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Jeden Montag zur Mahnwache: Aus Überzeugung

"Dieses Thema muss öffentlich bleiben"

Montag, 18 Uhr, Ludwigsplatz, Flagge zeigen gegen Atomkraft und Solidarität symbolisieren mit den Opfern in Japan: Für viele Passauer ist dieser Termin schon zum Fixpunkt in der Woche geworden.

veröffentlicht von Susanne Wax am 05.04.2011 10:08 Uhr im Ressort Politik

Vier Mal in Folge standen nun schon die Kerzen in der Mitte der Menschentraube, las man Prostestworte auf Bannern, hörte man Reden von Politikern und Naturschützern. Vier Mal bereits waren Anja und Joachim Biedermann montags dabei und sie werden auch weiterhin dabei sein: "Aus Überzeugung", sagt Joachim Biedermann. Seine Söhne Linus, Johannes und Raphael haben Fahnen dabei, ihren Freund Andreas haben sie auch mitgebracht. "Wir haben uns vor der Katastrophe in Japan schon gegen Atomkraft engagiert. Und jetzt läuft man Gefahr, dass das Thema wieder aus dem öffentlichen Fokus verschwindet", sagt Joachim Biedermann. Jede Woche wieder dran erinnern, was passiert sei und was passieren könne, das sei wichtig.




Weg von der Arbeit, die Kinder einsammeln und zur Mahnwache

Er und seine Frau sind beide berufstätig. "Es kostet schon Energie, schnell von der Arbeit weg, die Kinder einsammeln und dann auf 18 Uhr hierher. Aber wir tun es gern", erklärt Biedermann.

Quirin Würfl (20, l.) und Alexander Pieringer (21) haben da ein bisschen weniger Stress: Die beiden Studenten haben momentan Semesterferien. Alexander ist bereits zum vierten Mal da, Quirin ist zum ersten Mal mitgegangen. "Montag 18 Uhr, das lässt sich einrichten", sagt Alexander. Er sei grundsätzlich gegen Atomkraft: "Das ist für mich eine Energieform, die nicht akzeptierbar ist." Die Ereignisse in Japan seien nur ein Anlass, das einmal zum Ausdruck zu bringen, die Überzeugung sei bei vielen Menschen da, findet er. Quirin sieht es ähnlich: Mit Mahnwachen könne man für Öffentlichkeit sorgen. "Und ich hoffe, dass die anderen Parteien irgendwann umdenken wenn sie sehen, dass die breite Bevölkerung gegen Atomkraft ist."


"Man muss Flagge zeigen"

"Auch wenn die Ägypter schon Atomkraftwerke gehabt hätten gäbe es die Angst davor und die Gefahr davon immer noch", sagt Anton Rosenberger (r.). Er ist zum vierten Mal da, hat diesmal Hans Schropp mit zur Mahnwache genommen. Die beiden Straßkirchener finden, dass sich dieser Termin montags locker einrichten lässt.

"Man muss Flagge zeigen", sagt Hans Schropp. Wenn es schon ein Ereignis wie Fukushima dazu brauche, dass die Leute bereits zum Demonstrieren sind, dann müsse man die schlimmen Vorfälle wenigstens möglichst lange verdeutlichen, ergänzt Anton Rosenberger: "Es ist nämlich ansonsten ein Problem, die Leute zu mobilisieren."



Burkert: "Die Leute kommen des Themas wegen"

Boris Burkert hat bis jetzt bei jeder Mahnwache eine Ansprache gehalten. Der Grünen-Kreisvorsitzende ist einer der Organisatoren der Mahnwachen. Außer den Grünen sind die SPD und die ÖDP an der Umsetzung beteiligt, die Linke, die Plattform gegen Temelin und die Initiative "Mut zum Unmut", die vor kurzem die Menschenkette gegen Atomkraft am Inn organisiert hat. Unter den Besuchern hat Burkert jede Menge regelmäßige Teilnehmer und auch viele neue entdeckt: "Diese Mischung ist toll. Man merkt, dass es sich immer mehr rundumspricht."

Auch wenn es gestern etwas weniger Besucher waren als sonst, um die 250 statt zwischen 300 und 400, Burkert glaubt an die Nachhaltigkeit der Mahnwachen: "Die Leute kommen des Themas wegen. Das ist das Wichtigste." Wenn schon so viele sich Zeit nehmen am Montagabend, dann soll es sich auch rentieren, sagt er. Drum organisiert er stets Gastredner, drei Mal gab es bereits Musik. Und bald soll die Technik verbessert werden, sagt er. Die Ansprachen werden lediglich über ein Megaphon weitergetragen. "Wir wollten gestern eine neue Lautsprecheranlage ausprobieren, haben das wegen des anfänglichen Regens aber gelassen."

Burkert freut es zu beobachten, dass die Menschen nach der Mahnwache noch eine ganze Weile beisammen stehen und sich unterhalten. "Mir fällt nur auf, dass sehr viele ganz junge und sehr viele ältere Menschen zu den Mahnwachen kommen. Was ein bisschen fehlt, sind die mittleren Jahrgänge."

"Bis der Bundespräsident seine Unterschrift unter den Atomausstieg gesetzt hat" werde es in Passau den Termin Montag, 18 Uhr, Ludwigsplatz geben, hat Burkert einmal angekündigt. "Das meine ich ernst", sagt er.


Am Montag, 25. April, gibt es statt der Mahnwache einen Sternmarsch. Treffpunkte sind um 18 Uhr am Mahnmal am Inn, an der Sparkasse in der Fußgängerzone und am Rathausplatz. Dort gibt es jeweils Ansprachen, dann zieht man zur Ortsspitze. Dort soll es laut Burkert "eher besinnlich ablaufen und weniger politisch".


Fotos: Wax


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Schlagwörter & Themen:
Ludwigsplatz , Fußgängerzone , Mut zum Unmut , Rathausplatz , Atomkraft , Atomausstieg , ödp , Mahnwache , SPD , Ortspitz

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