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Brummer kritisiert grundsätzlichen Umgang mit Seniorensorgen

Die Geschichte hinter dem gelben Plastik-Etwas

Kein gelber Sack: Hildegunde Brummers mit Vehemenz vertretender Vorschlag, die Müllentsorgung in Passau zu ändern, ist gescheitert. Der Umweltausschuss hat den Antrag gestern abgelehnt.

veröffentlicht von Susanne Wax am 19.01.2012 14:05 Uhr im Ressort Politik

Und im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass es hier nicht nur um ein gelbes Plastik-Etwas geht, in das man Becher und Verpackungen werfen kann und das von einem Holdienst weggebracht wird, sondern um viel mehr. Um das Bewusstsein für die kleinen Nöte älterer Menschen, das Hildegunde Brummer (CSU), wie sie sagte, zunehmend in der Stadt vermisst. Abseits aller Diskussion um eine weitere Tonne vor der Haustür, um Verbrennungsanlagen, Wertstoffinseln und Zweckverbandsvorgaben, ist der gelbe Sack fast schon zu einem Symbol geworden dafür, dass die ältere Generation sich Aufmerksamkeit wünscht.

"Sie reden sich alle leicht", sagte Bernd Scheibner. Der stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirats sprach als Gast im Ausschuss. "Sie haben zu Hause wahrscheinlich alle Häuser, viel Platz, haben Lagerräume, können stapeln, können mit dem Auto zum Wertstoffhof fahren. Viele alte Menschen können das nicht. Sie leben in kleinen Wohnungen." Ein Drittel der Bevölkerung Passaus zähle immerhin mittlerweile zu der alten Generation. Und auch die andere Gruppe, für die eine ökologische Mülltrennung schwierig ist, sei gewachsen: Die Studenten, die mittlerweile zu über 10.000 an die Passauer Uni gehen. Kleine Appartments ab einer Größe von zwölf Quadratmetern, kein Auto, "eine gewissenhafte Mülltrennung ist ihnen vom Platz her nicht möglich", sagte Scheibner. Den Müll zum Wertstoffhof zu bringen ebenso wenig.


Der Gelbe Sack: Am Straßenrand wartet er auf Abholung. In Passau wird es diese Form der Restmüllentsorgung nicht geben. Hildegunde Brummer sieht darin eine weitere Absage an Engagement für die Senioren.


Mit den Gegenstimmen von Hildegunde Brummer und Dr. Renate Zehner (PaL) wurde der gelbe Sack abgelehnt. Ein Kompromissvorschlag ist nun der Plan, der ein Aufstocken der Wertstoffinseln im Stadtgebiet prüfen will, wenn die Stadt zum Jahr 2013 in Sachen Müllentsorgung einen neuen Vertragspartner bekommt. Er behielt ebenfalls Brummers Gegenstimme.

"Ein Affront gegenüber den Senioren"



Hildegunde Brummer
"Das ist allmählich ein Affront gegenüber den Senioren", sagte sie. "Jeden Tag liest man etwas anderes darüber, dass jetzt das Seniorenkonzept nicht umgesetzt werden und dieses und jenes nicht gemacht werden kann. Es wird einfach nichts gemacht." Die älteren Passauer wünschten sich ein Zeichen, dass ihre Belange bei der Stadt ankommen. Dass bis 2015 das Kreislaufwirtschaftsgesetz geändert werden soll, dass dann der gelbe Sack allgemein abgeschafft werden könnte, darüber war der Ausschuss vorher informiert worden. Für Brummer kein Grund, die Idee aufzugeben: "Bis 2015, das sind weitere vier Jahre in denen wir nichts tun für die Senioren. Derweil will hier herinnen immer niemand als seniorenfeindlich angesehen werden."

Die Müllentsorgung für immobile Menschen zu erleichtern, irgendwie, das war schon in einer vorherigen Sitzung Thema gewesen (nachzulesen hier). Patrizia Veitengruber (SPD) wiederholte ihre Idee, das mit privaten Organisationen, Vereinen oder Nachbarschaftshilfe zu regeln. "Auch die Idee, Wertstoffinseln zu erweitern, halte ich für verfolgenswert." Man müsse sich dennoch mehr vor Augen führen, wie viele Menschen nicht in der Lage seien, weite Wege zurückzulegen in der Stadt: "Und die leben vorwiegend in der Innenstadt." Man habe Angst um das Ortsbild, wenn der gelbe Sack an Straßenrändern gelagert werde, bis er ein Mal im Monat abgeholt werde, darum ging es ebenfalls schon in der letzten Sitzung. Für Hildegunde Brummer kein Argument: "Regensburg hat den gelben Sack. Und diese Stadt lässt sich mit Passau vergleichen."


Urban Mangold
Bis auf Hildegunde Brummer war der Ausschuss einverstanden, die Kosten für ein Aufstocken der Wertstoffinseln im Stadtgebiet zu ermitteln. Dann könnte es bei den Glas- und Dosenschrottcontainern künftig auch Behältnisse für Verpackungsmaterial geben. 64 solcher Inseln gibt es im Stadtgebiet, eine davon müsste für jeden leicht zu erreichen sein, sagte Bürgermeister Urban Mangold (ÖDP), der betonte, dass das Problem der Restmüllentsorgung für Senioren und Studenten durchaus gesehen werde. Sein Vorschlag: "Die Wertstoffinsel nebenan kann auch ein Nichtmotorisierter schneller im Vorbeigehen erreichen. Und so ist nicht nur älteren Menschen geholfen, sondern es landet auch weniger im Restmüll."

Fotos: Thomas Max Müller, pixelio.de / Archiv lokalnews

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