Deine kostenlose Zeitung für Passau!

Weitere Beiträge auf der Themenseite


Die meist geklickten Beiträge


Aktuelle Kommentare



Stadt geht Projekt Nachbarschaftshilfe gezielt an

Helfe deinem Nächsten

Für die alte Dame nebenan den Müll rausbringen, dafür passt sie auf die Kinder auf, wenn man einen Arzttermin hat. So würde der Idealfall ausschauen: Nachbarschaftshilfe - kann sie in Passau funktionieren?

veröffentlicht von Susanne Wax am 18.01.2012 12:52 Uhr im Ressort Politik

"Nachbarschaftshilfe bezeichnet eine gegenseitige, unter Nachbarn gewährte Form der Hilfe und Unterstützung, bei der zumeist auf ein Entgelt in Form einer Geldzahlung verzichtet und stattdessen Gegenleistungen in ähnlicher Form erbracht werden", so beschreibt das Online-Lexikon Wikipedia den Begriff. Und weiter: "Nachbarschaftshilfe ist üblicherweise ein gewohnheitsmäßiges und wenig formalisiertes Instrument sozialer Gemeinschaften zur Bewältigung von individuellen oder gemeinschaftlichen Bedürfnissen, Notlagen und Krisen."

Soziale Gemeinschaften in einer Stadt organisieren, das ist eine Herausforderung, sagt Sozialamtsleiter Josef Loher. "Nachbarschaftshilfe ist eigentlich kleiner angelegt, für Dörfer und ländliche Gebiete. Im Stadtgebiet ist das schwieriger." Dennoch will die Stadt das Thema angreifen, im Laufe des Jahres soll ein Konzept stehen, soll es einen Überblick darüber geben, was es an kleinen gegenseitigen Hilfen im Stadtgebiet schon gibt. Zugrunde liegt dem Plan der fraktionsübergreifende Antrag auf ein Seniorengesamtkonzept, das aber noch warten muss (siehe weiter unten). Nachbarschaftshilfe hat vor allem zum Ziel, ältere Menschen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Lebensumfeld belassen zu können. Einkaufen, Putzen, Arztbesuche, Reparaturen und Behördengänge: Wenn keine Verwandten da sind, wer hilft dann?




Einkaufen, Putzen oder Schneeräumen


Die junge Familie nebenan oder die Studenten-WG ein Stockwerk weiter drüber, wenn beide Seiten das wollen. Nachbarschaftshilfe ist auch ein Schritt zu weniger Anonymität untereinander und nebeneinander. "Schneeräumen ist zum Beispiel auch ein großes Problem für viele ältere Menschen", sagte Loher gestern im Auschuss für Soziales und Senioren. Einige Vereine und Verbände bieten schon Hilfe für Senioren an, die Stadt aber will ein großes Ganzes. Darum sei laut Loher in den nächsten Monaten ein Treffen mit allen Institutionen und OB Jürgen Dupper geplant, bei dem ermittelt wird, was es schon gibt und was noch fehlt. Auch schriftlich will man die Verbände befragen. "Wir brauchen da die Vereine, denn zum Beispiel Frauenbund oder VdK sind viel näher dran an Einzelnen, haben einen persönlichen Bezug", erklärte Loher. Den Bedarf über eine Befragung der alten Passauer zu ermitteln halte er für unpassend: "Gerade die ältere Generation ist so drauf stets zu sagen: Ach, das geht schon irgendwie, ich brauche keine Hilfe."

Sinnvolle Seiten oder Papiermonster?


Eingebettet ist das städtische Projekt Nachbarschaftshilfe in das Seniorenkonzept, an dem die Stadt ebenfalls arbeitet. Beziehungsweise arbeiten wird, denn "wegen personeller Knappheit", seit das Jobcenter gegründet wurde, wie Loher schilderte, habe man momentan keine Kapazität dafür. Das Konzept soll alle Bereiche des Lebens in Passau beinhalten, als Beispiel hatte Loher ein Geheft der Stadt Memmingen dabei. Dessen Dicke manchen abschreckte: "Mir hat es gegraut vor einem solchen Papiermonster, darum habe ich mich dem Antrag nach einem Seniorenkonzept nicht angeschlossen", sagte Dr. Renate Zehner (PaL). Sie hat Angst vor allzu großer Theorie statt konkret umgesetzter Ideen: "Ich glaube wenn man etwas politisch so vorbereitet ist es nicht so mit Leben erfüllt." In Sachen Senioren finde man guten Rückhalt bei der Stadt, sagte Zehner, "in der Verwaltung stößt man mit einem Anliegen immer auf offene Ohren".

Ein Gutschein für Zeit


Besprochen wurde im Ausschuss auch das Projekt "WIR Nachbarn", das auf dem Prinzip des Zeit-Tauschens beruht, aus Österreich stammt und zu dem sich in Passau eine Regionalgruppe bilden will. "WIR Nachbarn" hat eine Währung, mit der für Hilfe untereinander bezahlt wird: Zeit. Pro Stunde, in der man einem anderen Menschen einen Gefallen getan hat - den Rasen gemäht hat, die Kinder von der Schule abgeholt hat, aus der Zeitung vorgelesen hat - bekommt man einen Gutschein. Der beinhaltet ebenfalls eine Stunde und kann beim Gegenüber eingelöst werden. Mehr Infos zum Projekt gibt es auf www.timesozial.org. Der Gründungsabend findet am 2. März im Gasthaus Vogl auf der Ries statt, Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt kann entweder bezahlt werden, mit 5 Euro in bar, oder schonmal mit einem halben Zeitgutschein quittiert werden.

Wir sorgen dafür, dass du bestens informiert bist. Alle unsere Beiträge aus den Passauer Stadtratsitzungen findest du übersichtlich geordnet auf unserer Themenseite.

2.056.819
Bericht wurde veröffentlicht von
Für Kritik, Lob oder Verbesserungsvorschläge nutze unser Feedbackformular. Gerne auch 100% anonym.
Veröffentlicht in folgenden Zeitungen:
Die Zukunft Passaus, Passauer Gschichten
Schlagwörter & Themen:
Jürgen Dupper , Frauenbund , VdK , Senioren , Wikipedia , Gasthaus Vogl , Studenten

Aktuelle Meldungen

"Rad Total im Donautal" am kommenden Sonntag, 15. April

Grenzenloser Fahrradspaß

Freie Fahrt für Radler und Skater: Am kommenden Sonntag findet "Rad Total im Donautal" statt. Dann kann man sich auf gesperrten Straßen den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. zum Artikel

Buschwindröschen-Pracht im Freudenhainpark

Im verwunschenen Park

Die "Anemone nemorosa", ein Hahnenfuchsgewächs, bedeckt jedes Jahr im Frühling den Schlosspark rund um Freudenhain wie ein Teppich. Und gibt ihm einen verwunschenen Anstrich. zum Artikel

Weitere Meldungen im Tagesticker

Deine Meinung