In Lederhose und Trachtenhemd, er war auf dem Weg zum Innstadt Starkbierspektakel, stand Sebastian Frankenberger uns im lokalnews.de-Büro Rede und Antwort zum Thema Sperrzeitverlängerung und dem umstrittenen Nichtraucherschutzgesetz.
Herr Frankenberger, zur Zeit sieht man Sie nur noch selten in Passau. Wie oft sind Sie denn noch in der Stadt?
Eigentlich gar nicht mehr. Zum einen, weil mir überall Beschimpfungen entgegenschlagen. In der Kneipenszene brauche ich mich gar nicht mehr blicken lassen. Zum anderen bin ich momentan in Baden-Württemberg auf Wahlkampftour.
Ihre Wohnung in Passau haben Sie aber noch?
Ja.
Ist die nicht auch in der Altstadt?
Ja. Ich wohne direkt neben dem Scharfrichterhaus.
Dann kennen Sie das Lärmproblem auch aus eigener Erfahrung?
Ja klar. Es ist schon öfter laut. Aber genau deswegen wohne ich ja in der Altstadt: Weil ich gern Leute um mich habe. Klar denk ich mir manchmal: Die Nacht hätte ich gern geschlafen. Bei mir ist das vielleicht ein, zwei Mal im Sommer. Ich kann aber die Anwohner verstehen, die sich aufregen, weil sie ständig Probleme haben.
Daran sind unter anderem die Raucher vor den Türen schuld. Hatten Sie das Problem vor Ihrem Volksbegehren auf dem Schirm?
"Ich habe aber auch schon auf Tischen getanzt, ich bin nackt über den Fünferlsteg gelaufen. Ich brauche keine Alkohol, um alle Hemmschwellen zu verlieren." Ja. 2008, als der Gesetzesentwurf der CSU eingeführt wurden, gab es die Problematik auch schon. Es ist aber Aufgabe der Wirte, für Ruhe vor ihren Lokalen zu sorgen. In anderen Ländern funktioniert das auch. Wenn es ein Wirt nicht in den Griff bekommt, sollte man auch hart durchgreifen – und überlegen, was man mit seiner Konzession macht.
Viele Wirte versichern, dass sie sich bemühen, ihre Gäste ruhig zu halten. Aber wenn 50 Leute flüstern, hallt es eben doch in den kleinen Gassen der Altstadt.
Das Problem gibt es aber schon immer. Man kann die Leute auch nicht einsperren, denn sie wollen ja draußen sein und das Altstadtflair genießen. Sonst würden sie ins Vulcano fahren. Das wird immer schwierig sein.
Man könnte jetzt sagen: Erst brocken Sie den Wirten das Problem ein, dann verschwinden Sie von der Bildfläche. Als das Thema im Dezember im Stadtrat behandelt wurde, haben Sie sich ja auch vornehm zurückgehalten.
Ich habe in der Sitzung nichts gesagt, weil ich einfach keine Lust darauf hatte, dass jeder dritte Satz von anderen Fraktionen ist: „Jetzt muss der Frankenberger aber mal was machen.“ Egal, was ich gesagt hätte, es wäre nur noch mehr Öl ins Feuer gegossen worden.
Dass die Leute sich darüber aufregen verstehen Sie aber?
"Ich bekomme immer noch wöchentlich Morddrohungen." Ich sage es immer wieder: Das war ein Volksbegehren. Das Volk hat abgestimmt, nicht ich. Wir haben einen CSU-Gesetzestext übernommen und jetzt bin ich der Sündenbock. Ich bin nur jemand, der eine Kampagne organisiert hat. Ich stelle mich auch gerne der Diskussion, aber ich denke, die müsste man auf einer anderen Ebene führen.
Auf welcher denn?
Man müsste sich die Frage stellen: Was ist mit unserem Bildungssystem passiert, dass Jugendliche so ausflippen und randalieren, dass Studenten sich bei Bootspartys volllaufen lassen. Dass die Leute Alkoholexzesse brauchen, um runterzukommen vom täglichen Arbeitsdruck und nicht mehr lernen, Rücksicht auf Andere zu nehmen.
Das gesellschaftliche Problem kann man aber auf die Schnelle nicht beseitigen. Was kann man denn sofort tun? Haben Sie da eine Idee?
Wir versuchen ja auch nicht, das gesellschaftliche Problem in Zukunft aus der Welt zu schaffen. Da müsste viel im Schul- und Studiensystem passieren. Als Sofortmaßnahme finde ich die Plakataktion der Wirte gut. Wir haben auch eine Sicherheitswacht in Passau, die man einsetzen könnte um die Leute freundlich darauf hinzuweisen, dass sie leise sein sollen. Man muss die Gäste sensibilisieren.
Ist eine Sperrzeitverlängerung eine Lösung?
"Du meinst es gut, du machst was für die Gesundheit. Und dann darfst du dich so lang rumärgern. Richtig: Es nervt." Eher ein letztes Mittel. Ich finde gut, dass sie jetzt angedroht wird. Für die Auswirkungen auf Passau bin ich aber skeptisch. Wir haben jetzt verschiedene Sperrzeitmodelle. Wenn alle Leute um die gleiche Zeit aus den Lokalen strömen, gibt es vielleicht nur noch mehr Probleme. Sinnvoller ist es, die Leute mit den Sperrzeiten gezielt zu lenken - in Bereiche, wo es weniger Anwohner gibt. Die Leute wollen fortgehen, die wollen nicht um zwei Uhr heim.
Haben Sie selbst nie über die Stränge geschlagen beim Feiern?
Nein. Ich war auch noch nie besoffen. Habe noch nie Alkohol getrunken. Ich bin eine richtige Spaßbremse.
Das sagen Sie sogar selbst?
Das sagen die Leute über mich. Ich habe aber auch schon auf Tischen getanzt, ich bin nackt über den Fünferlsteg gelaufen. Ich brauche keinen Alkohol, um alle Hemmschwellen zu verlieren.
Haben Sie Ihr Engagement für den Nichtraucherschutz schon mal bereut?
Ich bekomme immer noch wöchentlich Morddrohungen. Ich habe immer Pfefferspray dabei. Vor drei Wochen hatte ich bei einer Veranstaltung wieder Polizeischutz, letzte Woche hat mich wieder ein Wirt rausgeworfen. Aber da stehe ich drüber.
Und das war es Ihnen wert?
Was es mir wert war ist, dass wir einen Anstoß geleistet haben zur Diskussion über Bürgerbeteiligung. Und einen Beitrag zum Jugend- und Gesundheitsschutz geleistet haben. Es wird weniger jugendliche Raucher und Herzinfarkte geben. Das war es auf jeden Fall wert.
Geht es Ihnen nicht langsam auf die Nerven, dass diese Diskussion so auf ihre Person projiziert wird?
Es geht mir tierisch auf die Nerven. Ganz ehrlich: Du meinst es gut, du machst was für die Gesundheit. Und dann darfst du dich so lang rumärgern. Richtig: Es nervt.
Vielen Dank für das Interview.
Zur Person
Sebastian Frankenberger (29) ist Initiator des erfolgreichen Volksbegehrens „Für echten Nichtraucherschutz!“ in Bayern. Frankenberger hat Lehramt und Theologie studiert, jeweils ohne Abschluss. Er ist ausgebildeter Notfallseelsorger und Fremdenführer. Frankenberger war katholischer Oberministrant, mehrere Jahre Pfarrgemeinderatsvorsitzender und stellvertretender Dekanatsratsvorsitzender im Stadtdekanat Passau. Schon während seiner Schulzeit engagierte sich Frankenberger für die CSU, 2004 wechselte er jedoch zur ÖDP, deren Bundesvorsitzender er seit 2010 ist. Sein Stadtratsmandat, das er seit 2008 innehatte, legte er nieder. Am Montag wurde er im Plenum verabschiedet.
Fotos: Wax