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Verkehrsentwicklungsplan bündelt Maßnahmen bis 2025

Ein Plan der kleinen Schritte

Drei Jahre hat man daran gearbeitet, jetzt ist er endlich reif für die Öffentlichkeit: Der Verkehrsentwicklungsplan 2025 für die Stadt Passau steht. Es ist ein Plan der kleinen Schritte.

veröffentlicht von Esther Mischkowski am 01.02.2012 14:21 Uhr im Ressort Politik

Das Münchner Ingenieurbüro Gevas Humberg & Partner wurde 2009 beauftragt, einen neuen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) für Passau zu erarbeiten, weil der aus dem Jahr 1995 nicht mehr zeitgemäß war. Nach drei Jahren Datenerhebungen, Stadtteilworkshops und Beratungen mit Unternehmen, IHK, ADAC, Bund Naturschutz und vielen mehr steht nun das Konzept. Gestern stellte Gevas-Geschäftsführer Harald Spath dem Stadtentwicklungsausschuss die Ergebnisse und einen Maßnahmenkatalog vor. „Der VEP ist nicht der Plan der ganz großen und tollen Maßnahmen“, resümiert Spath.

Geringerer Verkehrszuwachs als gedacht


Das hat einen Grund: „Wir gehen von einem deutlich geringeren Verkehrszuwachs aus als zunächst angenommen“, erklärte Spath. Im Jahr 2009 wurde schon eine Erhebung durchgeführt, aus welchen Teilnehmern der Verkehr in Passau sich zusammensetzt: 40 Prozent sind Binnenverkehr, das heißt sie sind nur im Stadtgebiet unterwegs. 52 Prozent sind Quell- und Zielverkehr, sie kommen entweder aus Passau oder ihr Ziel liegt in der Stadt. Und nur 8 Prozent sind reiner Durchgangsverkehr. Eine reduzierende Stellschraube lässt sich angesichts dieser Zahlen kaum anziehen. Auch hat Gevas eine Prognose bis 2025 erstellt: Demnach nimmt bis dahin der Pkw-Verkehr lediglich zwei Prozent zu, der Lkw-Verkehr etwa 17 Prozent. „Das entspricht einer Zunahme von fünf- bis siebenhundert Lkw pro Tag“, erklärte Spath. Das mag zunächst viel klingen, aber im Vergleich zu anderen Städten, wo die Zunahmeprognosen oft bei 40 Prozent liegen, fällt der Anstieg in Passau noch moderat aus. „Angesichts der Kfz-Prognosen sind keine weiteren großen Infrastrukturprojekte erforderlich“, so Spath und erteilt damit gleichzeitig wiederholt diskutierten Themen wie Nordtangente, Verbindungsspanne Thann und einem Tunnel oder einer weiteren Brücke in die Innstadt eine erneute Absage.


Eine Verbesserung des Verkehrsknotenpunktes Franz-Josef-Strauß-Brücke ist ein zentraler Bestandteil des Verkehrsentwicklungsplans 2025 für Passau.

Bis Mitte März in die Fraktionen verwiesen


Und so fällt auch der erarbeitete Maßnahmenkatalog moderat aus, zumal, wie Spath gestern betonte, „in den letzten Jahren schon viel gemacht wurde“. Nun gelte es, gemäß einer Priorisierung nach kurz-, mittel- und langfristig notwendigen Projekten diese schrittweise durchzuführen, erklärte Spath. Und diese Priorisierung wird nun auf Basis der Empfehlungen von Gevas in den einzelnen Stadtratsfraktionen diskutiert. Mitte März, so der Plan, wird der VEP im Stadtentwicklungsausschuss dann abschließend behandelt werden.

Die Maßnahmen, die teilweise bereits umgesetzt sind oder sich zumindest in Planung befinden, wurden gemäß sieben Leitlinien erarbeitet, die Anfang letzten Jahres im Ausschuss beschlossen wurden. Hier ein Auszug ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Leitlinie 1: Erhalt der Leistungsfähigkeit
Zentrale Maßnahme: Die Nord-Süd-Achse B85/Franz-Josef-Strauß-Brücke/Autobahn-Anschlussstellen sowie die Ost-West-Achse im Bereich des Ilzdurchbruchs sollen bzw. werden bereits durch Straßenbauprojekte ausgebaut: Konkret sind das z.B.
  • zusätzliche Abfahrrampe zwischen B12 und B 8 am südlichen Knotenpunkt FJS-Brücke
  • vierspuriger Ausbau der St 2125 zwischen B12 und nördlichen Knotenpunkt FJS-Brücke
  • vierspuriger Ausbau der B12 zwischen Steinbachstraße und Anschlussstelle Passau-Mitte
  • der Bau einer Ampelanlage an beiden Auffahrten Passau-Mitte
  • vollwertige Linksabbiegespur auf die Hängebrücke vom Ilzdurchbruch her
  • Fußgänger- und Radfahrertunnel durch den Georgsberg
  • Kreisverkehre in Neustift (Kreuzung Steinbachstraße/Holzmannstraße sowie Steinbachstraße/Alte-Post-Straße) sowie weitere in Haidenhof und Kohlbruck


Leitlinie 2: Verträglichkeit des Verkehrs in Stadtteilen und Nebenstraßennetz
Ziel: Alle Verkehrsteilnehmer sollen künftig stärker bei Sanierung oder Umbau von Straßen berücksichtigt werden, auch Fußgänger und Radfahrer. Konkret wird z.B. vorgeschlagen bzw. bereits realisiert
  • Verbesserung bei der Ortsdurchfahrt in Schalding l.D.
  • mehr Tempo-30-Zonen in den Stadtteilen


Leitlinie 3: Verkehrssicherheit
Es konnten keine konkreten Unfallhäufungspunkte im Stadtgebiet festgestellt werden. Trotzdem gibt es Maßnahmen, um die Sicherheit zu erhöhen, z.B.
  • die o.g. Ampelanlage an der Autobahnauffahrt Passau-Mitte
  • Neugestaltung der Media-Markt-Einfahrt mit Ampelanlage


Leitlinie 4: Ausbau Fußgänger- und Radverkehrswege
Ziel: Die Lücken im Fuß- und Radwegenetz sollen in den einzelnen Stadtteilen geschlossen werden. Vorgeschlagene Maßnahmen sind u.a.:
  • Geh- und Radwege von Schalding r.d.D. nach Heining und nach Iring und ein Weg auf auf der Ries
  • der o.g. Geh- und Radfahrertunnel durch den Georgsberg
  • durchgängige Radverbindung zwischen Donau und Inn


Leitlinie 5: Erhalt des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) auf gelichbleibendem Niveau
Hier zertifiziert die Gevas beim Busverkehrsnetz gerade bei der Stadt-Umland-Verknüpfung ein überdurchschnittliches Niveau und hält auch das im Stadtgebiet für angemessen. Somit sei eine Erhaltung des Status Quo angemessen. Viele Haltestellen hingegen könnten aber barrierefrei ausgebaut werden. Park-and-Ride-Angebote sind sogar mehr als nötig vorhanden.


Leitlinie 6: Reduzierung und Steuerung des Güterverkehrs
Hier sind die Einflussmöglichkeiten der Stadt sehr begrenzt, da dieser überörtlich geregelt wird. Ein Verbot des Lkw-Durchgangsverkehrs durch die Stadt wird als unrealistisch angesehen. Eine City-Logistik – also ein zentraler Umschlagplatz für Firmen in der Stadt – würde außerdem nur Sinn machen, wenn die Wirtschaft die Kosten primär selbst trägt.


Leitlinie 7: Reduzierung der Schadstoff- und Lärmbelästigung
Durch ein zentrales Verkehrs- und Mobilitätsmanagement könne man hier in erster Linie nur informativ und organisatorisch eingreifen. Ansonsten gilt es Initiativen zu fördern, z.B.
  • ein Internetportal zur Mobilität
  • verstärkte Öffentlichkeitsarbeit des Umweltverbundes
  • Car-Sharing
  • Elektromoblilität


Foto: Archiv Wax

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