deggendorf: Dort müssen Lokale seit einigen Monaten um 2 Uhr schließen. Zwei Wirte haben dagegen geklagt. Die Stadt Passau, so erklärte Josef Zacher vom Ordnungsamt, wolle die Urteile abwarten und in die Entscheidung mit einfließen lassen.

Wenn die Läden zu haben, wollen die jungen Leute weiterfeiern. Die Folgen? "Es wird noch mehr Privatpartys geben", sagte Armin Dickl. Und die seien in der Studentenstadt ohnehin schon ein Problem. Konkret: Es gab heuer von Januar bis September 16 Anzeigen wegen Ruhestörung durch Partys in Privatwohnungen, führte Polizeirat Ebner auf. In der eigenen Bude weiterfeiern oder auf der Straße weitertrinken: Alkohol für diese Zwecke kann man an der Tanke kaufen, sagte Siegfried Kapfer (FWG) und fragte nach einem möglichen Verkaufsverbot. Ein Gegenargument kam von Karin Kasberger (SPD): "Ihren Alkohol besorgen die jungen Leute sich dann woanders. Man sieht sie beim Vorglühen unter der Schanzlbrücke, wo sie Schnapsflaschen aus dem Kofferraum holen. Auch hinterher haben sie mit Sicherheit ihre Plätze."

Viele Meinungen, die nun in den Fraktionen noch einmal beraten werden sollen. Wie die Stadt entscheidet - pro oder kontra Sperrzeitverlängerung - bleibt offen, dennoch gibt es zumindest den Worten Urban Mangolds zufolge Hoffnung auf eine gerechte Lösung: "Da, wo unsere Appelle fruchtlos geblieben sind, müssen wir über Konsequenzen nachdenken."

Fotos: Archiv Lugbauer

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