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Es ist die größte Veranstaltung zum Politischen Aschermittwoch. Die Kundgebung der CSU hat in der Anhängerschaft Kultstatus und füllt jedes Jahr die Passauer Dreiländerhalle. Vor allem Franz Josef Strauß hat die Veranstaltung durch markante Sprüche geprägt. Heute haben neben dem kränkelnden Hauptredner Ministerpräsident Horst Seehofer MdEP Manfred Weber, MdB Andreas Scheuer und Generalsekretär Alexander Dobrindt versucht, den Erwartungen gerecht zu werden. Wie jedes Jahr feierte die CSU sich selbst, es gab viel Eigenlob - aber nur wenige Spitzen gegen die politischen Gegner.
Rückblende, es ist 8.30 Uhr, vor der Dreiländerhalle warten schon hunderte CSU-Anhänger und Neugierige. Auf der anderen Straßenseite steht die übliche handvoll Demostranten. Ein Drehorgelspieler beschallt die Szene mit "Ja, mia san mitm Radl do". Hat man sich erst einmal in die Halle gedrängt, fällt vor allem eines auf: die vielen Plakate zur Unterstützung des abwesenden Ex-Ministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Eigentlich gibt es auch kaum anders thematisierte Plakate. Guttenberg ist auch das Thema an vielen Tischen. Die meisten hätten ihn gerne wieder als Redner erlebt.
Um kurz nach 10 Uhr stimmt die Blaskapelle den Bayerischen Defiliermarsch an, Seehofer marschiert mit hohen CSU-Tieren, Sicherheitsleuten und umringt von Fotografen und Kameraleuten in den Saal ein. Winken, Händeschütteln. Dann hat aber erst einmal Manfred Weber das Wort.
Viel Applaus für Stoiber
Der Europa-Abgeordnete begrüßt zunächst die zahlreichen Ehrengäste und Abordnungen zum "original Politischen Aschermittwoch". Der ehemalige Vorsitzende Edmund Stoiber wird mit frenetischem Applaus empfangen wie sonst kein anderer.
Weber startet mit dem Thema Guttenberg, das ohnehin übermächtig präsent ist im Saal. Eine beispiellose Hetzjagd sei das gewesen. "Er hat gestaltet und hatte Mut", sagt er über den eben zurückgetretenen Verteidigungsminister. Anhaltender Applaus. Weber muss sich erst einmal unterbrechen. Er wolle nicht die Fehler kompensieren, aber die Scheinheiligkeit in der Debatte aufzeigen, sagt er und zählt Beispiele für Politiker mit unwahrhaftiger Vergangenheit auf. Als er
auf Gregor Gysi zu sprechen kommt, tobt der Saal. "Es ist eine Schande für unser Land, dass solche Leute im Bundestag sitzen", sagt Weber. Für den Karl-Theodor, schließt er, sei die Tür der CSU immer offen: "Die Linken sollen sich mal nicht zu früh freuen."
"Flo Pronold - genannt Flop"
Verkehrs-Staatssekretär Andreas Scheuer lässt das Guttenberg-Thema lieber unangetastet und hebt stattdessen die Vorzüge der Passauer Region hervor: Die im Ausbau begriffene Uni, den Tourismus, der durch das Prädikat "UNESCO-Welterbe" gefördert werden soll und die Heilbäder. In Sachen Ausbau der A94 wirft er dem SPD-Landesvorsitzendem Scheinheiligkeit vor. Schließlich fordere er jetzt den Ausbau zu beschleunigen - gegen einen Beschluss der damaligen rot-grünen Regierung. "Flo Pronold - genannt Flop. Den Namen müssen Sie sich aber nicht merken."
Dann tritt Seehofer ans Rednerpult. Er sagt: erstmal nichts. Eine Minute steht er schweigend da. Dann grinst er und sagt: "Angela Merkel sagt, dass zum Weltfrauentag die Männer nachdenken sollen. Ich bin ein braver Gefolgsmann der Kanzlerin." Dann legt er los. Seehofer gibt sich betont selbstbewusst. "Erfolg ersetzt alle Argumente", sagt er. Die Partei schaue in die Zukunft. Und was es da zu sehen gibt, das sei gut. Denn nach einer im Auftrag der CSU erstellten Umfrage würden 55 Prozent der Niederbayern die Schwarzen wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre.
"Keine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme"
"Die Deutsche Leitkultur mit christlicher Prägung ist auch Grundlage der Gründerväter der CSU gewesen", sagt Seehofer. Diese Leitkultur sei dafür verantworlich, dass nach der Nazi-Herrschaft auf deutschem Boden "die beste Demokratie" entstanden sei. "Deswegen brauchen wir uns von einem Land, das die Rechte der Frau so missachtet wie die Türkei, nicht darüber belehren lassen, wie man mit religiösen Minderheiten umgeht!" Applaus. Er wolle das in die Verfassung aufnehmen, sagt Seehofer: "Integration muss durch staatliche Institutionen nicht nur gefördert sondern auch von den Migranten gefodert werden." Bildung sei der einzige Schlüssel zur Integration.
Bildung ist überhaupt ein großes Thema für Seehofer. Gerade wenn ab 1. Mai die Freizügigkeit der Arbeitnehmenerschaft eingeführt wird. Denn die eigenen Arbeitslosen müssten weiterqulifiziert werden, bevor man sich um Billigarbeiter aus dem Ausland bemüht. Gegen ausländische Arbeitnehmer in Elite-Berufen habe er nichts. "Aber es darf keine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme geben!"
Niederbayern sei ein "starkes Stück" in Bayern, eine "Fünf-Sterne-Region", ein "Premium-Produkt". Seehofer spart nicht mit Superlativen. Vor allem müsse künftig der ländliche Raum genauso viel - wenn nicht sogar mehr - gefödert werden wie die Städte. Zwischendurch klatschen die Zuschauer immer wieder, besonders im Mittelteil hat die Rede aber ihre Längen. Das schlägt auch auf die Stimmung im Raum.
Natürlich gibt es auch von Seehofer ein paar Spitzen gegen die politischen Gegner. Damit bringt er die Menge zum Toben. Trotzdem wirkt es eher wie ein Pflichtprogramm, das eigentlich nicht richtig in die Rede passt. Egal, den Anhängern gefällt's.
Das sagt Seehofer über die politischen Gegner:
"Der Erfolg der CSU beruht vor allem darauf, dass wir die Ratschläge der SPD nie beachtet haben." "Flo Pronold ist das einzige Schlafmittel, das man mit den Augen einnimmt."
"Westerwelle hat es nicht leicht, denn wenn Wolfgang Kubicki ein Parteifreund ist, dann sind die Taliban ein Gesangsverein."
"Da der Guido eh so oft in Bayern unterwegs ist, habe ich schon überprüfen lassen, ob man ihn nicht dauerhaft aufnehmen könnte. Er ist Vorsitzender der Liberalen in Deutschland. Aber sonst liegen gegen ihn keine negativen Informationen vor."
"Die linken Stasi-Kommunisten haben in Deutschland schon genug Schaden angerichtet. Von solchen Leuten lassen wir uns nichts sagen!"
"Wer Grün wählt, bekommt Rot. Das haben wir in Hamburg gesehen!"
Ganz zum Schluss kommt er dann doch noch auf Guttenberg zu sprechen: "Karl-Theodor, du bist einer von uns und du bleibst einer von uns. Und wir wollen, dass du wieder zurückkehrst in die deutsche Politik!" Im Publikum bricht ein Jubeln aus, wie in keinem Punkt der Rede vorher, aus den hinteren Reihen kommen sogar Gesänge. Die vielen Plakate für Guttenberg werden noch einmal hochgehalten.
Zum Abschluss holt Seehofer noch Edmund Stoiber auf die Bühne. Man stellt sich zum Foto, bevor Generalsekretär Alexander Dobrindt die Gäste vom Stammtisch verabschiedet.