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Passauer Hauptbahnhof: Baubeginn ist Juli 2013

Ist es nun endlich fix?

Der barrierefreie Ausbau des Passauer Hauptbahnhofs beginnt im Juli 2013, so wurde der Stadt von der Deutschen Bahn nun zugesichert. Eine Anbindung an den ZOB über Poststeg oder Grünaustraße muss davon jedoch abgekoppelt betrachtet werden.

veröffentlicht von Esther Mischkowski am 01.02.2012 11:12 Uhr im Ressort Politik

Gestern stand im Stadtentwicklungsausschuss wieder einmal der Passauer Hauptbahnhof auf der Tagesordnung – der heruntergekommene Schienenverkehrsknotenpunkt ist eins der Passauer Sorgenkinder, sollte er doch eigentlich die Visitenkarte einer Stadt sein. Seit längerem schon verspricht die Deutsche Bahn AG eine Aufwertung sowie einen barrierefreien Ausbau – doch es hatte sich seit 2007 immer wieder verzögert, sodass die Stadträte in der letzten Sitzung sogar eine Resolution beschlossen, in der sie auf einen zügigen Ausbau drängen (wir berichteten hier).

Modernisierung bis voraussichtlich 2016 abgeschlossen


Im Ausschuss gestern legte nun Werner Lang, Wirtschaftsreferent der Stadt Passau, die Ausbaupläne der Bahn vor und hatte auch ein fixes Datum im Gepäck: „Der Baubeginn ist im Juli 2013, hat die Bahn zugesichert.“ Derzeit lägen die Pläne noch im beauftragten Nürnberger Planungsbüro Emch + Berger, müssten jedoch bis 15. Februar zwingend beim Eisenbahnbundesamt eingereicht werden, so Lang. Sobald dann das Baurecht vorläge, können zu Beginn 2013 die Ausschreibungs- und Vergabeverhandlungen beginnen. „Die Bauzeit beträgt drei Jahre, also irgendwann 2016 wird der Bahnhof fertig“, erklärt der Wirtschaftsreferent.

Baumaßnahmen der DB am Passauer Hauptbahnhof im Überblick:
  • Östlich der jetzigen Fußgängerunterführung zu den einzelnen Bahnsteigen soll ein komplett neuer Tunnel entstehen, der die Barrierefreiheit mit Aufzügen zu allen drei Bahnsteigen sicherstellt. Der Tunnel-Neubau soll einen weiterhin reibungslosen Betriebsablauf auch während der Bauzeit sicherstellen.
  • Die Bahnsteige sollen allesamt überdacht und damit die Aufenthaltsqualität der wartenden Fahrgäste verbessert werden.
  • Am Bahnsteig 1 wird ein neues Servicegebäude errichtet, in dem die Durchsagezentrale, aber auch Aufenthaltsräume für die Bahnmitarbeiter und ein Fundbüro beheimatet sein werden. Im hinteren Bereich des Bahnsteiges in Richtung Poststeg werden zudem Lagerräume und eine Lieferzone gebaut.
  • Die Gleise am Bahnsteig 101 werden angehoben, um den Zuggästen den Einstieg in die Waggons zu erleichtern.
  • Der Hauptbahnhof wird mit einem Blindenleitsystem ausgestattet.


Das Volumen für die Baumaßnahmen wird von der Bahn auf rund 16 Millionen Euro beziffert, was denkbar knapp berechnet ist, wie auch Wirtschaftsreferent Lang „mit einem Fragezeichen und der Hoffnung, dass dieses Budget ausreicht“ meint.



Und was ist mit den Hauptgebäude?


FWG-Stadtrat Alois Feuerer sah einen weiteren Knackpunkt in den Planungen der Deutschen Bahn: „Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, habe ich von keiner Verbesserung im Ankunftsgebäude selbst gehört“, bemängelt er. Er monierte, dass es mittlerweile zur Geschäftspraxis der Bahn gehöre, die Fläche weitestmöglich zu vermieten um den Umsatz zu steigern. „Ich möchte den Missstand artikulieren, dass die Fläche für den eigentlichen Bahnkunden immer kleiner wird“, betont Feuerer. Die vielen Gruppen, die in Passau regelmäßig ankämen, müssten mit einem „unmöglichen Gedränge“ zurechtkommen. Das eigentliche Bahnhofsgebäude sei wirklich nicht Gegenstand der Verbesserungsmaßnahmen, überbrachte Werner Lang die schlechte Nachricht: „Ich kann das leider nur bestätigen, das ist überall das Gleiche.“


Anbindung Hauptbahnhof an ZOB: Varianten und Kosten


Seit einiger Zeit wird im Stadtrat zudem die Möglichkeiten diskutiert, wie man den Passauer Hauptbahnhof mit dem Zentralen Omnibusparkplatz (ZOB) besser verbinden könnte. Derzeit muss man fußläufig etwa 287 Meter zurücklegen, mit schwerem Gepäck eine zusätzliche Zumutung. Dass man die verbesserte Anbindung mit den Modernisierungsmaßnahmen der Bahn koppele, sei aber absolut nicht ratsam, so Werner Lang: „Es ist wichtig, dass wir diese Maßnahme völlig loslösen von der aktuellen Planung, denn sonst riskieren wir einen Baustopp und eine weitere Verzögerung von bis zu zwei Jahren.“

Zur Anbindung des Hauptbahnhofs an den ZOB hat die Verwaltung aber bereits verschiedene Varianten geprüft und sich von der Bahn die Kostenvoranschläge geben lassen. „Grundsätzlich ist eine Anbindung an Grünaustraße oder Poststeg denkbar, hat die Bahn mitgeteilt“, erklärte Lang gestern. Die Bahn als Grundstückseigentümerin müsse von der Stadt mit der Ausführung beauftragt werden. „Die Baumaßnahmen müssten dann aber natürlich zu hundert Prozent von der Stadt bezahlt werden, abzüglich möglicher Förderungen“, gab Lang zu bedenken.

Untersucht wurden folgende Anbindungsvarianten:
  • Variante 1 - Anbindung an die Grünaustraße: Der Fußgängertunnel zu den Bahngleisen wird bis unter die Grünaustraße verlängert, über eine Treppe und einen Aufzug könne man dann die höhergelegene Straße erreichen. Der fußläufige Weg vom Hauptbahnhof zum ZOB würde sich dabei um 77 Meter verkürzen. Die Kosten für diese Variante sind beträchtlich: 4,5 bis 5 Millionen Euro, plus einer Ablöse von 20 bis 30 Prozent des Rechnungsbetrages, die die Stadt an die Bahn für die Nutzung ihres Grundstückes und den Unterhalt bezahlen müsste.
  • Variante 2 - Anbindung an den Poststeg über Bahngleis 2/3, alternativ über Bahngleis 4/5: Die Bahnsteige werden bis unter den Poststeg verlängert und ein Aufzug sowie eine Treppe führen zu ihm hinauf. Die Kosten für diese Maßnahme betragen etwa 600.000 Euro zuzüglich der 20- bis 30-prozentigen Ablöse. Bei der Anbindung über Gleis 2/3 wäre die Wegersparnis zum ZOB 80 Meter. Bei der Anbindung über Gleis 4/5 würde der Weg sogar um 104 Meter verkürzt.
  • Variante 3 - Anbindung über einen direkten Zugang vom Hauptbahnsteig 1 zum Poststeg: Dabei könnte man den bereits bestehenden Lift nutzen. Diese Variante wird von der Deutschen Bahn jedoch von vornherein abgelehnt, da dies mit dem neuen Servicegebäude nicht vereinbar ist. Der Weg würde durch diese Maßnahme außerdem nur um 20 Meter verkürzt.


Überhaupt zeigt sich die Bahn ablehnend gegenüber den Plänen der Stadt. Der Grund: die Steuerung der Bahnkunden. „Die Bahn hat hohes Interesse daran, dass die Bahnkunden den Bahnhof durch das Hauptgebäude verlässt“, erklärt Lang. Im Klartext: Die Bahngäste sollen an den Geschäften vorbei geschleust werden und dort noch möglichst viel Geld stehen lassen. Deshalb sei es der Wunsch der Bahn, so teilte Lang mit, von diesen Plänen Abstand zu nehmen. Eindruck machte dies bei den Stadträten jedoch wenig. „Das wäre erst Recht ein Grund, dass wir das bauen“, meinte Oberbürgermeister und erntete allseits zustimmendes Nicken.



Relativiert die Zeitersparnis die Kosten oder nicht?


Die Kosten hingegen waren schon ein Argument, das einige im Ausschuss abschreckte: „Die Größenordnung der Kosten ist erschlagend, das hätte ich nicht gedacht“, meinte Dr. Gerhard Waschler (CSU), signalisierte aber prinzipiell trotzdem Zustimmung, das Projekt noch näher zu betrachten. Von der ÖDP-Seite kam Zustimmung. „Auch mich erschlagen die Kosten“, sagte Fraktionsvorsitzender Paul Kastner mit dem Hinweis, dass das eigentlich Problem die Lage des ZOB sei. Doch er wolle auch keine erneute Diskussion über eine Verlegung anstoßen, deshalb bevorzuge er im Namen der ÖDP-Fraktion die Variante über den Poststeg, so Kastner.

FDP-Stadtrat Andreas Dittlmann hingegen vertrat eine konträre Meinung. Angesichts der von ihm überschlagenen Zeitersparnis von vielleicht 1,5 Minuten fragte er: „Steht dies wirklich in Relation mit den Kosten?“ Ob die Anbindungsmöglichkeiten überhaupt ausreichend genutzt würden, stellte er ebenfalls in Frage. Denn den „überspitzt gesagt versifften Aufzug“ zum Poststeg würde man jetzt schon nur im äußersten Notfall nutzen. Und einen Weg über die unbelebte Grünaustraße würden vor allem weibliche Nutzer meiden: „Die sind froh, wenn sie über die Bahnhofstraße gehen können“, meinte Dittlmann.

Schließlich einigte man sich im Stadtentwicklungsausschuss aber doch darauf, die Varianten 1 und 2 von der Verwaltung noch intensiver auf Kosten und mögliche Fördergelder prüfen zu lassen. Eine Entscheidung wurde damit auf weiteres vertagt.

Fotos: Archiv Wax sowie Lugbauer

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Bahnhof , Bahnhofstraße , ZOB , Andreas Dittlmann , Alois Feuerer , Grünaustraße , lokalnews , Deutsche Bahn , CSU , ödp , Gerhard Waschler , Paul Kastner , FDP , Eisenbahn

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