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Erste Ergebnisse der Variantenuntersuchung liegen vor

Oberhaus: Die Suche nach dem barriefreien Aufstieg

Barrierefreie Aufstiegshilfen zum Oberhaus: Ein Münchener Gutachterbüro legte gestern dem Stadtentwicklungsausschuss erste Ergebnisse vor, welche Möglichkeiten es bei der Verwirklichung gäbe und was sie kosten würden.

veröffentlicht von Esther Mischkowski am 21.12.2011 11:35 Uhr im Ressort Politik

Oben am Berg thront es malerisch zwischen den Flüssen Donau und Ilz – doch trotz des hohen historischen Wertes verschlägt es vergleichsweise wenige Touristen auf die Veste Oberhaus: Sie schreckt die schlechte Erreichbarkeit und der steile Anstieg. Die Stadt ist nun auf der Suche nach möglichen Aufstiegshilfen auf die Burg, und hat dazu das Münchner Gutachterbüro edr GmbH beauftragt, einzelne Varianten auf ihre Machbarkeit hin zu untersuchen.



Fünf Varianten wurden untersucht


Im gestrigen Stadtentwicklungsausschuss wurden nun ihre Zwischenergebnisse präsentiert – spontan von Stadtentwicklungsreferent Udo Kolbeck, denn die Gutachter selbst saßen im endlosen Stau auf der A3 bei Hengersberg fest. Untersucht wurden fünf verschiedene Varianten zum barrierefreien Aufstieg von Höhe der Flüsse hinauf zur Burg (plus unabhängig davon ein Außenaufzug innerhalb der Veste im Bereich des Parkplatzes). Bei den ersten drei Möglichkeiten ist das Vorhandensein des Radfahrertunnels durch den Georgsberg zwingende Voraussetzung.

Variante A1: Diese Variante sieht vor, vom Radfahrertunnel her einen Querstollen bis unter das hintere Burggelände zu bohren, und dann mit einem Vertikalaufzug die Besucher direkt in den hoch gelegenen hinteren Teil des Oberhauses zu transportieren. „Der Querstollen und der Aufzug wären je etwa 200 Meter lang, da kann es schon sein, dass da irgendwelche Ängste entstehen“, weist Kolbeck auf mögliche Panikattacken bei Besuchern hin. Der Vorteil indes wäre, dass es ein bekanntes und erprobtes Bauvorhaben wäre und die Eingriffe in die Umwelt und Natur relativ gering wären, fasst er zusammen. Die Nachteile überwiegen jedoch: Lange Gehzeit und überhaupt keine Sicht machen den Weg unattraktiv, die Fluchtwege bzw. Rettungsmöglichkeiten wären sehr eingeschränkt. Und nicht zuletzt wäre da noch der Nettopreis von ca. 3 Millionen Euro.

Variante A2: Diese Variante ist im Prinzip die gleiche wie A1 mit Querstollen im Radfahrertunnel und Vertikalaufzug, nur dass beide wesentlich kürzer sind. Das heißt allerdings auch, dass der Besucher im vorderen Teil der Burg an die Oberfläche käme, und da wären dann noch enorme Höhenunterschiede bis hin zu der hoch gelegenen Aussichtsterrasse im hinteren Teil zu Fuß zu bewältigen – die Barrierefreiheit wäre da schon nicht mehr wirklich gegeben. Demzufolge summiert auch Kolbeck: „Diese Variante scheidet nahezu aus.“ Mit 1,4 Millionen Euro netto wäre sie allerdings noch vergleichsweise günstig.

Variante B1: Diese zieht einen Schrägaufzug innerhalb des Berges in Betracht, dessen Einstiegspunkt mitten im Georgsbergtunnel liegt. Ausstiegspunkt wäre hier im hinteren, also oberen, Burgareal. Der zentrale Vorteil wäre, dass kein langer Fußweg wie bei den Querstollen der Varianten A1 und A2 nötig wäre, um den Aufzug zu erreichen. Doch könnte sich hier ein ganz anderes Problem ergeben: „Ich erinnere an die Katastrophe in Kaprun, diese Bahn ist in der Bauweise vergleichbar“, mahnt Kolbeck an. Dies könnte zu großer Skepsis bei potenziellen Nutzern führen. Und der Preis könnte auch ein großes Hindernis werden: 4,5 Millionen Euro netto.

Variante B2: Ebenfalls einen Schrägaufzug durch den Berg hinauf in das hintere Burgareal sieht diese Variante vor, die allerdings in ihrer Ausführung mit etwa 4,7 Millionen Euro netto gleichzeitig die teuerste wäre. Der Unterschied zu B1 wäre, dass der Einstiegspunkt nicht innerhalb des Radfahrertunnels wäre, sondern an der nördlichen Seite des Georgsberges in der Ilzstadt. „Hier wären die Rettungsmöglichkeiten bedeutend besser, denn man kann auch von außen an den Tunnel ran“, erklärt Kolbeck. Und die Erreichbarkeit und Zufahrt wären auch um einiges einfacher.

Variante C: Diese Variante sieht einen Schrägaufzug vor, der außen am nördlichen Hang auf der Ilzseite am Oberhausberg hinauf führen würde. Diese Variante wäre im Bezug auf die Barrierefreiheit sehr begrüßenswert, hier würde aller Voraussicht nach aber das Landesamt für Denkmalschutz (LfD) einen Strich durch die Rechnung machen, eine genauere Abstimmung mit dem Amt hätte aber noch nicht stattgefunden, so Kolbeck. Die Kosten wären mit voraussichtlich 2,3 Millionen Euro netto aber noch relativ überschaubar.


Außenaufzug auf Angerseite: Eine Verschandelung?



Gerhard Waschler (CSU)
Gar nicht im Gutachten taucht die Möglichkeit eines Außenaufzugs mittig auf der Angerseite auf, da habe man beim LfD gar nicht erst nachzufragen gewagt, gab Kolbeck zu. Das stieß jedoch Stadtrat Gerhard Waschler (CSU) sauer auf: „Wenn wir schon so eine preisgünstige Alternative haben, warum sollte man da den Denkmalschutz nicht fragen, das kostet nichts. Wir dürfen nicht apodiktisch sagen, was nicht sein darf.“ Ein solcher Aufzug mit Blick auf die Altstadt hätte nämlich einen sehr hohen touristischen Wert. Das sieht Urban Mangold (ÖDP) ganz anders, er befürchtet eine optische Verschandelung: „Ich kann mir eine solche Konstruktion gar nicht vorstellen, da wird es aus unserer Fraktion keine Zustimmung geben.“ Stadtrat Karl Synek gab zudem zu bedenken, dass für den Aufzug ein ganz unattraktiver Standpunkt für den Einstieg gegeben sei – ein weiter Fußweg an der Angerstraße entlang wäre nötig und praktisch keinen Parkmöglichkeiten vorhanden.

Eine erste Präferenz zu einem der vorgeschlagenen Variante formulierte eigentlich nur Stadtrat Alois Feuerer (FWG), er sprach sich für die Variante B1 aus: „Sie hätte den Vorteil des kürzesten Anreiseweges. Man muss auch die Interessen von Reisegruppen mit ihren beschränkten Zeitfenstern bedenken.“ Und außerdem: „Die Schüler hätten viel mehr Übungszeit zur Verfügung“, sprach der ehemalige Leopoldinum-Lehrer aus Erfahrung. Die Schulen in der Altstadt nutzen nämlich die Sportanlagen am Oberhaus.

„Überrascht von den überschaubaren Kosten“



Andreas Dittlmann (FDP)
Die anderen anwesenden Stadträte äußerten sich hingegen nicht zu ihren persönlichen Favoriten. Erfreut zeigten sie sich jedoch über die Kosten. „Ich bin überrascht über die relativ überschaubaren Kosten, das hätte ich mir wesentlich teurer vorgestellt“, erklärte Andreas Dittlmann (FDP). Auch Oberbürgermeister Jürgen Dupper sprach von „keinen unüberwindbaren technischen und finanziellen Hindernissen“. Allerdings gab er zu bedenken, dass drei der Varianten eben den Radfahrertunnel voraussetzen - „das wäre in der Gesamtbetrachtung dann doch ein ganz schönes Sümmchen“. Dr. Chrysant Fischer sah bei der Klärung der Finanzierung zudem noch viel Spielraum: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt das selber baut, sondern einen privaten Betreiber findet, der das übernimmt.“

Entschieden wurde gestern noch nichts, es handelte sich ja auch nur um einen ersten Zwischenbericht. Der nächste Schritt werde nun sein, alle möglichen Varianten zusammenzufassen, mit den betroffenen Stellen wie beispielsweise dem LfD abzuklären, um dem Ausschuss dann einen ausgereiften Vorschlag vorlegen zu können, erklärte Referent Kolbeck. Das Gutachterbüro ebr selbst empfahl übrigens die Variante B2 „als optimalste, aber auch teuerste Lösung“ in der Powerpoint-Präsentation. Sie hatten übrigens die Möglichkeiten des Livestreams genutzt - und Kolbecks Ausführungen am Laptop im Auto verfolgt. „Besser hätten wir es nicht gekonnt“, lobten sie anschließend per SMS an OB Dupper.

Fotos: Archiv lokalnews

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Oberhaus , Jürgen Dupper , A 3 , Veste Oberhaus , Urban Mangold , Andreas Dittlmann , Alois Feuerer , Angerstraße , CSU , Georgsberg , ödp , Gerhard Waschler , FDP , Leopoldinum , Schulen

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