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Hildegunde Brummer ist wieder da

Die neue alte Stadträtin

Rosa, lila, hellblau, das sind die Farben von Hildegunde Brummer. Bei aller Pastelligkeit ist sie aber eine Frau mit Durchsetzungskraft.

veröffentlicht von Laura Lugbauer am 11.04.2011 12:56 Uhr im Ressort Politik

Vergissmeinicht stehen auf dem Tisch in ihrem Wintergarten. Vergessen hat die agile Seniorin während ihrer dreijährigen Stadtratsabstinenz kaum jemand. Denn auch abseits des Gremiums kennt Brummer weder Stillstand noch Langeweile.

Sie ist eine starke Frau, die sich immer für andere Frauen stark gemacht hat. Geboren in der Nähe von Straubing, besuchte sie zunächst eine Lehrerbildungsanstalt – als eines von wenigen Mädchen. Wegen der vielen Kriegsheimkehrer, die quasi im Eilverfahren zu Lehrern ausgebildet wurden, wurde den Eltern nahe gelegt, für die jungen Frauen alternative Ausbildungen zu suchen – wegen dem großen Angebot bestünden kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Hildegunde Brummer schulte um – und arbeitete als Bürokraft in einer Kammgarnspinnerei. 1954 lernte sie ihren Mann Robert kennen, einen Passauer. 1957 zog sie mit ihm in die Dreiflüssestadt.

1984: Frauen-Offensive im Stadtrat


Zur Politik kam sie über die damals einzige Stadträtin und Frauenbundsvorsitzende Maria Weiß. Die hatte sie bereits in den 70er Jahren zu einer Gründungsversammlung der Frauen Union eingeladen. „Das ist damals aber eher formlos abgelaufen, es gab keine Mitgliedschaftsfomulare“, erinnert sich Brummer. Erst 1984 kandidierte sie dann zum ersten Mal für den Stadtrat. „Da hat sich eine Gruppe Frauen zusammengefunden und wir haben gesagt: Für jeden Ortsverband kandidiert jetzt eine.“ Bei den Stadtratswahlen 1984 und 90 sowie bei den Neuwahlen 1992 verfehlte Brummer jeweils knapp ein Mandat. „Erst 1996 gab es einen besseren Listenplatz für die Frauen Union, weil die Junge Union ja auch einen hat“, erklärt Brummer. „Im Nachhinein haben wir vielleicht etwas zu aggressiv Wahlkampf betrieben“, sagt sie und erinnert sich schmunzelnd an verteilte Blumengestecke und Herzen und an die Zeit, als die FU noch fast wöchentlich in der Zeitung vertreten war - sowas kannten die Ratsherren bis dahin nicht und die Frauen wurden durchaus misstrauisch beäugt.




"Eine Disko wär schon auch was"


Hildegunde Brummer ist eine Kämpferin. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann gibt sie auch keine Ruhe, bis sie sich durchgesetzt hat. Beispiel: Die gotische Heilig-Geist-Kirche in der Heilig-Geist-Gasse neben dem Seniorenheim. Seit 1996 kämpft sie dafür, dieses Kleinod der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nachdem die Kirche nicht mehr gebraucht wurde, war sie über Jahre hinweg Abstellraum. Mit ihrem Stadtratsmandat übernahm Brummer 1996 auch die Funktion als ehrenamtliche Verwaltungsrätin der Heilig-Geist-Stiftung (dazu gehört alles, was „Heilig-Geist“ heißt, also auch das Seniorenheim und der Stiftskeller). Drei Jahre später der erste Erfolg: Die Kirche wurde profaniert. Mittlerweile dürfen dort Veranstaltungen stattfinden – nachdem einige bauliche, sicherheitsrechtliche und denkmalschützerische Hinderniss überwunden werden mussten. „Für eine Disko wäre der Raum schon was“, sagt Brummer mit einem Augenzwinkern. Aber das ist nicht erlaubt – „entwürdigende“ Events sind nicht erlaubt im ehemaligen Gotteshaus. Seit zwei Jahren gibt es den von Brummer gegründeten Förderverein, der sich um die Belebung der Räume kümmert.

Ein Schal für jede Gelegenheit


Neben ihrer Funktion als Fördervereinschefin ist Hildegunde Brummer auch stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirats. „Mir wäre also auch ohne meine Rückkehr in den Stadtrat nicht langweilig geworden.“ Langeweile, das ist ein Zustand, den Brummer eigentlich gar nicht kennt. Über 30 Jahre hat sie Kreativ-Kurse in früheren „Haus der Familie“ gegeben: Emaillieren, Korbflechten, Blumengestecke anfertigen und Batiken. Dutzende Schals hat sie in dieser Technik hergestellt. „Zu jedem Outfit gehört ein Schal“, sagt Hildegunde Brummer. Sie selbst hat zu jeder Kleidung das passende Halstuch. Dass sie viel Wert auf ihr Äußeres legt, dafür ist Brummer bekannt. Die blonde Kurzhaarfrisur immer akkurat in Locken gelegt, hellblauer Lidschatten, roter Lippenstift. Meist trägt sie Blazer in Pastelltönen, rosa, hellblau, hellgrün – aber auch mal kräftiges Pink.

"Ich bin ein Nachtarbeiter"


Schöne Dinge hat Brummer nicht nur gerne an sich sondern auch um sich. Auf eine jahreszeitengemäße Dekoration im Haus legt sie viel Wert. „Die Nacht vor dem ersten Advent ist immer kurz“, sagt sie, „mir ist einfach nicht wohl, bis ich alles habe.“ Lange wach bleiben, das macht ihr aber nichts aus. "ich bin ein Nachtarbeiter", sagt sie über sich selbst. Das muss sie auch, denn auch abseits der häuslichen Dekoration brächte sie all ihre Aktivitäten nur schwer vor Einbruch der Dunkelheit unter einen Hut. "Mein Mann unterstützt mich sehr", sagt Brummer, "ohne ihn ginge das alles gar nicht." Nur bei der Dekoration, da hält sich Robert Brummer lieber raus.

Der Weihnachtsschmuck wird jedes Jahr in Wort und Bild dokumentiert: „Ich mag nie zweimal das gleiche haben.“ Mehrere Garnituren Vorhänge liegen auch bereit und werden regelmäßig eingewechselt. Für ihre drei Kinder gleicht die Veränderungswut schon fast einer Phobie, sie dekorieren gar nicht. „Meine älteste Tochter mag nicht mal eine Tischdecke“, erzählt Brummer.

Gestalterisch will sie sich nun auch im Stadtrat einbringen, vor allem in den Ausschüssen für Soziales und Senioren und für Kultur. Dass sie wieder in die Kommunalpolitik zurückkehrt, das war für sie von Anfang an klar. "Die Leute haben mich gewählt und diesen Auftrag nehme ich jetzt wahr", erklärt sie. Wieder im Stadtrat mitgestalten zu können, das ist für sie: "A wahre Freid:" Voller Tatendrang ist sie jetzt schon. „Ich bin in absoluter Hochstimmung und erwarte die Unterstützung meiner Kollegen“; sagt sie. So will sie auch die Heilig-Geist-Kirche weiter voran bringen. Das hat sie sich in den Kopf gesetzt.

Hildegunde Brummer wurde 1932 in Schönach bei Straubing geboren. Die Hausfrau und Referentin lebt mit ihrem Mann Robert in Auerbach und hat drei Kinder. Von 1996 bis 2008 war sie Stadträtin, jetzt rückt sie für den verstorbenen Karl Abelein nach. Zusammen mit dessen Onkel Fritz Abelein führt sie den Seniorenbeirat, zudem ist die Vorsitzende des Fördervereins Heilig-Geist-Kirche. Schwerpunkt ihrer Arbeit im Stadtrat sollen - na klar - Frauen und Senioren werden. Dass sie das älteste Mitglied im Gremium sein wird, sieht sie unproblematisch: "Es geht doch schon lange nicht mehr ums Alter. Man ist immer so alt wie man sich fühlt. Und wer keine Aufgabe hat, der baut ab."


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