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Gelber Sack: Stadt sucht nach Alternativen

Ein gelber Störfaktor

Hildegunde Brummers Antrag auf den gelben Sack bekommt noch eine Chance. Doch ist ihr auch eine Alternative recht, ebenso wie dem Rest des Umweltausschusses. Das gemeinsame Ziel: alten Menschen das Müll-Entsorgen erleichtern.

veröffentlicht von Susanne Wax am 06.10.2011 15:01 Uhr im Ressort Politik

Einen fixen Gegner hat der gelbe Sack: Karl-Heinz Kellermann, Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft Donau-Wald (ZAW). Er stellte gestern dem Umweltausschuss bei der Sitzung in Hellersberg die Herausforderungen und Änderungen vor, die das geplante Kreislaufwirtschaftsgesetz mit sich bringt - und erklärte bei dieser Gelegenheit den Kreislauf Verbraucher - Müllsammler - Entsorger. Diesen, so wurde seine Meinung deutlich, würde der gelbe Sack erheblich stören.



Gelbe Tonne, gelber Sack und Wertstoffinseln lieferten sich ein Rennen in seinem Vergleich. Die ersten beiden schnitten schlecht ab: Sowohl Tonne als auch Sack hätten einen hohen Störstoffanteil. Das bedeutet: Nicht für diesen Zweck gedachter Müll wird mit hineingeworfen, beim Entsorgen bleibt nur die Möglichkeit des Verbrennens. "50 Prozent des Inhalts gelber Säcke ist Restmüll", berichtete Kellermann von der Erfahrung aus anderen Städten. Der gelbe Sack weise außerdem Qualitätsmängel auf, reiße leicht und verschandele das Ortsbild. Zwar sei die Möglichkeit, den Recyclingmüll vor der Haustür abholen zu lassen, bequem. Doch käme die Abfuhr nur einmal im Monat. So lange liegen die Säcke auf den Straßen herum.

In vielen Städten sei der gelbe Sack schon Auslaufmodell. Die Posten, die überhaupt reindürfen, entsprechen nur einem geringen Anteil aller Müllarten. Über 30 Sorten Müll, im Fachjargon Fraktionen, kann man an einer Recycling- und Müllbeseitigungsanlage wie in Hellersberg abliefern. In den gelben Sack dürfen nur acht davon.

Das Hauptgegenargument aber: Die Müllgebühren würden steigen. Denn das momentane Bringsystem - selber Sammeln, zum Recyclinghof bringen - werde mit drei Millionen Euro vom Dualen System Deutschland (DSD) - dem privatwirtschaftlich organisierten Betrieb für Verpackungsrecycling - mitfinanziert. Dieses Geld fällt mit dem gelben Sack weg. Und: Will Passau diese Version der Müllentsorgung, muss sie erst einmal einen Antrag stellen. Denn als Mitglied des ZAW Donau-Wald agiert eine Kommune nicht eigenständig, sondern nur als Gemeinschaft. Auch Städte wie Waldkirchen und Deggendorf müssten dann mitziehen.

Hildegunde Brummer (CSU) verdeutlichte noch einmal ihren Hauptgrund, aus dem sie den gelben Sack per Antrag vorgeschlagen hat, im übrigen etwas, "das irgendwie schon so einen negativen Anstrich bekommen hat", wie sie findet: Viele alte und gehbehinderte Menschen tun sich schwer mit dem Recyclen, haben keine Möglichkeit, zum Wertstoffhof zu kommen. Auch wenn es nicht die von ihr vorgeschlagene Variante wird, die vielleicht ein Störfaktor wäre, "irgendetwas müssen wir da tun. Wir müssen etwas in Angriff nehmen, denn wir alle werden immer älter." Patricia Veitengruber (SPD) stimmte ihr zu: "Wir müssen die Müllentsorgung für ältere Bürger irgendwie regeln, sei es durch private Organisationen, Vereine oder Nachbarschaftshilfe."

"Am-Wochenende-zum-Wertstoffhof-Gezuckele"


Dr. Renate Zehner (FDP/PaL) wollte nicht so leicht locker lassen in Sachen gelber Sack: "In die Container auf dem Wertstoffhof werfen die Leute doch auch schön separat die Plastikbecher und das Glas. Was macht Sie so sicher, dass in den gelben Sack ein Durcheinander kommt?" Zudem sehe sie auch ökologische Gründe: "Man spart sich Autofahrerei. Dieses ewige am-Wochenende-zum-Wertstoffhof-Gezuckele."

Es doch einmal eine Weile auf Probe mit dem gelben Sack zu versuchen, in nur einem Stadtteil, zum Beispiel in der Altstadt, wo es nicht einmal eine Biotonne gebe, schlug Karl Synek (Grüne) vor. Doch da argumentierte Bürgermeister Urban Mangold dagegen: "Gerade in der Altstadt glaube ich nicht, dass ausgerechnet da die gelben Säcke rumliegen sollten." Josef Haydn (CSU) regte an, eine bessere Möglichkeit zu finden, den Verpackungsmüll da abzugeben, wo man ihn kauft: bei den Geschäften. "Da könnte man doch große Container aufstellen."

"Momentan bin ich nicht in der Lage, da eine Entscheidung zu treffen", sagte Patricia Veitengruber und stieß damit auf allgemein zustimmendes Echo. Nochmal in den Fraktionen beraten, mit dem Ziel, eine Lösung für ältere Leute und Menschen ohne Auto wie Studenten zu finden, egal ob es dann der gelbe Sack wird oder etwas anderes: Bei diesem Beschluss hoben alle die Hand.

Fotos: Moni Sertel / pixelio.de

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