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Architekten stellen Details zur Passau-Verschönerung vorLicht und Grün: Die Masterpläne"So schön, dass man manches am liebsten gleich morgen umsetzen würde": So beurteilt OB Jürgen Dupper die Konzepte für Licht und Grün in der Stadt. Doch geht es erstmal langsam weiter. | |  |
Denn zunächst, so wurde gestern im Stadtentwicklungsausschuss beschlossen, landen die Vorschläge rund um Beleuchtung und Bepflanzung der Innenstadt zur Beratung in den Fraktionen. Die Verwaltung ermittelt in der Zwischenzeit, welche Vorschläge umsetzbar sind, erstellt einen Zeit- und Kostenplan. Beide Maßnahmen - Licht wie Grün - gehören ins Stadtentwicklungskonzept 2030. Ein Projekt, im Zuge dessen Passau in den nächsten 20 Jahren schrittweise attraktiver werden soll.
Das Licht: Viel ist nicht automatisch gut
Das Züricher Büro Vehovar & Jauslin Architektur hat die Stadt unter die Lupe genommen. In Hinsicht aufs Licht. Hat die Stadt am Tag, bei Nacht betrachtet, hat Hauptachsen ermittelt und wichtige Details herausgepickt. Stefan Jauslin stellte im Ausschuss das Ergebnis vor, den "Lichtmasterplan", wie es überschrieben ist. Und nannte gleich mal den Grundsatz, unter dem das Büro an der Beleuchtung der Dreiflüssestadt gearbeitet hat: "Viel Licht ist nicht automatisch gutes Licht." Gezielte Beleuchtung soll eine "Lesbarkeit des Stadtgefüges" ermöglichen, erklärte der Architekt.
Neben ästhetischen Aspekten hat das Büro auch Praktisches angeschaut. Beleuchtungsmissstände beheben, Sicherheitsempfinden stärken. Soll heißen: Veraltete Birnen gegen moderne, ökologische austauschen. Eine Gasse ausreichend beleuchten, so dass man sie nachts angstfrei durchlaufen kann - und unbedingt eines vermeiden: Blendung. Dass es den Menschen nirgends blendet, das tauchte immer wieder auf in Jauslins Vortrag. Die Stadträte bekamen einen zweigeteilten Umriss: Funktionale Beleuchtung und Umweltaspekte als Pflicht. Die Stimmung einer Stadt zu unterstreichen als Kür.
Zur Pflicht: "Es gibt gewisse dunkle Gassen, die wir aufgespürt haben", erklärte Stefan Jauslin. Die gelte es besser zu beleuchten - eventuell im Rahmen von Sanierungen. Dennoch müsse der Charakter erhalten bleiben: "Eine befahrene Straße ist natürlich anders zu beleuchten als eine lauschige Gasse." Und wieder, die Blendung: Lichtquellen müssten stets so angebracht werden, dass sie niemandem ins Schlafzimmer leuchten. Da nannte Jaustin auch Gewerbetreibende und Hausbesitzer, die ihre Schaufenster und Fassaden nachts inszenieren. "Hier muss die Stadt Aufklärungsarbeit leisten." Er zeigte die Skizze eines Negativbeispiels: Das Schaufenster leuchtet, der Schriftzug darüber auch, außerdem gibt es Lampen, die gen Himmel strahlen. Jaustin riet zur Konzentration auf das Wesentliche.
Zur Kür: Die drei Flüsse. Sie zeichnen Passau aus. Sie brauchen Beleuchtung - und auch wieder nicht. Jauslin: "Einzelne Stellen muss man herausarbeiten, so, dass es ein Sicherheitsempfinden für den abendlichen Spaziergänger gibt. Dennoch muss das Licht zurückhaltend sein." Und müsse stets an der Gebäudeseite angebracht sein: Damit der Blick auf die Flüsse frei ist. Damit es nicht blendet. Das Donauufer, da, wo die Touristenschiffe anlegen, würde der Architekt in eine Hafenatmosphäre setzen: "Es ist eine Art Eintrittstor. Ein Ort des Ankommens." Die Brücken sollen ein funktionales Licht bekommen - in ihren Längen. An den Köpfen aber darf es etwas außergewöhnlicher sein: "Brücken verbinden etwas. Und man soll sehen, was." Öffentliche Grünanlagen sollen weitgehend von Licht verschont bleiben: Zum einen aus biologischen Gründen. Die Pflanzen- und Tierwelt braucht den Tages- und Nachtrhythmus. Zum anderen solle die Wahrnehmung an diesen Orten eine andere sein, so Jauslin.

Auf einem Foto der Stadtsilhouette, das der Architekt bei seinem Vortrag immer wieder einblendete, war eine klare Linie verstärkt beleuchteter Gebäude zu erkennen: der Dom, die Kirchen, das Rathaus, die Vesten Oberhaus und Niederhaus. "Orientierungsorte" nannte Stefan Jauslin sie. Als weitere Bauten, die vorrangig zu beleuchten seien, nannte er: Löwenbrauerei, Bahnhof, Uni, Residenz, Schaiblingsturm, Theater und Redoute, Waisenhaus sowie den Sommerkeller in der Innstadt.
Licht lockt an. Auch das steckt hinter dem Masterplan des Schweizer Büros, den die Fraktionen nun beraten. Jauslin: "Die Aufenthaltsqualität einer Stadt zur Abend- und Nachtzeit wird immer wichtiger."
Das Grün - und der Zugang zum Wasser
Kleine grüne Oasen in der Stadt, aber auch besser genutzte öffentliche Plätze: Diese beiden Ziele hatte der Passauer Landschaftsarchitekt Peter Kitzmüller, der das Grünkonzept erarbeitet hat. Vortrag Nummer zwei im gestrigen Stadtentwicklungsausschuss. Der auch eine Prämisse hatte: "Das Grün, das man schon hat, erhalten." Und in dem sich ebenfalls ein Aspekt stets wiederholte: die bessere Anbindung ans Wasser.
Wir starten an der Ortsspitze. Für die hat Kitzmüller viele kleine Änderungen parat. Eine kleine Kiesanlandung auf der Inn-Seite könnte mehr Aufenthalt am Wasser ermöglichen. Das Dreiflüsseeck stellt Kitzmüller sich abgerundet vor, mit mehr Platz zum Stehen, Sitzen und Schauen. Er schlägt eine Sitztreppe runter zum Wasser vor, auch mehr Bänke, von denen aus man "den Blick ins Donautal" genießen kann. Zwei Weiden sollen dafür weichen, eine davon sei laut Stadtgärtnerei ohnehin marode. Dafür könnte man an anderen Stellen Bäume pfanzen. Auch brauche das Denkmal für die Opfer der Flüsse und des Meeres dann einen anderen Standort. Die Ortsspitze müsse ihren zahlreichen Besuchern gerechter werden, findet Kitzmüller: "Sie ist der meistbesuchte Ort gleich nach dem Domplatz. Es gibt aber kaum eine Möglichkeit, sich dort aufzuhalten." Auch die Spielgeräte brauchen eine andere Anordnung, findet Kitzmüller: Er sieht sie vor allem im hinteren Bereich, den man durch einen befestigten Querungsweg optisch abtrennen könnte. Dazu Sitzbänke für die Eltern und einen mobilen Kiosk.

Der Domplatz wäre nach Kitzmüllers Idealvorstellung komplett autofrei. Doch hat er das beim Planen außer Acht gelassen: Die Altstadt braucht jeden Parkplatz. Dafür hat er sie anders angeordnet: im hinteren Bereich. Allerdings fielen dennoch zwischen 15 und 22 Parkplätze weg. Den vorderen Bereich wünscht Kitzmüller sich in anderer Aufteilung: "Besonders nach den Gottesdiensten sieht man, dass die Kirchenbesucher kaum Platz haben, vor dem Dom beisammen zu stehen." Er würde die Fahrbahnkante der Straße einmal um ihre Breite nach hinten verlegen, so einen größeren Dom-Vorplatz schaffen. Der Wochenmarkt hätte dennoch ausreichend Platz. Ein Dorn im Auge sind Kitzmüller die Baumscheiben, eigentlich schützenswerte Areale: Am Domplatz werde bis an die Baumstämme heran geparkt, es stehen hier Pflanzenkübel, Abfalleimer, Streugutcontainer, Fahrräder. Das könnte man ändern.

Am Rathausplatz plädiert Kitzmüller für mehr Aufenthaltsqualität vor dem Rathausturm: "Hier trifft man sich zu Stadtführungen, hier ist die Hochwassermarke. Der Bereich müsste sich mehr als Platz zeigen." Die Parkplätze auf dieser Seite, schlägt er vor, könnte man vor das Hauptzollamt verlegen. Auch wünscht er sich mehr gestalterische Einheitlichkeit: Es gebe vier verschiedene Varianten an Blumenkübeln auf dem gesamten Platz, so kritisierte er. Auch der Steinbelag sei nicht ideal: Die Größe der Platten halte der enormen Belastung nicht stand, etliche seien gebrochen. Als Rahmen für den Rathausplatz stellt er sich steinerne Bänke vor, die man bei Bedarf entfernen könnte. Und dann brachte Kitzmüller ein verstecktes Kleinod zur Sprache: den Lindlbrunnen, der in einem Hof des Rathauses steht. Den könnte man an die Öffentlichkeit verfrachten und auf dem Rathausplatz platzieren. Nachteil: "Das würde die multifunktionale Nutzung des Platzes einschränken."
Im Ort könnte man Hafenatmosphäre schaffen, griff Kitzmüller einen Gedanken des Lichtmasterplans auf. Es gebe drei Abgänge zur Donau, die allerdings kaum hervorgehoben würden und auch meist zugeparkt seien. Die angrenzenden Gastronomiebetriebe könnte man durch Schnitthecken besser abtrennen. Auch den Pflasterbelag könnte man besser konzipieren. Den Ort schlägt Kitzmüller auch als neuen Standort für das Denkmal für die Opfer der Flüsse und des Meeres vor (siehe Ortsspitze).
Der Innkai verfüge lediglich über zwei Treppen zum Inn: Die seien sehr schmal und steil, bemängelte Kitzmüller. Sein Plan beinhaltet eine langgezogene, breite Treppenanlage, auf der viele Menschen nebeneinander sitzen können. Auch für den kleinen Spielplatz oberhalb der Marienbrücke hat Kitzmüller eine Idee: nämlich die eines Erlebnisspielplatzes für Kinder bis zu drei Jahren mit dem Thema "Spielen am Goldenen Steig". Das würde sich an dieser Stelle, an der in der Vergangenheit Waren umgeschlagen wurden, anbieten. Schaukelponys, Nestschaukeln und einen alten Kahn als Sandkasten hat Kitzmüller außerdem auf der Liste.

Der Römerplatz ist laut dem Landschaftsarchitekten der "jüngste Platz, aber der, der am schlechtesten ausschaut". Der Rasen lückig, die Fahrradrampe zu holprig, die Baumkronen für die davor befindlichen Sitzbänke zu niedrig: Mit ein paar kleinen Schritten könnte man hier viel bewirken. Peter Kitzmüller schlägt außerdem Tischmurmelspiele für mehr Aufenthaltsqualität vor.
Auch in der Grabengasse hat er ein oft übersehens Kleinod entdeckt, das man aufhübschen könnte: Da, wo die Carlonegasse Richtung Domplatz abzweigt, sind Steinstufen und Sitzbänke. Allerdings verderben ein beschmierter Verteilerkasten, ein Hunde-WC und der Ausblick auf einen stillgelegten Betrieb den Ausblick. Kitzmüller schlägt vor, die Bänke mit Blickrichtung die Gasse entlang zu platzieren und zumindest das Hunde-WC woanders hin zu verfrachten.
Die Innpromenade will Kitzmüller mit einer Symmetrieachse versehen, orientiert am Querungsweg über den Spielplatz und mit der breiten Fläche am Judenmahnmal als ihre Mitte. Und wieder, der Weg zum Wasser: Es gebe mehrere Treppen zum Inn, die aber von Unkraut überwuchert und brüchig seien. Die müssten hergerichtet werden. Die Nischen mit den Sitzbänken, abgetrennt durch Berberitzenbüsche, würde Kitzmüller großenteils entfernen - und durch breite Sitzmauern ersetzen. Wo die Bänke bleiben, wünscht er sich andere Farben als das grelle Grün und Gelb. Außerdem könnte man an der Stelle, an der es zur Heiligeistgasse geht, einen kleinen Platz schaffen, an dem auch Radfahrer sich orientieren können.

Beide Konzepte kommen gut an
Beide Konzepte kamen gut an bei den Stadträten im Ausschuss - allerdings bemerkte Alois Feuerer (FWG), dass es vorhandenes Grün nicht nur zu erhalten gebe, wie er Kitzmüller zitierte: "Wenn man nämlich über den Fünferlsteg geht und zur Nikolakirche blickt, sieht man sie kaum. Der Pflanzenwuchs verdeckt sie fast vollkommen. " Mit seinem Wunsch, den Wildwuchs einzudämmen, auch auf Innstadt-Seite, stieß er auf breite Zustimmung.
In den Fraktionen wird nun über die vielen Ideen beraten - OB Dupper ließ allerdings schon eine seiner Prioritäten durchscheinen: der Domplatz. Wenn nächstes Jahr Passaus Wahrzeichen, der Stephansdom, überwiegend frei von Gerüsten sei, dann sei die Stadt am Zug, sagte er: "Es bietet sich an, dass nach der Renovierung auch die Stadt ihren Beitrag an dieser Stelle leistet."Fotos: Archiv Wax Wir sorgen dafür, dass du bestens informiert bist. Alle unsere Beiträge aus den Passauer Stadtratsitzungen
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Veröffentlicht in folgenden Zeitungen: Die Zukunft Passaus, Passauer Altstadt, Passauer Gschichten | Schlagwörter & Themen: Löwenbrauerei Passau
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